"So gräbt sich der ORF sein eigenes Grab"

7. Oktober 2009, 17:59
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RTL-Chef Gerhard Zeiler sagt zum ORF nur, er bewerbe sich nicht - VP-Klubchef Karlheinz Kopf sieht die Anstalt auf dem Weg in die Grube. Kanzler Werner Faymann sagt lieber nichts zum ORF

"Der heutige Auftritt ist nicht als Bewerbung für die Position des ORF-Generalintendanten zu sehen": Das stellt RTL-Konzernboss Gerhard Zeiler gleichbei den Medientagen klar. Das dürfte auch für den ORF-Generaldirektor gelten, wie der Job inzwischen heißt. Auch Tipps für die ORF-Führung verkniff sich Zeiler: "Nicht, dass ich keine Ratschläge hätte - aber diese zu hören, bleibt meinem privaten Umfeld vorbehalten."

Auch im Sinne von ORF-Chef Alexander Wrabetz sagt Zeiler: "Kein Medienunternehmen kann sich mehr leisten, nur einen Sender zu betreiben.", (>>> Zeilers Rede bei den Medientagen). Aber dem ORF einen TV-Sender wegzunehmen, ist ohnehin kein Thema mehr bei den Verhandlungen von SPÖ und ÖVP über ein neues ORF-Gesetz.

Für die ÖVP verhandelt Klubchef Karlheinz Kopf. Er grantelt neuerlich über den SP- und ORF-Wunsch, der Anstalt 60 Millionen Euro abzugelten, die ihr durch Gebührenbefreiung entgehen. Kopf: "So wird‘s nicht funktionieren, dass der ORF die Filmwirtschaft in Geiselhaft nimmt", ohne Abgeltung müsse er Produktionsaufträge streichen. Sparen, rät Kopf dem ORF weiter. Der schickt Personal früher in Pension (wofür er noch 20 Millionen bräuchte) und Nulllohnrunden einlegt. Kopf aber sagt: "Wenn der ORF so weitermacht, gräbt er sich sein eigenes Grab."

Wrabetz sagt, er könne auch ohne die Gebührenabgeltung ausgeglichen bilanzieren. Er meint wohl 2010, 2009 fehlen rund 50 Millionen.

Kopf fordert weiter "mittelfristig" den ORF, jedenfalls sein Hauptabendprogramm, werbefrei; ebenso im Internet, Inhalte dort nur mit Bezug auf Sendunge und zudem kostenpflichtig.

Kurzfristig, und das meint wohl das anstehende ORF-Gesetz, ist Kopf bescheidener: "Kurzfristig haben wir alle Hände voll zu tun zu verhindern, dass es zu keiner Ausdehnung der Werbezeiten kommt." Das Kanzleramt will dem ORF alles an Sonderwerbung erlauben, was die EU als Mindeststandard für alle Sender definiert.

Kanzler Werner Faymann wollte im Frühjahr noch die ORF-Spitze austauschen. Nun verlor er kein Wort über die Anstalt. (Harald Fidler, DER STANDARD; Printausgabe, 8.10.2009)

  • Kein Wort zum ORF bei den Medientagen: Kanzler Werner Faymann (re.), ORF-Chef Wrabetz.
    foto: standard/newald

    Kein Wort zum ORF bei den Medientagen: Kanzler Werner Faymann (re.), ORF-Chef Wrabetz.

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