Hilfreicher Nachbar im Spionagenetz

7. Oktober 2009, 18:04
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Nachbar bat langjährigen Wehrsprecher der SPÖ um einen Gefallen: Die Auslieferung kasachischer Verbrecher

Früherer SP-Politiker Gaal musste wegen Kontakten in der Causa Alijew aussagen - Von Roman David-Freihsl

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Wien - "Er hatte mir gesagt, dass er sein Haus in der Alaudagasse verkaufen will. Aber 600.000 waren mir zu viel. Ich hatte von 400.000 gesprochen" , berichtet der Pensionist am Mittwoch im Wiener Straflandesgericht.

Doch es blieb nicht bei den Immobilien-Verhandlungen. Der gebürtige kasachische Nachbar bekam nämlich mit, dass der Pensionist auch Präsident des Zivilschutzverbandes ist - und fragte ihn daher, ob er etwas für seine Sicherheit machen könne. Da der Pensionist auch noch langjähriger Wehrsprecher der SPÖ war, bat ihn der Nachbar um einen weiteren Gefallen - es gehe um die Auslieferung kasachischer Verbrecher.

Arbeit für den Geheimdienst

Jetzt ist der Nachbar allerdings angeklagt, dass er laut Staatsanwaltschaft für den kasachischen Geheimdienst KNB tätig gewesen sein und in Wien eine Entführung des ehemaligen KNB-Chefs geplant haben soll. Und Anton Gaal, der pensionierte SPÖ-Politiker, muss als Zeuge aussagen.

Der mutmaßliche Entführungsversuch hatte am 17. Juli 2008 in unmittelbarer Nähe zum Landesgericht stattgefunden. Der Ex-KNB-Chef Alnur Mussajew soll aufgefordert worden sein, in ein dunkles Auto zu steigen, um ihn nach Kasachstan zu bringen.

Vertrauter des früheren kasachischen Botschafters

Mussajew gilt als Vertrauter des früheren kasachischenBotschafters in Wien, Rakhat Alijew. Alijew ist der Schwiegersohn des kasachischen Staatspräsidenten Nursultan Nasarbajew, der aber bei seinem Schwiegervater in Ungnade fiel. Und in Kasachstan wegen der angeblichen Entführung und Ermordung zweier Banker zu 40 Jahren Haft verurteilt wurde.

Der kasachische Geschäftsmann Ildar A. soll laut Staatsanwalt Hans-Peter Kronawetter den Entführungsversuch Mussajews geplant und organisiert haben. Unter anderem hatte ein Polizist für ihn illegal Polizeidaten über die mutmaßlichen Entführungsziele Alijew und seiner Vertrauten abgefragt. Der ist dafür bereits rechtskräftig verurteilt worden.

Ein pensionierter Privatdetektiv hatte die Wohnadressen der Untergetauchten ausgekundschaftet. Jener sagt am Mittwoch aus, er habe eine Adresse zufällig beim Äußerln seines Hundes am Biberhaufenweg herausgefunden.

Und: Ildar A. hatte 95-mal mit Anton Gaal telefoniert. Gaal sagt, Ildar A. wollte, dass er und der ehemalige Innenminister Karl Blecha für eine Beschleunigung des damals gestellten Auslieferungsbegehrens gegen Ailjew und Mussajew aktiv werden. Gaal beteuert: "Ich habe nirgends interveniert."

Der Prozess wird diesen Freitag fortgesetzt. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD Printausgabe 8.10.2009)

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