Bekenntnisse einer geläuterten Rotzpip'n

7. Oktober 2009, 17:51
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LASK-Stürmer Roman Wallner ist in seiner Karriere oft gescheitert, nun hat er seinen Instinkt wiedergefunden

Seefeld - Es ist nicht so, dass Roman Wallner das Denken abgestellt hätte. Aber er lässt die Dinge, den Fußball, auf sich zukommen. Ja, er ist wieder im Nationalteam, zum 25. Mal. "Darüber bin ich glücklich, ich mache mir aber keine großen Gedanken über das Warum." Es ist überhaupt nicht auszuschließen, dass Wallner am Samstag in Innsbruck gegen Litauen beginnt, gemeinsam mit Marc Janko das österreichische Sturmduo bildet. Ein sehr Langer (Janko 196 cm) und ein eher Kurzer (Wallner 178 cm) passen durchaus zusammen. Bei Rapid erinnert man sich noch vage an das Traumpaar Stefan Maierhofer / Erwin Hoffer, da betrug die Differenz einen Viertelmeter.

Teamchef Dietmar Constantini schätzt den 27-jährigen Wallner, das unterscheidet den LASK-Stürmer vielleicht vom abwesenden Mainz-Legionär-Superstar Andreas Ivanschitz. Aber davon hat Constantini echt genug, da wird er zum "sturen" Tiroler, darauf soll man ihn nicht mehr anreden. Da zuckt der angebliche Sonnyboy fast aus, natürlich nur verbal.

Unterordnung

Wallner ist leise geworden. Er stellt sich der Vergangenheit, wenn er gegenwärtig danach gefragt wird. Und er hat offensichtlich aus der Geschichte Lehren gezogen. "Ich kann mich unterordnen, bin weniger ungeduldig, habe gelernt, ruhiger zu sein. Ohne mich zu verleugnen." Wallner sagt freiwillig, also ohne Androhung von Folter, Sätze wie: "Nur der Erfolg der Mannschaft zählt." "Fußball muss Spaß machen." "Man muss Gas geben." "Man weiß nie, was die Zukunft bringt." Und er fügt hinzu: "Ich bin trotzdem noch eine Rotzpip'n, aber nur auf dem Platz."

Der Frechdachs führt mit neun Treffern die Schützenliste an. Janko hält bei acht, wobei das Netzen bei Red Bull Salzburg vermutlich einfacher ist. Aber darüber macht sich Wallner wirklich keine Gedanken. In Linz sei die Welt absolut in Ordnung. "Die Ergebnisse des LASK liegen zwischen Genie und Wahnsinn. Wahrscheinlich passe ich deshalb dort perfekt hin." Trainer Matthias Hamann lasse ihn einfach Fußball spielen. "Ich brauche keine Vorträge von Lehrern, ich lebe vom Instinkt."

Unvernunft

Wallners Vita ist von Niederlagen geprägt. In Graz geboren, kickte er ab dem fünften Lebensjahr bei Sturm, das war kein Nachteil, er durchlief sämtliche Nachwuchsmannschaften, debütierte als 16-Jähriger in der Ersten, wobei das mit dem Nachwuchs in der Ära Hannes Kartnig relativ war. Wallner sagt heute: "In Wahrheit wurde nur teuer eingekauft, man hat die Leute nicht selbst entwickelt. Das ist jetzt anders, vernünftiger." 1999 wechselte er zu Rapid, es folgten fünf passable Jahre, ab 2004 ging es richtig bergab, wobei Hannover wirklich keine fulminante Stadt ist. Aber es war schon Wallner selbst, der mit 1,8 Promille am Steuer erwischt wurde. Er wollte im Morgengrauen das Auto aus einer Ladezone weg- und auf der gegenüberliegenden Straßenseite abstellen. Vor einem Polizisten. "Das war verantwortungslos. Es ist egal, ob du besoffen 1000 Kilometer oder nur 20 Meter fährst."

Hannover wurde quasi gesteigert. Admira Mödling (kein Gehalt bekommen), Austria Wien (wurde zumindest gezahlt), 2007 Wechsel nach Schottland zu Falkirk. Die verliehen ihn zum zweitklassigen Klub Hamilton Academical. 2008 übersiedelte der Jammer nach Griechenland. Wallner wurde bei Apollon gesperrt, weil er gegen ein Fifa-Statut verstoßen hatte (drei Transfers in einem Jahr sind zu viel). Für Xanthi bestritt er dann genau null Spiele. Im Jänner 2009 hat sich der LASK seiner erbarmt. Und jetzt hockt Wallner in Seefeld.

Er weiß, dass er am Antilauf teilweise selbst schuld war. "Ich habe nicht einen großen, sondern viele kleine Fehler gemacht. Es gab Trainer, denen habe ich in die Augen geschaut und wusste, das wird wieder nichts. Vom Ausland habe ich genug." Die Geburt seiner Tochter vor 20 Monaten habe ihn verantwortungsbewusster gemacht. Aus Niederlagen, sagt die zivilisierte Rotzpip'n, lerne der Mensch am meisten. "Aber bei mir hätten ein paar weniger auch gereicht." (Christian Hackl - DER STANDARD PRINTAUSGABE 8.10. 2009)

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