Gebühren

Ansturm durch Abschaffung

7. Oktober 2009, 16:43
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Die Studiengebühren-Regelung weist nach wie vor Schwachstellen auf

Wien - Die österreichischen Unis platzen aus allen Nähten. Zehn Prozent mehr Studierende an der Uni Wien und an der Uni Graz. In Innsbruck plus 16 Prozent, an der Uni Salzburg steigt die Kurve um 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr steil an.

Beispiellos ist der Ansturm an Studierenden, mit denen die Unis nach ersten Schätzungen für dieses Semester rechnen - Ursache für die bildungshungrige Begeisterung: Seit 2001 ist das Studium erstmals wieder weitgehend beitragsfrei, die Studentenzahlen mancher Unis sind wieder auf dem gleichen Level wie vor der Gebühreneinführung.

Grund für ministerielle Freudensprünge? Im Gegenteil: Wissenschaftsminister Johannes Hahn ist ungebrochen vom "Projekt Studiengebühr" begeistert, seine Argumente: Die Einführung brachte eine Verkürzung der Studiendauer, höhere Absolventenzahlen und eine niedrigere Drop-out-Quote. "Diese positiven Effekte machen wir uns kaputt, wenn die Unis nun wieder überrannt werden."

Mit seinem jüngsten Vorstoß im Standard machte Hahn dem Koalitionspartner ein Angebot und forderte die Wiedereinführung der Beiträge mit gleichzeitiger Aufstockung der Stipendien, was die SPÖ prompt ablehnte.

Freude herrscht bei der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH): "Die Zahlen zeigen, dass der Zugang leichter wird, wenn keine Gebühren fällig sind" , sagt ÖH-Vorsitzende Sigrid Maurer (Gras). Studiengebühren seien "für bildungsferne Schichten eine zusätzliche Hürde." Stipendien schaffen hier kaum Abhilfe. "Viele Studierende, die Ansprüche hätten, suchen gar nicht um Stipendien" an, erklärt Maurer. Zudem ist Österreich im Stipendienwesen laut OECD Nachzügler. Derzeit bekommen nur 20 Prozent Beihilfen, beim Spitzenreiter Niederlande sind es 84.

Keine Verbesserungen in Sicht

Obwohl der Minister nicht müde wird, das Gesetz, das im September 2008 von SPÖ, Grünen und FPÖ für den Großteil die Gebühren abschaffte, zu kritisieren, hat er auch durch die jüngste UG-Novelle bestehende Schwachstellen nicht repariert, etwa die vielkritisierte Regelung, dass auch für Zweitstudien gezahlt werden muss, selbst wenn man im Hauptstudium in der Zeit ist. Auch juristische Lücken der Gebührenregelung, wonach es "good will" der Unis ist, das Geld bei Erlassgründen rückwirkend zurückzuzahlen, lagen bereits vor der Verabschiedung der Novelle auf dem Tisch - und wurden nicht beseitigt.

Neben diesen inhaltlichen Problemen zur Studiengebührenregelung spricht der Bildungspsychologe Alfred Schabermann ein weiters Problem an: "Studenten müssten für die Gebühren, die sie zahlen, eine Verbesserung sehen, und das haben sie sicher nicht."

"Nur Scheinstudenten"

Um Ausreden angesichts der steigenden Inskriptionszahlen nicht verlegen sind naturgemäß die Gebührenbefürworter. Gerhard Riemer, Bildungsbeauftragter der Industriellenvereinigung, findet, dass den jetzigen Ansturm "nur Scheinstudenten" bilden.

Der Soziologe Christian Fleck meint, dass "jene Maturanten, die sich bei günstigeren Bedingungen einen Job gesucht hätten, nun auf die Unis gehen." Er spricht sich für die Gebühren aus, denn es sei "absurd" , wenn der Kindergarten mehr kostet als die Uni. Jene, "die von der Ausbildung profitieren, sollten sich beteiligen" . Die ÖH widerspricht: "Akademiker müssen aufgrund ihres höheren Einkommens mehr Steuern zahlen, so erhält der Staat sein Geld zurück."

Doch die Gebühren sorgen nicht nur in Österreich für Diskussionen. Derzeit protestieren kalifornische Studenten, die 6000 Euro im Jahr zahlen müssen, gegen den Anstieg um 32Prozent. Auch in Deutschland wurde im Sommer gegen die Einführung der Beiträge demonstriert. Manche veranlassen sie gar zur Flucht: Die Uni Salzburg erklärt sich den großen Ansturm, den sie dieses Semester erfährt, mit dem Zustrom an Deutschen - in den Kommunikationswissenschaften kommt jetzt schon die Hälfte aus dem Nachbarland. (Sophie Niedenzu, Petra Polak, DER STANDARD, Printausgabe, 8.10.2009)

 

Kommentar posten
24 Postings
Waxolunist
13
24.10.2009, 23:55

Jetzt sind die Studiengebühren quasi abgeschafft worden und die Studenten protestieren gegen die daraus erfolgten Konsequenzen.
Das ist absurd.
Mehr Geld zu fordern ist natürlich einfach. Aber einzahlen will natürlich niemand in das System.

zafferano
00
13.10.2009, 21:27
Abschaffung?!?!?

