Taliban bekennen sich zu Attentat: 17 Tote
Kabul - Bei einem neuerlichen Selbstmordanschlag auf die
indische Botschaft in Kabul sind mindestens 17 Menschen getötet und 76 weitere verletzt worden. Im Juli 2008 waren bei einem
Selbstmordanschlag auf die indische Botschaft in Kabul mehr als 50 Menschen
getötet worden, darunter zwei indische Diplomaten. Derweil erschossen afghanische und ausländische Soldaten bei einem Gefecht
in der zentralafghanischen Provinz Logar versehentlich ein Kind.
Aufständische Taliban haben sich zu dem Selbstmordanschlag auf die indische
Botschaft bekannt. In einer auf der Webseite der Islamisten veröffentlichten
Mitteilung hieß es, die diplomatische Vertretung sei das Hauptziel des Anschlags
gewesen, den ein Attentäter namens Khalid verübt habe. 35 Menschen seien dabei
getötet worden. Die Taliban kontrollieren große Teile des Südens und haben ihr
Operationsgebiet inzwischen auch weiträumig auf den Norden des Landes
ausgedehnt.
Keine Inder getötet
Nach Angaben des indischen Außenministeriums sind keine indischen Mitarbeiter
unter den Toten. Außenstaatssekretärin Nirupama Rao sagte, drei Angehörige des
indischen Sicherheitspersonals seien leicht verletzt worden. Der afghanische Präsident Hamid Karzai verurteilte die Tat
als "abscheulichen Terrorakt", der offensichtlich gegen Zivilisten gerichtet
gewesen sei. Es war der vierte Selbstmordanschlag in Kabul seit den umstrittenen
Präsidentschaftswahl vom August. Das Innenministerium teilte mit, der Attentäter
habe sich in einem mit Sprengstoff beladenen Wagen in die Luft gesprengt. Das
Innenministerium und andere Regierungsgebäude liegen in der Nähe des
Anschlagsortes. Der private Sender Tolo-TV zeigte Bilder, auf denen zwei durch
die Explosion beschädigte gepanzerte Fahrzeuge zu sehen waren. Eines davon trug
ein Kennzeichen der Vereinten Nationen.
Indien hat keine Truppen in Afghanistan,
engagiert sich aber massiv beim zivilen Wiederaufbau. Das indische Engagement
irritiert den Erzrivalen Pakistan. Für den Anschlag auf die indische Botschaft
im Juli 2008 hatte Indien den pakistanischen Geheimdienst ISI mitverantwortlich
gemacht. Pakistan hatte das zurückgewiesen.
Die NATO-geführte internationale Schutztruppe ISAF teilte am Donnerstag mit,
bei einem Einsatz in der Provinz Logar südlich von Kabul seien in der Nacht
neben einem Kind auch mehrere Aufständische getötet worden, darunter ein
Taliban-Kommandant. Die Truppen seien aus einem Gebäude heraus beschossen worden
und hätten das Feuer erwidert. Die Soldaten hätten alle Anwesenden mehrfach
aufgefordert, das Haus zu verlassen. Nachdem diese Aufforderungen unbeantwortet
geblieben seien, hätten sie das Gebäude gestürmt und mehrere Extremisten
getötet. Bei der Durchsuchung des Gebäudes hätten die Soldaten ein verwundetes
Kind entdeckt, dass später an seinen Schussverletzungen gestorben sei. Der
getötete Taliban-Kommandant sei für mehrere Angriffe und Entführungen
verantwortlich gewesen.
Frankreich beklagt nun wie Deutschland das 36. Opfer des Einsatzes in Afghanistan. Am Donnerstag starb nach Angaben der
Regierung in Paris ein Unteroffizier an den Folgen eines Anschlags am 4.
September. Der Mann gehörte zur Besatzung eines gepanzerten Fahrzeugs, das auf
einen Sprengsatz gefahren war. Die Zahl der Toten bei dem Anschlag erhöhte sich
damit auf drei. Zwei Kameraden des Unteroffiziers waren bereits kurz nach dem
Attentat gestorben. In Afghanistan sind rund 2900
französische Soldaten im Einsatz. (APA)