Millionenstrafe für "Betrug der Gentlemen"

7. Oktober 2009, 17:48
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EU-Kommission verdonnert Transformatoren-Kartell zu 67,6 Millionen Strafe - Siemens als Kronzeuge straffrei

Brüssel/München - Der Verdacht auf illegale Preisabsprachen im sogenannten Trafo-Kartell hat sich bestätigt: Die EU-Kommission hat Siemens und sechs weitere Unternehmen eines Kartells bei der Produktion von Leistungstransformatoren überführt. Gegen die Unternehmen würden insgesamt Geldstrafen in Höhe von 67,6 Millionen Euro verhängt, teilte die Kommission am Mittwoch mit.

Siemens konnte sich schadlos halten. Der Elektromulti gab die Mitwirkung zu, lieferte wertvolle Informationen und wurde als Kronzeuge von der Strafzahlung in Höhe von 33 Millionen Euro exkulpiert. Der Schweizer Konkurrent ABB muss mit 33,75 Millionen Euro die höchste Strafe zahlen. Toshiba Corp wurde zu 13,2 Millionen Euro verdonnert, Areva und Alstom zu 16,5 Millionen, Hitachi zu 2,4 und Fuji Electric zu 1,7 Millionen Euro.

Leistungstransformatoren dienen der Stromübertragung über große Entfernungen.

Siemens hat nach eigenen Angaben "maßgeblich" an der Aufdeckung des Kartells mitgewirkt. Sechs beteiligte Mitarbeiter aus dem damaligen Siemens-Konzernbereich Power Transmission and Distribution und der im Zuge des VA-Tech-Kaufs übernommen EBG Transformatoren seien nicht mehr für Siemens tätig. Die Hausdurchsuchungen in den Trafo-Werken Linz und Nürnberg hatten im Februar 2007 stattgefunden - der Standard berichtete.

Laut EU-Wettbewerbskommission hatten die europäischen und japanischen Trafoerzeuger zwischen 1999 und 2003 vereinbart, sich von den jeweiligen Heimatmärkten der anderen Konkurrenten fernzuhalten. "Kunden und Steuerzahler in ganz Europa haben jahrelang unter diesem Kartell gelitten" , erklärte EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes. "Die Kommission hat diesem Betrug der selbst ernannten "Gentlemen" nun ein Ende bereitet."

Um solche Fälle künftig zu verhindern, hat der zeitgleich von einem Milliarden-Korruptionsskandal erschütterte Konzern ein umfassendes Regelwerk installiert, Mitarbeiter würden speziell geschult, so Siemens. (Reuters, ung, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.10.2009)

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