Also, die Abschaffung der Studiengebühren funktioniert so: Man zahlt die Studiengebühren ein. Macht die Steuererklärung. Gibt sie ab. Bekommt den Steuerbescheid. Den kopiert man. Man lädt sich ein Formular vom Studienreferat vom Netz runter. Das Formular nennt sich: Ansuchen um Rückerstattung der Studiengebühren. Dieses "Ansuchen" schickt man samt Kopie des Steuerbescheids an das Studienreferat.

leser 4712
00
29.10.2009, 11:24
passt doch

so wird die beschäftigung von beamten gesichtert.

Eine liebe Dame
22
12.10.2009, 13:57
Lesen UND verstehen!

Angehende Studenten, die aus seiner Meldung herauslesen, dass er keinen Zuwachs MÖCHTE, sollten sich fragen, ob sie an der Uni wirklich gut aufgehoben sind.

Schließlich erfordert das Studium auch LESEN und VERSTEHEN!

Sie verstehen aber nur, dass sie im Halbjahr das zahlen sollten, was sie sonst locker für andere Dinge verbrauchen. Und damit meine ich nicht das Überleben.

Sozial Schwache brauchen Unterstützung.
Forschung braucht Unterstützung.
Unis brauchen Unterstützung
Mitarbeiter von Akademikern (Kanzleisekretärinnen und Zahnarzthelferinnen) brauchen ebenfalls Unterstützung. Sie arbeiten fast gratis.

Wo ist da der Schrei nach finanziellem Ausgleich?

Christlbo
00
12.10.2009, 10:40
Die Höhe der Studiengebühren ...

muss ja eine direkt proportionale Auswirkung auf eine gedeihlichen Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft haben. Also in die Länder mit der höchsten Gebühr würde ich sehr gerne auswandern...

galiontariaho
21
12.10.2009, 10:02
na gut dass der hahn da etwas dagegen machen will..

der beste weg ist naütrlich das volk dumm zu halten.. ja nicht studieren lassen und damit vermeidet man jede notwendige reform.

gratuliere herr hahn, auch wenn sie nicht direkter nachfolger gehrers sind sie haben einen ähnlich fatalen zugang zur bildungspolitik..

ohne leute wie hahn wären wir wohl international schon weiter :(

Mynick
11
8.10.2009, 14:22
Christian Fleck...

... "spricht sich für die Gebühren aus, denn es sei "absurd" , wenn der Kindergarten mehr kostet als die Uni."
Eigentlich peinlich für einen Soziologen, aktuelle Entwicklungen zu verschlafen.

Was er mit den anderen Argument sagen will, erschließt sich mir allerdings überhaupt nicht.
"jene Maturanten, die sich bei günstigeren Bedingungen einen Job gesucht hätten, nun auf die Unis gehen."
Welche günstigeren Bedingungen? Sie werden ja fürs "auf die Uni gehen nicht" bezahlt. Wie paßt das zusammen?

mojo4
 
01
25.10.2009, 13:33

du weist schon das professoren (nicht wenig) bezahlt werden und wenn ihr keine gebühren zahlt muss der rest vom land sie bezahlen.das heisst ihr zahlt nichts kassiert aber jede menge vergünstigungen. fairness ist da keine mehr dabei und 60 € sind wircklich nicht viel, ein student verdient bei nebenjobs 7-8 €/Std. das ist echt nicht wenig im vergleich, ohne RICHTIGE Ausbildung die ein student nicht hat bevor er sein studium abgeschlossen hat.Sprich: Hilfsarbeiter = 5€/Std
mfg mo
ps: Ich hab nichts gegen studenten ich find nur alle seiten mussen was geben um was zu bekommen ,es gibt immer einen mittelweg, so wie jetzt ist, endet es nur in verhetzung der Massen

Adjasadaku
00
13.10.2009, 14:08

Was er meint ist: Aufgrund der Wirtschaftskrise ist es nicht leicht, einen Job zu finden, und eine Lücke im Lebenslauf zu haben ist nicht wahnsinnig toll, daher geht man studieren. Was daran allerdings so schlecht sein soll, verstehe ich nicht: Die akademische Arbeit ist auf jeden Fall die, die auch in Zukunft noch Bestand haben wird und sich nicht leicht durch Maschinen ersetzen lässt.

velvet80
03
8.10.2009, 09:02
mein Gott kann man mal eine gscheite Umfrage machen

und ein paar Daten erheben??

