Segmentierung in der Werbung immer wichtiger

7. Oktober 2009, 13:15
posten

Rosam befürchtet sinkende Etats auch 2010 - Traditionelle Medien haben durch neue Kanäle Konkurrenz bekommen

Sinkende Etats setzen in der Wirtschaftskrise beinahe allen großen Medien zu. Dass dies allerdings nicht nur ein Zeichen der schlechten Konjunktur ist, sondern dem ein allgemeiner Trend zu mehr Segmentierung zugrunde liegen könnte, wurde am Mittwoch bei den Medientagen diskutiert, wo Wirtschafts- und PR-Experten über Zukunft und Gegenwart der Kommunikationsbranche debattierten.

Im Anzeigenmarkt dürfte so oder so die Talsohle heuer noch nicht durchschritten werden, befürchtet der PR-Experte Wolfgang Rosam. "Das viel schlimmere Jahr könnte 2010 werden." Heuer sei gekürzt worden, "für nächstes Jahr gibt es noch nicht einmal den Planungsansatz". Viele Werbepläne seien nur bis zum ersten Quartal festgelegt, gibt er zu Bedenken.

Alcatel-Lucent-Generaldirektor Harald Himmer ortete bei der Bedeutung der "alten" Medien einen allgemeinen Paradigmenwechsel: "Das hängt auch damit zusammen, dass die traditionellen Medien nicht an Bedeutung verlieren, aber viel Konkurrenz bekommen haben." Früher habe man sich um 19.30 Uhr vorm Fernseher versammelt, um Informationen in den Hauptnachrichten zu bekommen. "Mittlerweile gibt es neue Wege zu Informationen zu kommen." Langfristig wird es mit den neuen Technologien seiner Ansicht nach überhaupt keine Hauptfernsehzeit mehr geben, "weil jeder sich seine Primetime selber aussucht". Klassische Medien seien vor allem dann interessant, wenn man eine Marke sehr breit bewerben will. "Sonst gibt es längst viel punktgenauere Möglichkeiten."

Mobilisierung

Etwa die Social Networks, die völlig neu auf dem Radar der Werber aufgetaucht sind: Das Beispiel, dass zwei Studentinnen mit einem Aufruf über Facebook mehrere tausend Leute zu einer Lichterkette vor das Parlament gebracht haben, zeige, wie stark die Webcommunities mobilisieren können, sagte Rosam. "Damit muss man sich auseinandersetzen. Man macht heute keine Pressekonferenzen mehr, man macht keine Imagevideos mehr, sondern man muss sich mit diesen neuen Medien auseinandersetzen."

Dass die Etats gesunken sind, liege natürlich auch daran, dass diese Gelder in Krisenzeiten "leicht zurückfahrbar sind", räumte Bawag-Vorständin Regina Prehofer ein. Auch der Markt sei in Teilbereichen geschrumpft, was ebenfalls Einsparungen zur Folge hatte. Eine ursprünglich geplante Kampagne zu Hypothekarkrediten sei abgeblasen worden, weil sich schon im Vorfeld gezeig habe, dass die Kunden für so ein Angebot fehlen würden. Grundsätzlich sieht auch sie die Zukunft in der Vernetzung von Kommunikationsinhalten, statt "nur frontal" zu werben. (APA)

Share if you care.