IWF fordert mehr Macht

7. Oktober 2009, 13:10
3 Postings

Mit einem Aufruf, die Krise als Chance zu Reformen zu nutzen, ist die Jahrestagung von IWF und Weltbank heute in Istanbul zu Ende gegangen

Istanbul - Der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank haben zum Abschluss ihrer Jahrestagung die Mitgliedsländer aufgerufen, die Weltwirtschaftskrise als Chance zu Reformen zu nutzen. Beide Institutionen und die Regierungen der 186 Mitgliedsländer müssten weiter an langfristigen Lösungen arbeiten, um Vertrauen in die Weltwirtschaft wiederherzustellen und Schwachstellen zu bekämpfen, sagte der Vorsitzende der Plenarsitzung, Nguyen Van Giau, am Mittwoch nach viertägigen Beratungen in Istanbul.

Die globale Wirtschaft brauche eine stärkere Überwachung, forderte der vietnamesische Zentralbankchef. Die beiden mehr als 60 Jahre alten Institutionen mit Sitz in Washington selbst "müssen sich weiter modernisieren, wenn sie effektiv bleiben wollen".

Kritik

Die Weltbank will bis zum nächsten Frühjahr die Stimmrechtsanteile für ärmere Länder um mindestens drei Prozentpunkte auf 47 Prozent anheben. Der IWF plant eine Erhöhung um mindestens fünf Prozentpunkte, über die bis Jänner 2011 entschieden werden soll. Die in der G-24 zusammengeschlossenen Schwellen- und Entwicklungsländer kritisieren die Pläne und fordern sechs Punkte mehr bei der Weltbank und sieben beim IWF.

Internationaler Währungsfonds und Weltbank hatten während der Tagung davor gewarnt, die Krise angesichts der begonnenen Konjunkturwende bereits als überwunden zu betrachten. Die milliardenschweren staatlichen Hilfen müssten vorerst noch in Kraft bleiben. Besorgt zeigten sich Experten der Organisationen über die voraussichtlich weiter steigende Arbeitslosigkeit.

Kapitalaufstockung

Weltbank-Präsident Robert Zoellick warb auf der Tagung angesichts einer Rekordnachfrage armer Länder nach Krediten für eine bessere finanzielle Ausstattung der Entwicklungshilfeorganisation. Sollte das Kapital nicht erhöht werden, drohe Mitte nächsten Jahres ein "ernsthafter Engpass" bei der Darlehensvergabe. Reiche Länder wie die USA oder Frankreich äußerten sich zurückhaltend.

Am Rande des Jahrestreffens von Weltbank und Internationalem Währungsfonds in Istanbul ist es am Mittwoch den zweiten Tag in Folge zu schweren Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas und Wasserwerfer gegen mehrere hundert Demonstranten ein. Bei den Protestierenden handelte es sich zumeist um Gewerkschaftsmitglieder, Studenten und Anhänger linksgerichteter Parteien. Die Polizei nahm mehrere Menschen fest.

Die Krawalle ereigneten sich nur wenige hundert Meter vom Tagungsort entfernt, wo Finanzminister, Notenbanker und Ökonomen über die Lehren der Finanzmarktkrise berieten.

Die nächsten beiden Jahrestagungen im Herbst 2010 und 2011 finden am Sitz der Organisationen in der US-Hauptstadt statt. Im Jahr danach treffen sich die Banker und Mitgliedsländer in Ägypten.  (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Am Rande des Jahrestreffens von Weltbank und Internationalem Währungsfonds in Istanbul ist es zu schweren Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen.

Share if you care.