Junge Filmemacher bringen Farbe in grauen Alltag

7. Oktober 2009, 10:45
posten

"Blitzblau", "Colours" und "Das Geheimnis der Pallas Athene": Vielfalt bei den Wiener Video- und Filmtagen

Wien - Ein junger Mann, ganz in Schwarz gekleidet, läuft durch Wiens Gassen, verfolgt von einer wütenden Menschenmenge, bis er von allen Seiten umzingelt ist.

"Okay, ihr habt mich", sagt er und hebt die Hände. "Ich weiß ihr seid wütend, ich wäre auch wütend. Ich weiß nicht, wie ich es anstellen soll, aber ihr bekommt euer Geld und alles, was ich euch versprochen habe", versucht er die Leute zu beschwichtigen. "Cut!", ruft plötzlich jemand aus dem Off. "Lu, du bist nicht ganz im Bild!"

Dies ist die erste Szene des Kurzfilms Blitzblau, der bei den diesjährigen Wiener Video- und Filmtagen von 14. bis 18. Oktober vorgestellt wird.

In der neuesten Produktion der fünfköpfigen Filmcrew "Creative Urge" geht es um Ludwig Anders, einen aufstrebenden Regisseur, der von einem russischen Geldgeber abhängig ist, jedoch seine eigenen Vorstellungen verwirklichen will. "Es geht um Kreativität und die Frage, ob man unter Druck originell sein kann", erklärt Sebastian Leitner (22). Der Physikstudent beschäftigt sich schon seit einigen Jahre mit dem Filmemachen. Er habe "learning by watching" betrieben, einfach probiert, aber nie eine Ausbildung in dieser Richtung gemacht. "Jeder, der seinen ersten Film macht, kopiert erst mal zehn seiner Lieblingsfilme", meint er lapidar. Seit zwei Jahren hat er auch eine Ein-Mann-Produktionsfirma, mit der er Auftragsarbeiten wie Musikvideos oder Werbefilme realisiert. Dennoch kann er sich nicht vorstellen, hauptberuflich Filme zu machen. Für ihn ist es Hobby und Nebenverdienst, da er nicht unter Druck arbeiten wolle: "Da leidet die Kunst."

Ebenfalls bei den Filmtagen vertreten ist Nadine Taschler (22). Der zweiminütige Experimentalfilm colours ist gemeinsam mit Viktoria Schmid und Milena Krobath entstanden. "Es ist ein grauer Wintertag und wir machen uns auf den Weg, mehr Farbe in die graue Wiener Alltagssuppe reinzubringen", beschreibt Taschler. "Wir haben Passanten mit Orangen oder knalligen Schals überfallen und wollten für jeden stehen, der Farbe in dein Leben bringen könnte."

Taschler ist seit 2007 Studentin der Schule für Unabhängigen Film in Wien. "Film war das, was ich immer schon machen wollte", erzählt sie. Angefangen habe sie im Medienzentrum von "wienxtra", das Workshops für junge Filminteressierte veranstaltet und Ausrüstung sowie Räumlichkeiten zur Verfügung stellt.

Schwierigkeit: Förderung

Derzeit arbeitet die Studentin an einer Doku über ihren Großvater, der ebenfalls Filmemacher war. Ein schwieriges Unterfangen dabei sei die Förderung. Ein Thema, bei dem Taschler derzeit einen "ziemlichen Stillstand" ortet, da nur einige wenige Zugriff auf Materialien hätten, die eigentlich für alle da seien. "So mussten wir uns selbst mobilisieren. Jetzt gibt es auch den Verein zur Förderung unabhängigen Films, der Filmschaffende in Österreich unterstützt."

Das Geheimnis der Pallas Athene - Hinter den Kulissen der Demokratie lautet der Titel des Dokumentarfilms, der das Festival eröffnen wird. "Es ist eine sehr spannende und vor allem augenöffnende Dokumentation, die vieles erzählt, was wenige über die österreichische Politik wissen", meint Noemi Amadori (19), will jedoch nicht mehr verraten. "Wir haben viele Interviews geführt, nicht mit Politikern selbst, aber mit nahestehenden Personen, und viel Archivmaterial verwendet."

Amadori würde gerne Dokumentationen in Entwicklungsländern drehen, da die dortige Situation so am besten "in die Köpfe der Menschen hier" gebracht werden könne. "Film spricht die Menschen an, weil er mehrere Sinne beansprucht", sagt sie. Das Gegenteil sei oft bei modernen "Hollywoodschinken" der Fall, wo die Aspekte Kamera, Kulisse und Kostüm oft vernachlässigt würden. Das Medium Film sollte ganz und gar ausgenutzt werden, in all seinen Formen und Farben, fordert Amadori. (Antonia Reiss, Selina Thaler, DER STANDARD, Printausgabe, 7.10.2009)

 

Share if you care.