Fremdschämen im Düsteren

7. Oktober 2009, 18:12
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Ex-Soapdarstellerin und Sängerin Yvonne Catterfeld erleidet als Polizistin Maria Teiss Folgendes: Sie wird gemobbt, weil sie einen kriminellen Kollegen ans Messer liefert

Man möchte nicht Polizistin in Berlin sein, wenn es dort so zugeht, wie Sat 1 am Dienstagabend in "Schatten der Gerechtigkeit" glauben machen wollte.

Ex-Soapdarstellerin und Sängerin Yvonne Catterfeld erleidet als Polizistin Maria Teiss Folgendes: Sie wird gemobbt, weil sie einen kriminellen Kollegen ans Messer liefert, der sie auch noch bedroht. Die Liebe zu einem anderen Kollegen muss geheim bleiben. Schreckliche Mädchenmorde harren der Aufklärung.

Dann muss sie mit ihrem Ex-Ausbildner zusammenarbeiten, von dem sie einmal schwanger war. Und geheim, ganz geheim, gleichzeitig gegen ihn ermitteln, weil er die Sache mit der Gewaltenteilung gründlich missversteht und mutmaßliche Täter gleich selbst verprügelt.

Andere Sender würden aus dem üppigen Stoff eine zehnteilige Serie machen. Nicht Sat 1, wo man einfach alle Zutaten in einen Topf stopft. Der ist dann so voll, dass sich nichts mehr entwickeln kann. Jedes Thema wird nur angerissen und mal eben schnell ausgeleuchtet.

Catterfeld, die mit diesem Film ihre süße Serienvergangenheit ablegen will, trägt Pullover aus der Altkleidersammlung, darf beim Sex ihren Hintern zeigen und beherrscht vor allem zwei Ausdrucksformen: Stirnrunzeln und den starren Blick. Das ist schon eine mehr als bei ihrem von Richy Müller dargestellten Kompagnon und Ex-Lover. Der ohnehin auf schwierige Charaktere Spezialisierte gibt hier nur noch so eindringlich den harten Hund, dass man sich sogar vor dem Schirm ein bisschen fremdschämt.

Doch halt! Es gibt auch noch was Positives: endlich ein Berlin-Krimi, der viele neue, wenngleich düstere Seiten der Stadt zeigte und wenigstens nicht auf den ausgetrampelten Pfaden der bekannten Locations wanderte. (Birgit Baumann, DER STANDARD; Printausgabe, 8.10.2009)

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