Toter bei Truppenübung

7. Oktober 2009, 20:01
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Diesmal explodierte die Granate, ehe sie abgefeuert wurde. Ein Korporal wurde getötet, ein Grundwehrdiener an den Händen schwer verletzt

Wieder ein Unglück beim Schießen mit der Panzerhaubitze M-109 - Von Conrad Seidl 

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Wien - Ein 20 Jahre alter Korporal, der beim Artillerie- und Aufklärungsbataillon 7 in Feldbach stationiert war, ist beim Scharfschießen auf dem Truppenübungsplatz Allentsteig tödlich verunglückt. In seinem Geschütz des Typs M-109 explodierte eine Granate, ehe sie abgefeuert werden konnte. Ein weiterer Soldat, der gerade in dem Geschütz war, wurde an den Händen verletzt. Der 19-jährige Grundwehrdiener wurde ins Krankenhaus St. Pölten geflogen, für ihn besteht keine Lebensgefahr.

Der Vorfall ereignete sich gegen halb zwölf Uhr mittags im südwestlichen Teil des größten militärischen Übungsgeländes Österreichs, etwa einen Kilometer nördlich vom Stift Zwettl.

Scharfschießen ein Höhepunkt der Übung

Die Truppe aus Feldbach hatte seit der Vorwoche in Allentsteig mit 280 Mann geübt. Das Scharfschießen solle ein Höhepunkt der Übung werden. Es habe sich um routinemäßiges Scharfschießen gehandelt, das nach der Explosion abgebrochen wurde, wurde vonseiten des Bundesheeres erklärt.

Zweite Schießunfall mit der amerikanischen Haubitze

Unmittelbar nach dem Unfall wurde eine siebenköpfige Untersuchungskommission eingerichtet, zur Betreuung der Kameraden der Opfer ist der heerespsychologische Dienst angefordert worden. Auch ein Militärpfarrer ist im Einsatz. Niederösterreichs Militärkommandant Generalmajor Johann Culik hat den Unfallort am Nachmittag inspiziert. Es ist der zweite Schießunfall mit der amerikanischen Haubitze innerhalb von einem Monat. Im September hatte es durch menschliches Versagen einen Fehlschuss gegeben, der mitten in einem Ortsgebiet gelandet war. Der damals verantwortliche Soldat - er galt als besonnen und verlässlich - muss nun mit einem zivilen Strafverfahren und einem militärischen Disziplinarverfahren rechnen.

Unterschiedliche Ursachen

Der ranghöchste Offizier des Bundesheeres, General Edmund Entacher, räumt im Gespräch mit dem Standard ein, dass es in den letzten Monaten "eine Häufung von Unglücksfällen, allerdings mit ganz unterschiedlichen Ursachen" gegeben hat.

Die drei auffälligsten Ereignisse - eine auf die Autobahn bei Stockerau getriebene Nebelwand, der Granateneinschlag am Kalvarienberg in Allentsteig und die Explosion am Mittwoch - seien grundverschieden. So sei zwar bei dem Unfall an der A22 ein Fehler der Ausbildner festgestellt worden, der darauf folgende tödliche Autounfall sei aber auf einen Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung zurückzuführen. Der Schießunfall vom 16. September war die Folge einer Fehlbedienung des Navigations- und Zielsystems. Und was am Mittwoch passiert ist, sei noch zu klären.

"Wie bei Klavierspieler"

Aber einen Schluss zieht der General: "Wann immer es sich um Ausbildungsfehler handelt, dann kann die Abhilfe nur darin bestehen, besser auszubilden, also mehr zu üben. Da wir durch den Grenzeinsatz im Burgenland nicht mehr so stark gebunden sind, haben wir jetzt die Gelegenheit dazu: Das ist wie bei einem Klavierspieler - wenn der nicht ständig übt, verliert er sehr rasch seine Fähigkeiten."

Heeres-Kritiker hatten immer wieder auf mangelnde Mittel für die Ausbildung hingewiesen. Dies hat aber vor allem die Miliz betroffen. (Conrad Seidl, DER STANDARD Printausgabe 8.10.2009)

  • Panzerhaubitze M-109: Im Kampfraum des Geschützes ist eine Granate explodiert, sie hat einen 20 Jahre alten Korporal aus dem Burgenland tödlich verletzt
    foto: bundesheer

    Panzerhaubitze M-109: Im Kampfraum des Geschützes ist eine Granate explodiert, sie hat einen 20 Jahre alten Korporal aus dem Burgenland tödlich verletzt

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