Faymann mahnt Branche zu Optimismus, Manstein sieht "Selbstausrottung"

7. Oktober 2009, 11:56
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Alfred-Worm-Preis an "Kurier"-Sportjournalisten Fleckl und Vogl verliehen

Wien - Mit der Verleihung des Alfred-Worm-Preises an die "Kurier"-Sportjournalisten Rainer Fleckl und Erich Vogl sind am Mittwoch in Wien die Österreichischen Medientage eröffnet worden. Bundeskanzler Werner Faymann überreichte die Auszeichnung und rief die versammelte Medienbranche trotz der aktuellen Finanzkrise zum Optimismus auf. Die Krise dürfe nicht, wie Verleger Hans-Jörgen Manstein forderte, zu einer "Marktbereinigung" des Medienbereichs führen, denn das würde die Medienvielfalt und dadurch die Arbeitssituation für heimische Journalisten beschneiden. Ein klares Bekenntnis gab Faymann zur Presseförderung ab, um die Medienvielfalt auch weiter zu erhalten.

Trotz Krise müssten Unternehmen nachhaltig denken und weiterhin in Werbung und Ausbildung investieren, meinte Faymann. Es gehe darum, auch nach der Krise in den Medien Platz für Zivilcourage und investigativen Journalismus zu schaffen. Der Alfred-Worm-Preis sei ein besonderer Beitrag zur Förderung eines gut recherchierten Investigativjournalismus, so der Kanzler.

Manstein: Politik hat "beispiellose Konzentration" zugelassen

Kritische Worte gab es von Medientage-Initiator Manstein. Die Politik habe in den vergangenen Jahren im heimischen Mediensektor eine "beispiellose Konzentration" zugelassen. Nun müsse sie gegensteuern und die durch die Krise ausgelöste heilsame Marktbereinigung zulassen, so dass nach der Krise eine "wirtschaftlich und inhaltlich wieder genesene österreichische Medienlandschaft entsteht. Eine, die volatile Zeiten überlebt, eine, die sich ihrer Werte und Tradition wieder bewusst ist."

"Selbstausrottung" der Branche

Die Branche betreibe derzeit ohnehin ihre Selbstausrottung, indem sie an den falschen Stellen spare. Journalistische Ausbildung werde kaum mehr als lohnendes Investment gesehen, die Redaktionen werden drastisch ausgedünnt. Stattdessen greife der Boulevard um sich und verdränge die Qualität - davor seien auch sogenannte Qualitätsmedien nicht gefeit, so Manstein. "Das personelle Missverhältnis zwischen Anzeigen-Abteilungen und Redaktionen wird - sollte es zum Permanentzustand werden - das unausweichliche Ende der Medienbranche, wie wir sie kennen, sein", so der Verleger.

Voigt: "Investigativer Journalismus lebt"

Licht ins Dunkel dieser laut Manstein todgeweihten Medienlandschaft bringe der vom "News"-Verlag ausgeschriebene Alfred-Worm-Preis, der laut "News"-Generalgeschäftsführer Oliver Voigt zeige, "dass investigativer Journalismus lebt". Der mit 10.000 Euro dotierte Hauptpreis ging an Fleckl und Vogl für ihre "Kurier"-Artikelserie zum Thema Doping, mit der sie "ein Tabuthema in einem Ressort aufgegriffen haben, in dem solche investigativen
Leistungen eher selten sind", so die Jury. Ein Sonderpreis ging an Alexandra Keller vom Echo-Verlag für eine Artikel-Serie über die Tiroler Agrargemeinschaften. (APA)

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    Faymann rief die versammelte Medienbranche trotz der aktuellen Finanzkrise zum Optimismus auf.

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