Bereit zu IWF-Überprüfung

7. Oktober 2009, 21:31
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Vereinbarung am Rande der Weltbank- und IWF-Tagung in Istanbul

Buenos Aires - Argentinien hat einen Richtungswechsel in seiner Finanzpolitik vollzogen und sich zu einer Überprüfung durch den Internationalen Währungsfonds (IWF) bereiterklärt. Das hätten Wirtschafts- und Finanzminister Amado Boudou und IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn am Rande der Weltbank- und IWF-Tagung in Istanbul vereinbart, berichteten argentinische Medien. Boudou meinte anschließend, Argentinien sei damit auf die internationalen Finanzmärkte zurückgekehrt. Von dort hatte es sich seit 2002 nach und nach verabschiedet. Vor allem Ex-Präsident Néstor Kirchner (2003- 2007) hatte Ratschläge und Auflagen des IWF für den wirtschaftlichen Niedergang des Landes verantwortlich gemacht.

Die Abkoppelung von den internationalen Finanzmärkten kam stufenweise. Ab 2002 bediente Argentinien seine Auslandsschulden nicht mehr, dann setzte es eine Umschuldung bei seinen privaten Gläubigern durch, die viele nicht mitmachten. 2005 beglich das südamerikanische Land zwar alle Schulden beim IWF, verbot sich aber zugleich weitere Überprüfungen. Damit wurden Kredite für den Staat und für argentinische Unternehmen fast unerschwinglich teuer. Analytiker in Buenos Aires betonten am Mittwoch jedoch, vor einem wieder normalen Zugang zu günstigen ausländischen Krediten liege noch ein weiter Weg.

Eine Überprüfung durch den IWF sei zwar eine wichtige Voraussetzung, aber es bestünden noch weitere wichtige Hürden, schrieb die Zeitung "La Nacion". So müsse eine Einigung mit den privaten Gläubigern erzielt werden, die die Umschuldung abgelehnt hatten, den sogenannten Holdouts, und mit den im Pariser Club organisierten staatlichen Gläubigern. Bei den Holdouts habe Argentinien Schulden von 29 Milliarden Dollar (20 Mrd Euro), beim Pariser Club von 6,5 Milliarden Dollar. Dort ist Deutschland der größte Gläubiger.

Nach Worten Boudous bedeutet die Bereitschaft, die Wirtschafts- und Finanzpolitik seines Landes vom IWF überprüfen zu lassen, keine Aufgabe einer eigenständigen Politik. "Wir wollen die Rückkehr auf die internationalen Finanzmärkte. Dabei gibt es verschiedene Aspekte zu beachten, aber keiner von ihnen hat mit einer Änderung der argentinischen Wirtschaftspolitik zu tun", betonte er. Nach Einschätzung von Experten dürfte eine Überprüfung durch den IWF relativ glimpflich ablaufen. Nur bei den statistischen Daten zur Inflation, Wirtschaftswachstum, Exporten und den Armutszahlen werde es vermutlich Kritik des Fonds geben. Diese Daten des nationalen Statistikamtes Indec gelten seit langem als geschönt. Auch dürften die Ausgaben der öffentlichen Hand als zu hoch bezeichnet werden. (APA)

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