Voest-Chef strebt 2009/10 Gewinne an

7. Oktober 2009, 12:41
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Eder: Krise in der Stahlindustrie aber noch nicht überwunden

Wien - Trotz Finanz- und Wirtschaftskrise erwartet der börsenotierte Stahlkonzern voestalpine im laufenden Geschäftsjahr 2009/10 (per Ende März) Gewinne. Der strikte Sparkurs, der vor Monaten eingeschlagen wurde, soll einen operativen Gewinn "in dreistelliger Millionenhöhe" bringen, auch unter dem Strich will das Unternehmen positiv bilanzieren: "Wir streben auch einen Reingewinn an - bei einem um etwa 25 Prozent verringerten Umsatz", sagte Konzernchef Wolfgang Eder zur "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Mittwochsausgabe).

Im Kampf gegen die Krise habe die Voest ihre Kosten um 20 Prozent gesenkt. Gespart worden sei allem bei Personal und Instandhaltung. "Wir haben rund 15 Prozent der Stellen gestrichen - davon großteils Leiharbeiter, womit wir jetzt insgesamt bei rund 41.000 Mitarbeitern angelangt sind", so Eder. Davon arbeiteten nach wie vor drei Viertel in Hochlohnländern, was nur möglich sei, weil das Unternehmen auf hochwertige und hochtechnisierte Produktion und Produkte setze.

Nachfrageeinbruch

Angesichts des Nachfrageeinbruchs hat die voestalpine ihre Produktion in den vergangenen sechs Monaten im Schnitt über alle Sparten um gut 30 Prozent auf 450.000 Tonnen im Monat gedrosselt. "Zudem haben wir das geplante Investitionsvolumen von 1,1 Milliarden auf rund eine halbe Milliarde Euro in diesem Jahr halbiert", sagte der Konzernchef.

Im August hatte der Stahlkonzern die Kurzarbeit überraschenderweise beendet - davon war rund ein Viertel der Belegschaft betroffen. Die Krise in der Stahlindustrie sei aber noch nicht überwunden. "Es geht mir gefühlsmäßig zu schnell aufwärts."

In der größten Sparte Stahl fährt die voestalpine den Angaben zufolge zumindest bis Anfang 2010 an der absoluten Kapazitätsgrenze. "Hier haben wir offensichtlich eine Sondersituation gegenüber der Konkurrenz, da wir nur im hochqualitativen Segment produzieren", erklärte Eder.

Erholung je nach Sparte unterschiedlich

Die Erholung verlaufe aber je nach Unternehmensbereich äußerst unterschiedlich. In der umsatz- und ertragsstärksten Sparte Stahl hatte die Voest im September nach den Sommerferien praktisch über Nacht wieder eine Auslastung von 100 Prozent - nachdem sie im Frühjahr bei 60 Prozent gelegen war. "Das ist sehr kurzfristig und vor allem getrieben von der Automobilindustrie", so Eder. Es fehle aber die Breite in der Nachfrage. Es gebe unterschiedliche Auslastungsgrade zwischen den Branchen Energie, Lastwagen, Maschinenbau, Bau und Hausgeräte, "und die Schwankungen sind stärker ausgeprägt als früher".

Im zweitgrößten Geschäftsfeld Edelstahl komme der Aufschwung erst zeitverzögert. "Hier werden wir erst Anfang des kommenden Jahres eine deutlichere Belebung spüren." Die Auslastung liege hier bei zwei Dritteln.

In der Sparte Bahnsysteme, die ein Viertel zum Konzernumsatz beiträgt, sei die Nachfrage wie in den zurückliegenden Jahren konstant. Hier sei die Krise am wenigsten spürbar. Ebenso liege die Auslastung bei Profilform dank einer leichten Belebung bei zwei Dritteln. "In der Sparte Automotive haben wir eine ebensolche Auslastung, werden aber erst 2010 eine Erholung spüren", räumte Eder ein.

In der gesamten Branche erreiche die Auslastung zwei Drittel der Kapazität und es gebe Zeichen der Belebung. Die Entwicklung der voestalpine verlaufe atypisch. Zum einen habe sie die längste Wertschöpfungskette aller europäischen Stahlkonzerne. Das sei in der Krise ein Vorteil, weil man die Preise mit den Endkunden verhandle und dazwischenliegende Agenten und Händler vermeiden könne.

Zum anderen erweise sich die Strategie, nicht vom Spotmarkt und damit von starken Preisschwankungen abhängig zu sein, sondern vor allem über Langfristverträge zu verkaufen, gerade in der Krise als vorteilhaft. Die kürzeste Laufzeit liegt bei drei Monaten, das betrifft 25 Prozent des Geschäfts. Zwei Drittel des Geschäfts beziehen sich auf Verträge mit einer Frist von zumindest einem Jahr.

Mit den Bereichen Stahl, Edelstahl, Bahnsysteme, Profilform und Automotive sei die voestalpine sehr breit aufgestellt, aber in drei dieser Sparten Weltmarktführer und in den beiden anderen ein führender europäischer Anbieter. (APA)

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