Bundesbahn-Blues

7. Oktober 2009, 18:57
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Es gab einen Zug nach Venedig, der sieben Stunden brauchte, dann plötzlich acht. Jetzt stirbt er ganz

Wer Venedig liebt, muss leiden. Die organisierte Kriminalität in Gestalt von Hoteliers und Wirten. Die sich entlang der Linie Rialto - San Marco dahinschiebenden kurzbehosten Pizza-im-Gehen-Mampfer, denen man ansieht, dass sie sich fragen, was das hier Besonderes sein soll. Und die Anreise von Wien aus.

Wer nicht mit dem Auto (Bus) kommen will, hatte bisher die ÖBB und die AUA. Flüge werden manchmal eine Stunde vorher storniert. Oder das Gepäck kommt nicht mit, weil plötzlich (noch) kleinere Maschinen eingesetzt werden. Es gibt die Nachtzüge. Sie brauchen nur so zehn Stunden und wer nicht schlafen kann, sieht sich eben zwischen 2.52 und 5.16 Uhr das Abstellgleis im schönen Mestre an, wo der Zug ausruht, ehe man in den Regionalzug umsteigt, der dann um 5.26 Uhr in Venezia Santa Lucia glücklich einläuft. Früher gab es einen Tageszug so um 6.30 Uhr, der sieben Stunden brauchte, dann plötzlich acht, weil er in Österreich und Italien in ein paar wichtigen Kleinstädten mehr halten musste. Der Zug stirbt jetzt auch.

Die Italiener sind schuld, sagen die ÖBB. Man fährt eben bis Klagenfurt und Villach und dann mit Bussen weiter. Europareif. (Hans Rauscher, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.10.2009)

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