Wie ein Beisskorbreflex:
diejenigen die einen echten Anstieg sehen wollen - "eindeutig, es studieren mehr!"

die anderen: "alles Scheinstudenten"

Interpretationen ohne Daten = ideologisches Gebrabbel.

aceFruchtsaft
20
8.10.2009, 08:31

Und wie viele Prozent plus bleibt übrig, wenn man all jene rausrechnet, die nur billiger mit den Öffis fahren, in die Staatsoper gehen und TU-Software nutzen wollen?

helsing, van
02
13.10.2009, 10:30
Als Student

kann ich ihnen folgendes sagen: Scheinstudenten, die nur billiger in die Oper wollen, belasten auch nicht das System da für die Verwaltung des Namens ja keine Ressourcen gebraucht werden; Wiener Linien: keine Freifahrt, muss man zahlen und dann ist die Ermäßigung an eine Fambeihife gekoppelt - und da darf man dann nicht zuviel verdienen (ca. 400 Euro monatlich) und TU-Software - Internet downloaden geht auch; ziehen sie also soviele ab wie sie wollen - diese Gruppe ist GAR KEIN relevantes Problem

David Seppi
 
00
25.10.2009, 01:03

Selbst ohne Familienbeihilfe isind 2x Semesterticket + 4x Ferienmonatskarte noch um Hausecken günstiger als eine Jahreskarte.

daimi
00
10.10.2009, 14:24

für mich dürfens einen abziehen

smea_gol
41
8.10.2009, 08:29

Was weder die Fuzzis in den Gebührenbefürworterkreisen, noch Herr Hahn zugibt, und in diesem Artikel auch totgeschwiegen wird - ist dass das Faktum, dass die Unis MASSIVST UNTERDOTIERT SIND verschwiegen wird.

In Zeiten der Wirtschaftskrise investiert der Staat in Baustellen und Gebäudesanierungen... Warum nicht auch in die Unis? Gut ausgebildete Bürger sind der Garant, dass die nächste weltweite Krise Österreich nicht so hart trifft.
Aber das will die ÖVP ja offenbar nicht.

Eine liebe Dame
12
12.10.2009, 13:40
Milliarden

wurden vom Staat spendiert für Akademiker, die an der Börse für Großbanken Milliarden Geld verspekuliert haben.

Und ja, für den Kindergarten gab man mehr aus. Jetzt ist er nicht nur für wenig Verdienende 'gratis', sondern auch für die Oberschicht!

aceFruchtsaft
00
8.10.2009, 10:52

Weil das aus wirtschaftspolitischer Sicht für einen kurzfristigen Impuls wenig Sinn macht.

Bei Infrastruktur ist der Gedanke ja der, dass der Staat eventuell ausgefallene private Nachfrage im Bausektor durch staatliche Aufträge substituiert. Bei Unis kommt's aber zu keinem Nachfrageausfall, da gibt es nichts zu kompensieren.

Natürlich stimmt es, dass die Unis unterdotiert sind, aber das kann man von einem Tag auf den anderen nicht ändern (man kann nicht innerhalb von 6 das Lehrpersonal deutlich erweitern, Forscher heranbilden, usw.). Diese Investitionen sind dringend notwendig, sie wirken aber langfristig und angebotseitig, d.h. als Konjunkturimpuls sind sie ungeeignet).

Franz Rinterli
25
8.10.2009, 08:20
Ich bin fest der Meinung, dass auch ich das Anrecht habe,

dass mir mein Zweitstudium (alte Geschichte) nun in meiner Pension ebenfalls von der breiten Masse der arbeitenden Leute zur Gänze finanziert wird.

graeslein
 
10
22.10.2009, 19:32



Sagenhafter Blödsinn, den Sie da verzapfen.

Für Pensionisten gibt es keine Befreiung von der Studiengebühr....

Die Studiengebühren wurden ja nicht generell abgeschafft. Wer Einkommen oberhalb der Geringfügigeitsgrenzen bezieht, zahlt nach wie vor Studiengebühren.

Waren Sie je auf einer Uni?

gelernter Österreicher 3
01
28.10.2009, 00:18
"Für Pensionisten gibt es keine Befreiung von der Studiengebühr"

Den Blödsinn verzapfen Sie! Jeder EU-Bürger, der ein normales Studium betreibt, völlig gleichgültig, wie alt er ist und wieviel er verdient, wenn er nur innerhalb der Regelstudienzeit + je 2 Toleranzsemester pro Studienabschnitt ist, zahlt keine Studiengebühren, sondern nur den ÖH-Beitrag.
Erst wenn die Regelstudienzeit + 2 Toleranzsemester überschritten sind werden Studiengebühren fällig, die aber derjenige, der Berufstätigkeit nachweisen kann, zurückfordern kann.

mstislav raskachlovitsch
10
14.10.2009, 07:41
Wenn Sie ein wenig Anstand haben.....

....überlassen Sie die wenigen freien Plätze jenen Menschen, die noch keine fertige Ausbildung haben......Sie hingegen könnten zB einen Senioren-Tanzkurs für Samba konsultieren.....

Dr.mumunator
43
7.10.2009, 18:18
Und dann

jammerns wieder über die überfüllten Unis. Und die bildungsfeindlichen Regierungen sind wie immer schuld ;)

galiontariaho
11
12.10.2009, 10:03
aha...

und sie meinen es sei schlecht, wenn die österreicher sich bilden wollen und gut, dass die regierung das verhindern will?

oder wie ist ihr seltsamer beitrag zu verstehen?

Papp Kamerad
53
7.10.2009, 21:31
?

Was genau willst denn sagen, Tschapperl.

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