Schwere Kritik an Fahrplankürzungen

7. Oktober 2009, 17:43
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Nach den Güterverlagerungsplänen auf Lkws kommt die ÖBB wegen zahlreicher Streckenstreichungen und Verbindungsengpässen zusätzlich unter Druck

Nach den Güterverlagerungsplänen auf Lkws kommt die ÖBB wegen zahlreicher Streckenstreichungen und Verbindungsengpässen zusätzlich unter Druck. Das Unternehmen verweist auf Verbesserungen ab 2013.

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Wien - Die Arbeiterkammer goutiert die gravierenden Fahrplanänderungen der ÖBB nicht: "Die ÖBB-Streichpläne sind genau das falsche Signal. Weitere Zugverbindungen in der Ostregion dürfen nicht gestrichen werden" , stellt AK-Präsident Herbert Tumpel klar.

Nach den Einsparungen im Fahrplan 2009 seien den PendlerInnen Nachbesserungen versprochen worden. "Darauf warten die 60.00 Bahnpendlerinnen nach Wien noch heute" , sagt Tumpel, der Bund und Länder auffordert, ausreichend Geld für den Regionalverkehr zur Verfügung stellen. Allein in der Ostregion fehlten dafür jährlich rund 40 Millionen Euro "Im Vergleich zum 100 Milliarden-Bankenpaket ist das keine aufregende Summe und dringend nötig für die Pendler" , sagt Tumpel.

Vorwürfe in dieser Tonart musste sich die ÖBB-Personenverkehr-AG nach Präsentation der Änderungen ab 13. Dezember 2009 nicht nur von Umweltorganisationen, Verkehrsclub Österreich, Oppositionsparteien und sogar Abgeordneten der Regierungsparteien gefallen lassen. Gestrichen und ausgedünnt werden soll der Schienenverkehr auf der Westbahn im Großraum Wien (195 statt 220 Züge von/nach St. Pölten), Direktverbindungen zwischen Graz, Linz und Salzburg, Züge nach Marburg und Venedig. Dran glauben muss sogar ein Autoreisezug nach Bregenz.

Bei der ÖBB reagiert man ob der Angriffe entnervt, es werde nichts ausgedünnt, es gebe auch neue, zusätzliche Verbindungen. Auch habe man die Züge so in den Fahrplan eingeschlichtet, dass man Baustellen und Fahrdienst auf schiene halten könne. Die Baustellen seien notwendig, weil das veraltete ÖBB-Schienennetz schnelleren und zusätzlichen Verbindungen nicht gewachsen sei. "Wir nehmen nicht zurück, weil wir nicht fahren wollen, sondern weil es wegen des Infrastruktur-Ausbaus technisch nicht anders möglich ist" , sagte ÖBB-Sprecher Alfred Ruhaltinger. Mit dem Wiener Hauptbahnhof stehe der ÖBB das "größte städtische Infrastrukturprojekt Europas bevor" .

Die Verringerung des Zugangebots zwischen Wien und St. Pölten von 220 auf 195 Züge sei nötig, weil durch den Westbahnausbau technische Abläufe wie Zugwendungen nicht anders möglich wären. Fahren könnten die Fahrgäste ja trotzdem. Mit Besserung ist frühestens im Dezember 2013 zu rechnen, da soll der Hauptbahnhof (dessen Ausschreibung gestoppt wurde, weil die Baufirmen laut ÖBB zu teuer angeboten haben) in Betrieb gehen. Durch die Trassenerneuerung sollte die Kapazität zumindest im Westen um 40 Prozent steigen. Mehr Fahrgäste erwartet man sich auch im Tullnerfeld.

Spät, aber doch hat sich Umweltminister Nikolaus Berlakovich (ÖVP) zu Güterverlagerungsplänen auf Lkws gemeldet: "Der geplante Abbau des Gütertransports der ÖBB ist ein Verrat an der seit 20 Jahren politisch im Konsens angestrebten Verlagerung von der Straße auf die Schiene." Der ÖBB-Plan sei eine Bankrotterklärung.

Eng wird es in der Krankendatenaffäre für den Staatskommissär im ÖBB-Aufsichtsrat und Sektionschef im Verkehrsministerium, Gerhard Gürtlich, sowie Generalsekretär Herbert Kasser. Beide wussten seit 26. Mai 2008 von der illegalen Datenspeicherung. Gürtlich wurde laut News angezeigt. (ung, APA, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.10.2009)

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