Schule & Politik

"Der Lehrerjob soll ein Ganztagsjob sein"

7. Oktober 2009, 16:27
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    "Die Zeit der Umsetzung ist gekommen", so Bundesministerin Schmied zur Bildungsreform.

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    Und hilft bei der Essensausgabe.

Faymann und Schmied besuchen gemeinsam eine Vorzeigeschule und zeigen ihre (neue) Harmonie in Bildungsfragen

"Wir in der Regierung können nicht so gut singen", bedankt sich Werner Faymann bei dem Schülerchor, um in die nächste Klasse zu gehen. Es ist kein normaler Schulbesuch, eigentlich soll bei einer Pressekonferenz von Bundeskanzler und Bildungsministerin in der Bibliothek des Amerlinggymnasiums im 6. Wiener Gemeindebezirk die Bildungspolitik im Mittelpunkt stehen.

Doch für Fotografen und Kameraleute ist das eigentliche Ereignis an diesem Tag der Kanzler in der Schule. Der Sportplatz wird besichtigt, ein paar Klassen stehen für den Kanzler bereit. Es ist Mittagszeit: Faymann teilt Essen an die SchülerInnen aus, posiert für die Kameras und - "Jetzt schauen wir noch in die Küche" - verteilt Puderzucker über den Nachtisch.

"Mut" und "Durchhaltevermögen"

Zucker gibt es davor auch für seine Regierungskollegin Claudia Schmied: Für bildungspolitische Reformen brauche es "viel Mut" und "Durchhaltevermögen" und über beides verfüge - so Faymann - Schmied in dem durch Widerstand gekennzeichneten Reformprozess. Noch vor wenigen Monaten war das Klima zwischen Kanzler und Ministerin in Bildungsfragen  - nicht zuletzt bei der Anhebung der Lehrerarbeitszeit - merklich getrübt.

Es gehe im Bildungsbereich vor allem um eine "Effizienzsteigerung" und um die Motivation einer "großen Gruppe", von den Landeshauptleuten angefangen bis hin zu den Lehrern und Schülern. Dann seien Reformen möglich. Auf dem Weg zu einer neuen Schule sind jedoch viele "Teilschritte" notwendig, dazu gehört auch, nicht auf das "Prestige" zu setzen, sondern "gemeinsam" an der Reform zu arbeiten. 

Faymann: "Lehrerjob soll Ganztagsjob sein"

Faymann zeigt sich überzeugt, dass eine Umsetzung der angestrebten Reformen - vom Lehrerdienstrecht bis zur gemeinsamen Lehrerausbildung - möglich ist, da der "Koalitionspartner signalisiert hat, dabei zu sein". Natürlich gebe es die eine oder andere "mürrische" Stimme von Seiten der Landeshauptleute oder der ÖVP, jedoch mit dem nötigen "Schwung " werden auch diese zu gewinnen sein. "Die, die sich in den Weg stellen, müssen überzeugt werden", so Faymann. Schließlich sei die Steuerreform ja auch nach anfänglichem Widerstand aus der ÖVP gekommen.

Eine Richtung gab Faymann jedoch vor: Die Schule der Zukunft soll ganztägig sein und der Unterricht gemeinsam erfolgen. "Der Lehrerjob soll ein Ganztagsjob sein", unterstützt Faymann seine Fachministerin. Gerade in dieser Frage wurde Ministerin Schmied von den Lehrervertretern in den letzten Tagen kritisiert, die ihr vorwerfen, dass Schmied durch solche Äußerungen den Lehrern unterstellt, ihre Arbeit sei nur ein Halbtagsjob.

Schmied: "Yes we do"

Bildungsministerin Schmied sieht die "Zeit der Umsetzung gekommen". In Anspielung auf Barack Obama's Wahlkampfslogan "Yes we can" müsse es in der Bildungspolitik heißen: "Yes we do". "Es hat keinen Sinn auf das Jahr 2020 zu vertrösten", so Schmied in Anspielung auf die ÖVP-Forderung ein Papier zur "Schule 2020" vorzulegen. "Schritt für Schritt" seien Reformen umzusetzen, wie den Ausbau der "Tagesbetreuung Neu". 

