Haynes sieht keinen neuen Druck von EU

7. Oktober 2009, 18:14
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Neuer Bawag-Chef ohne Zweifel an Cerberus-Verbleib, fürchtet weder vorzeitigen Verkauf noch Zerschlagung

Wien - Der seit drei Wochen amtierende neue Bawag-Chef Byron Haynes sieht die Bank mit den gerade in Brüssel zur Genehmigung anstehenden Staatshilfen (insgesamt 950 Mio. Euro) ausreichend kapitalisiert. Vom österreichischen Staat holt sich die Bawag PSK bis Jahresende 550 Mio. Euro Partizipationskapital. Weitere 400 Millionen werden im Rahmen von Garantien für krisengebeutelte Assets beantragt.

Voraussetzung ist allerdings grünes Licht der EU. Der Grund: Für die im Eigentum der US-Beteiligungsgesellschaft Cerberus befindliche Bawag ist es nicht das erste Mal, dass sie auf Hilfe des Staates angewiesen ist. Die Bank hatte nach Fehlspekulationen von Helmut Elsner & Co 2006 mit einer Bundesgarantie aufgefangen werden müssen, bevor sie im Mai 2007 an Cerberus verkauft wurde.

Wegen der Finanzkrise ruft die Bawag nun wieder Staatshilfe ab - wie vier andere österreichische Großbanken auch. Haynes glaubt nicht, dass die EU-Wettbewerbshüter die Hilfe an größere Restrukturierungen, Beteiligungsverkäufe oder gar einen Verkauf der Bank an eine größere Gruppe koppeln könnten. "Wir haben die Auflagen aus 2006 übererfüllt." Unter anderem wurden die Osttöchter in Tschechien und der Slowakei verkauft.

Keine Zerschlagung

Als Ziel gibt Haynes an, die Nummer eins als Retailbank werden zu wollen - also im Geschäft mit kleine Privatkunden und Unternehmen. Mit 1400 Filialen - vor allem durch das Postämternetz - habe man das größte Distributionsnetz im Land. Wegen der Schließung von Hunderten Postämtern sieht er das PSK-Geschäftsmodell und seine Wachstumsvorgabe nicht gefährdet. Man sei mit den Postpartnerschaften sehr zufrieden.

2009 sei das Ziel, mit den Kosten in der Gruppe herunterzukommen, allerdings ohne Personalabbau, sagt Haynes. Zwar lasse die Krise weiter steigende Kreditwertberichtigungen erwarten. Das Tempo des ersten Halbjahrs (Verdopplung) habe sich im September aber abgebremst. 2010 will der 43-jährige Brite dann wieder in den Ausbau des Geschäfts investieren.

Das Auslandsgeschäft wird aber nur mehr auf sehr kleiner Flamme geführt, eine Expansion steht hier vorerst nicht an. Auch die "sehr erfolgreiche" Internet-Tochterbank, für die vor einem Jahr noch größere Auslandsexpansionspläne gewälzt wurden, soll im Inland weiter zulegen. Sie wird - anders als die Verkehrskreditbank, die mit 1. Oktober mit der Bawag zusammengeführt wurde - selbstständig bleiben und nicht in die Bawag fusioniert werden.

Cerberus hatte sich 2007 beim Einstieg in die seinerzeitige Gewerkschaftsbank darauf festgelegt, zumindest auf die kommenden fünf Jahre Hauptaktionär zu bleiben. Was dann ist - Börsengang oder Verkauf an strategische Partner - darüber will der neue Bawag-Chef erst in zwei, drei Jahren reden. Haynes glaubt aber nicht, dass die Bank in einer anderen Großbank aufgehen oder in Teile zerschlagen wird. (APA, go, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.10.2009)

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    Byron Haynes sieht Bank ausreichend kapitalisiert.

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