Steve Ballmer trommelt für das neue Betriebssystem in München

7. Oktober 2009, 11:42
12 Postings

Probleme von Vista sollen den Nachfolger zum Erfolg führen

Vorgestern London, gestern Paris, heute München. Steve Ballmer trommelt für Windows 7. Zwei Wochen vor der Markteinführung des neuen PC-Betriebssystems wirbt der Vorstandschef des Software-Konzerns Microsoft vor allem um Unternehmen. Denn der im Jänner 2007 eingeführte Vorgänger Windows Vista hat die IT-Verantwortlichen nicht überzeugt. Nur etwa jedes fünfte Unternehmen hat sich laut einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage für Vista entschieden.

Troubles

Jetzt könnte Windows 7 von den Problemen des Vorgängers profitieren. Denn die Vorbehalte gegen Vista haben dazu geführt, dass etwa drei Viertel der Unternehmen noch das mit einem Alter von acht Jahren reichlich betagte Windows XP einsetzen. Windows 7 ist schneller, sicherer, stabiler und einfacher zu bedienen als XP - und vermeidet Schwächen von Vista, etwa die ständigen Nachfragen, ob man als Nutzer auch wirklich meint, was man da angeklickt hat.

"Ich liebe Windows 7, aber die Wirtschaft ist die Wirtschaft"

Es gebe Hinweise, dass die Kunden jetzt schnell auf Windows 7 umsteigen würden, sagte Ballmer. Eine Schätzung, wie schnell sich das auf die Umsätze von Microsoft oder auch auf den weltweiten PC-Absatz auswirken werde, wollte er aber nicht wagen. "Ich liebe Windows 7, aber die Wirtschaft ist die Wirtschaft", meinte der Microsoft-Chef aus Redmond bei Seattle. Dort hofft man auf eine Belebung des eigenen Geschäfts - im vergangenen Finanzjahr 2008/2009 gab es erstmals seit dem Börsegang von 1986 einen Umsatzrückgang - um 3 Prozent auf 58,4 Milliarden Dollar.

Kosmetiker der Windows-Oberfläche

Die Kosmetiker der Windows-Oberfläche haben dafür gesorgt, dass das neue System aufgeräumter wirkt. Die Taskleiste am unteren Bildschirmrand wurde übersichtlicher gestaltet. Sie zeigt alle geöffneten Programme an - aber nur noch mit einem Symbol und nicht mehr mit einem Platzhalter für jedes Fenster. Auch der Umgang mit den Fenstern auf dem Bildschirm ist intuitiver geworden. Software-Entwickler spielen gern: Will man in Windows 7 nur ein bestimmtes Fenster sehen und die anderen schlagartig zum Verschwinden bringen, muss man es an der Titelleiste anfassen und mit der Maus "schütteln".

Wichtiger aber sind die unsichtbaren Verbesserungen, das, was sich "unter der Motorhaube" getan hat. Microsoft hat den Umgang mit dem Arbeitsspeicher überarbeitet und die Nutzung der Festplatte als virtuellen Speicher reduziert - dies führt bei den älteren Systemen immer wieder zu kleinen Aussetzern in der Bedienbarkeit. Auch werden Dienste nur noch dann gestartet, wenn sie wirklich gebraucht werden - das beschleunigt den Bootvorgang nach dem Einschalten des Computers.

Zugang

Für die Nutzung im Unternehmen verspricht Windows 7 einen schnelleren Zugang zum Firmennetz, wenn Mitarbeiter unterwegs sind. Neu ist die Verschlüsselung von USB-Sticks, was für den Schutz sensibler Unternehmensdaten wichtig ist. Das leisten zwar auch schon externe Programme. In Windows 7 kann dies nun aber die Software BitlockerToGo direkt übernehmen.

Studie

Zur Präsentation am Mittwoch wies Microsoft auf eine Studie des Marktforschungsinstituts IDC hin, wonach bis Ende nächsten Jahres 177 Millionen Lizenzen von Windows 7 verkauft werden könnten. Von Windows Vista wurden laut Microsoft weltweit 180 Millionen Lizenzen verkauft. Das sind aber zum größten Teil die Vista-Lizenzen auf vorinstallierten Computern, die in den vergangenen zwei Jahren an Privatanwender verkauft wurden.

Bei BMW sollen bis 2011 alle 85.000 Arbeitsplatzrechner auf Windows 7 umgestellt werden. Zum Dank wählte Microsoft einen Schauraum des Automobilherstellers für die Präsentation - mit einem 320SI-Boliden rechts von Ballmer und einem Mini auf der linken Seite. Welches Auto eher zu Windows 7 passt, werden die nächsten Monate zeigen.

Keine Aufregung wegen Windows 7

Eine anderes Bild zeichnet eine aktuelle Umfrage der IT-Zeitung Computerwoche unter 350 IT-Entscheidern. Knapp die Hälfte der Befragten (49 Prozent) noch keine Pläne für einen Umstieg auf die neue Plattform. Neun Prozent der Unternehmen möchten Windows 7 sofort oder innerhalb der nächsten sechs Monate einführen. 15 planen einen Umstieg auf die neue Plattform innerhalb des nächsten Jahres und zwölf Prozent wollen in den kommenden zwei Jahren umsteigen. Der Anteil der kategorischen Windows-7-Verweigerer liegt bei lediglich fünf Prozent.

Verhalten

Ähnlich wie für Windows Vista dürfte damit auch der Start für Windows 7 im Unternehmens-Umfeld verhalten ausfallen. Selbst wenn sich die derzeit noch unentschlossenen Firmen-Verantwortlichen für einen Wechsel entscheiden, wird es aufgrund zeitaufwändiger Testläufe dauern, bis das neue System im Business-Umfeld auf breiter Front Fuß fasst.

Zufrieden

Darüber hinaus zeigt die Umfrage, dass die Unternehmen zufrieden sind mit ausgereiften und bewährten Betriebssystemen. So vertrauen nach wie vor fast drei Viertel der Befragten (74 Prozent) auf das 2001 an den Start gegangene Windows XP. Das Nachfolge-System Windows Vista wird dagegen nur in rund jedem fünften Unternehmen eingesetzt (21 Prozent). (APA/red)

  • Artikelbild
Share if you care.