Geld statt Schuleschwänzen in Frankreich

7. Oktober 2009, 17:33
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In Créteil bei Paris gibt es seit dieser Woche in drei Mittelschulklassen Geld für brave Schüler

2000 Euro zu Beginn des Schuljahrs, bis zu 10.000 Euro am Schluss: In Créteil bei Paris gibt es seit dieser Woche in drei Mittelschulklassen Geld für brave Schüler. Die Klassen mit den wenigsten Fehlstunden erhalten zum Schulschluss Geld ausbezahlt. Einzelne Schüler sollen damit etwa ihre Autofahrstunden zahlen können; denkbar ist auch die Finanzierung kollektiver Reisen. Nur Bares gibt es nicht.

Das Hauptkriterium für den Erhalt des Bonus ist die Präsenz im Unterricht, doch auch die Schulnoten und die Disziplin werden einbezogen. Jede Klasse startet das Schuljahr mit einem Guthaben von 2000 Euro; nach jedem Vierteljahr wird der gleiche Betrag nochmals vergeben, sodass am Schluss des Schuljahrs für eine Musterklasse bis zu 10.000 Euro anfallen können. Pro Schüler kann das bis zu 500 Euro ausmachen - mehr als ein Pappenstiel für Mittelschüler, die sonst vom Taschengeld der Eltern abhängen.

"Eine Pervertierung des Schulgedankens" , schimpft der Elternverband Fcpe. Der Präsident des Konkurrenzvereins Peep, Philipe Vrand, erklärt: "Wir wollen nicht, dass Geld als Mittel benützt wird, um die Schüler zu motivieren." Der für Jugend- und Sozialfragen zuständige Staatssekretär Martin Hirsch ist bereit, den Versuch in Créteil ab 2010 auf 70 Klassen auszudehnen. Eine landesweite Durchführung schließt er nur deshalb aus, weil das zu teuer käme.

Auch andere Lycées geben Schülern finanzielle Anreize: Wie die Zeitung La Provence berichtete, erhalten die 600 Schüler der technischen Mittelschule Mistral in Marseille, wenn sie brav den Unterricht besuchen, Tickets für Spiele der lokalen Fußballmannschaft Olympique Marseille. (Stefan Brändle aus Paris/DER STANDARD-Printausgabe, 8. Oktober 2009)

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