"20 bis 30 Jahre harte Arbeit"

7. Oktober 2009, 15:15
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Juror Claes Gustafsson zur Forschung der PreisträgerInnen

Stockholm - Die drei Nobelpreisträger für Chemie 2009, Venkatraman Ramakrishnan, Thomas Steitz und Ada Yonath, haben nach Überzeugung der schwedischen Juroren durch "20 bis 30 Jahre harte Arbeit" fundamentale biologische Fragestellungen beantwortet, um die Funktionsweise der Proteinfabriken der Zelle zu erklären, der Ribosomen. Das erläuterte der Göteborger Professor für medizinische Chemie und Juror im Nobelkomitee, Claes Gustafsson, am Mittwoch im Interview.

Wie soll man sich die wissenschaftliche Arbeit und Leistung der drei diesjährigen NobelpreisträgerInnen vorstellen?

Gustafsson: "Yonath hat ja zehn, 15 Jahre einsam vor sich hingearbeitet. Alle anderen waren sehr skeptisch, ob das jemals zu etwas führen würde. Dann sind mehrere Forscher wie Steitz und Ramakrishnan auf ihrem Feld mit eingestiegen und haben Ribosome studiert. Steitz hat auf brillante Weise ein technisches Problem der Kristallographie gelöst und damit das Verständnis der Funktionsweise von Ribosomen vertieft. Ramakrishnan hat dann erklärt, wie ein so komplexes System so völlig exakt funktionieren kann. Alle drei haben sehr fundamentale biologische Fragestellungen bewältigt und damit auch die Funktionsweise von Antibiotika erklärt."

Gibt es schon praktische Auswirkungen ihrer Entdeckungen?

Gustafsson: "Man wendet ihre Erkenntnisse schon für neue Antibiotika an. Es ist ja ein gigantisches Problem, dass wir immer mehr Resistenzen bei Antibiotika sehen. Jedes Jahr sterben deswegen mehr Menschen. Wenn man die Mechanismen von Ribosomen besser versteht, kann man neue Antibiotika entwickeln."

Haben die drei ihre wissenschaftlichen Leistungen individuell erbracht oder vor allem als Spitze eine gewaltigen Apparates mit viel Geld und vielen MitarbeiterInnen?

Gustafsson: "Yonath war ja viele Jahre sehr einsam. Aber das Problem hier ist so ein gigantischer Forschungsansatz, dass das kein Forscher allein bewältigen kann. Alle haben dann ihre Teams gehabt. Aber während die Mitarbeiter gewechselt haben, sind die drei immer dabeigeblieben und haben fantastische Forschungsresultate geliefert. Alle drei haben problemorientiert gearbeitet und waren nicht nur Teamchefs in großen Forschungsfabriken." (APA)

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