Selbstmordanschlag auf indische Botschaft

8. Oktober 2009, 16:12
67 Postings

Taliban bekennen sich zu Attentat: 17 Tote

Kabul - Bei einem neuerlichen Selbstmordanschlag auf die indische Botschaft in Kabul sind mindestens 17 Menschen getötet und 76 weitere verletzt worden. Im Juli 2008 waren bei einem Selbstmordanschlag auf die indische Botschaft in Kabul mehr als 50 Menschen getötet worden, darunter zwei indische Diplomaten. Derweil erschossen afghanische und ausländische Soldaten bei einem Gefecht in der zentralafghanischen Provinz Logar versehentlich ein Kind.

Aufständische Taliban haben sich zu dem Selbstmordanschlag auf die indische Botschaft bekannt. In einer auf der Webseite der Islamisten veröffentlichten Mitteilung hieß es, die diplomatische Vertretung sei das Hauptziel des Anschlags gewesen, den ein Attentäter namens Khalid verübt habe. 35 Menschen seien dabei getötet worden. Die Taliban kontrollieren große Teile des Südens und haben ihr Operationsgebiet inzwischen auch weiträumig auf den Norden des Landes ausgedehnt.

Keine Inder getötet

Nach Angaben des indischen Außenministeriums sind keine indischen Mitarbeiter unter den Toten. Außenstaatssekretärin Nirupama Rao sagte, drei Angehörige des indischen Sicherheitspersonals seien leicht verletzt worden. Der afghanische Präsident Hamid Karzai verurteilte die Tat als "abscheulichen Terrorakt", der offensichtlich gegen Zivilisten gerichtet gewesen sei. Es war der vierte Selbstmordanschlag in Kabul seit den umstrittenen Präsidentschaftswahl vom August. Das Innenministerium teilte mit, der Attentäter habe sich in einem mit Sprengstoff beladenen Wagen in die Luft gesprengt. Das Innenministerium und andere Regierungsgebäude liegen in der Nähe des Anschlagsortes. Der private Sender Tolo-TV  zeigte Bilder, auf denen zwei durch die Explosion beschädigte gepanzerte Fahrzeuge zu sehen waren. Eines davon trug ein Kennzeichen der Vereinten Nationen.

Indien hat keine Truppen in Afghanistan, engagiert sich aber massiv beim zivilen Wiederaufbau. Das indische Engagement irritiert den Erzrivalen Pakistan. Für den Anschlag auf die indische Botschaft im Juli 2008 hatte Indien den pakistanischen Geheimdienst ISI mitverantwortlich gemacht. Pakistan hatte das zurückgewiesen.

Die NATO-geführte internationale Schutztruppe ISAF teilte am Donnerstag mit, bei einem Einsatz in der Provinz Logar südlich von Kabul seien in der Nacht neben einem Kind auch mehrere Aufständische getötet worden, darunter ein Taliban-Kommandant. Die Truppen seien aus einem Gebäude heraus beschossen worden und hätten das Feuer erwidert. Die Soldaten hätten alle Anwesenden mehrfach aufgefordert, das Haus zu verlassen. Nachdem diese Aufforderungen unbeantwortet geblieben seien, hätten sie das Gebäude gestürmt und mehrere Extremisten getötet. Bei der Durchsuchung des Gebäudes hätten die Soldaten ein verwundetes Kind entdeckt, dass später an seinen Schussverletzungen gestorben sei. Der getötete Taliban-Kommandant sei für mehrere Angriffe und Entführungen verantwortlich gewesen.

Frankreich beklagt nun wie Deutschland das 36. Opfer des Einsatzes in Afghanistan. Am Donnerstag starb nach Angaben der Regierung in Paris ein Unteroffizier an den Folgen eines Anschlags am 4. September. Der Mann gehörte zur Besatzung eines gepanzerten Fahrzeugs, das auf einen Sprengsatz gefahren war. Die Zahl der Toten bei dem Anschlag erhöhte sich damit auf drei. Zwei Kameraden des Unteroffiziers waren bereits kurz nach dem Attentat gestorben. In Afghanistan sind rund 2900 französische Soldaten im Einsatz. (APA)

  • Rauchpilz über der Innenstadt von Kabul
    foto: epa

    Rauchpilz über der Innenstadt von Kabul

  • Ermittler untersuchen die Reste des explodierten Autos
    foto: epa

    Ermittler untersuchen die Reste des explodierten Autos

Share if you care.