"Gold ist keine Einbahnstraße"

7. Oktober 2009, 18:10
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Getrieben vom schwachen US-Dollar, zieht der Goldpreis steil nach oben. Ein Gold-Investment sollte aber wohlüberlegt sein

Getrieben vom schwachen US-Dollar, zieht der Goldpreis steil nach oben. Ein Gold-Investment sollte aber wohlüberlegt sein, sagt Raiffeisen-Analyst Valentin Hofstätter. Denn auf den Preisanstieg würden Korrekturen folgen.

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Wien - Der Goldpreis hat am Mittwoch den zweiten Tag in Folge ein Rekordhoch markiert. Nachdem bereits am Dienstag die eineinhalb Jahre alte Rekordmarke von rund 1030 US-Dollar (701 Euro) gebrochen wurde, stieg der Preis für eine Feinunze (31,1 Gramm) am Mittwoch auf 1046,65 Dollar.

Ausgelöst wird der Run auf das Edelmetall durch den schwachen US-Dollar. Experten sind sich einig, dass der Dollar weiter schwächeln wird, daher "werden wir beim Gold in nächster Zeit noch mehrere Rekordmarken sehen" , sagt Gold-Experte Valentin Hofstätter von der Raiffeisen Zentralbank. Wenn nur die Hälfte der Investoren, die jetzt aus dem Dollar flüchten, sich im Goldmarkt engagieren, "wirkt sich das schon aus" , sagt Hofstätter. Weil groß sei der Markt für das Edelmetall nicht.

Laut Chip Hanlon, Analyst bei Delta Global Avisors, kommt hinzu, dass auch der Euro und der japanische Yen für Anleger zu große Risiken bergen. Daher die Flucht ins Gold. Hintergrund für den Goldrausch ist auch die Inflationsgefahr, die durch die Konjunkturprogramme der Notenbanken entstehe. Der Gold-Nachfrage stehe zudem weltweit nur ein knappes Angebot gegenüber. Außerdem treiben auch in diesem Markt Spekulanten den Preis hoch. Und: Große Förderländer - etwa Südafrika und Australien - setzen schon seit langem auf eine gezielte Strategie der Verknappung, um den Preis hoch zu treiben, heißt es.

Dem Hinweis, dass in Indien der Diwali-Feiertag (hinduistisches Lichterfest) bevorsteht, bei dem traditionell Gold-Geschenke gemacht werden, wodurch die Nachfrage steigt, kann Hofstätter wenig abgewinnen. "Das ist Folklore." Zwar sei Indien einer der weltgrößten Goldkonsumenten, aber dieser Mehrabsatz würde den Goldpreis nicht wirklich beeinflussen.

Ein Investment in Gold sollte laut Hofstätter "gut überlegt" sein, weil auch Gold "keine Einbahnstraße" ist. Auf den starken Preisanstieg würden Korrekturen folgen. Gold sei auch keine inflationsgeschützte Alternative zum Sparbuch, sondern ein volatiles Spekulationsobjekt - die Wertschwankungen beim Gold seien mit Aktieninvestments vergleichbar.

Von Juni bis Oktober 2008 etwa hat Gold 30 Prozent verloren, und anders als bei vielen Aktien gibt es keine Dividende, die den Absturz abfedern. Zudem zeigten die vergangenen Jahrzehnte, dass nach einem starken Goldpreisanstieg wegen krisenbedingt hoher Nachfrage der Preis anschließend für Jahrzehnte in einem Abwärtstrend gefangen bleiben kann. Wer 1981 (in den USA gab es zweistellige Inflationsraten) in Gold investierte, besaß 21 Jahre später zwar noch die gleiche Goldmenge - sie war aber nur mehr rund 40 Prozent des ursprünglichen Betrages wert. (bpf, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.10.2009)

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