120.000 neue Plätze für Tagesbetreuung

In den letzten Jahren ist die Anzahl der Tagesbetreuungsplätze stark angestiegen. Wurden im Schuljahr 2005/06 62.743 Betreuungsplätze angeboten, waren es im Schuljahr 2008/09 schon 91.426 (ein Anstieg von 45 Prozent). Der starke Anstieg dürfte auch auf die Einführung der Mittagsbetreuung zurückzuführen sein, die im letzten Schuljahr erstmals angeboten wurden. Bis zum Ende der Legislaturperiode im Jahr 2013 sollen insgesamt 120.000 Plätze zur Verfügung stehen, so wie sie auch im Amerlinggymnasium angeboten werden.

Zeitgemäße organisatorische Rahmenbedingungen

Neben den inhaltlichen Veränderungen müssen zeitgemäße organisatorische Rahmenbedingungen durch ein neues Lehrerdienstrecht, die Ausweitung der Autonomie oder eine einheitliche Lehrerausbildung geschaffen werden, so Schmied. Bildungspolitik sei wie der Stil der "Pointillisten", erst die Summe der einzelnen Punkte ergibt den Erfolg.

Nach dem letzten Klassenbesuch von Faymann und Schmied ist der Zauber vorbei. "Die Kinder sind dagesessen mit so großen Augen", sagt Faymann zu Schmied. Der bildungspolitische Zirkus dreht sich weiter. (Sebastian Pumberger, derStandard.at, 7.10.2009)

 

Kommentar posten
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paddy´s lament
 
01
15.10.2009, 12:07
Fake

Jö meine alte Schule, durfte dort vor ca. 4 Mio. Jahren auch mein Unwesen treiben, war aber eine echt coole Schule.:-))
Leider ist es keine Ganztagsschule sondern Schule mit Nachmittagsbetreuung, wie schon zu meiner Zeit auch. Es wird nur am NM Unterstützungsunterricht in den Hauptfächern angeboten, oiso Fr. Schmied, Hr. Faymann tuns bitte jemanden anderen verschaukeln.

Alfred Moosbrugger
03
12.10.2009, 13:05

Mich wundert's, dass er nicht so etwas verkündet hat: "Jetzt beginnt der Ernst des Lebens - Lehrer sollen arbeiten, wie alle anderen braven und anständigen (copyright Dichand) Österreicher auch. Nun ist es vorbei mit der von Freistunden durchlöcherten Halbtagsanwesenheit zum Zwecke des Schüler-Ärgerns."

lichte werk ing
00
13.10.2009, 19:14

durchgefallen?

Alfred Moosbrugger
04
12.10.2009, 11:13

Angesichts dieser Weisheiten stellt sich die Frage: Wer war zuerst? Kasperl, der als Vorlage für Faymann gedient hat oder hat man Kasperl etwa Faymann nachempfunden?

Alfred Moosbrugger
05
12.10.2009, 11:11

Der Bundeskanzlerjob soll wieder ein ehrlicher Job sein, keine Ruhestätte für einen neurolinguistisch programmierten Wortverdreher und Strahlemann (nichts dahinter) wie Faymann.

Hoppauf Austria
06
12.10.2009, 09:34
Büros für Lehrer

Wenn diese Frau Fachministerin das so will, dann fordere ich als erstes adequate Büroräume für Lehrer. Ich (als Nichtlehrer) habe dann einen Raum mehr frei in der Wohnung, der derzeit mit Unterrichtsmaterialien meiner Frau vollgestopft sind, und den ich bezahle.

Auch grundsätzlich halte ich diese Ganztagslehrerforderung als reinen Wählerfang für von Neidkomplexen geplagten Angestellten anderer Branchen. Inhaltlich ist der "ganzen Tag in der Schule Lehrer" komplett daneben.
Wichtiger wären verpflichtende Fortbildungen in den Ferien oder den "schulautonomen Tagen".

MoltoBene
00
13.10.2009, 21:45
sofort beürwortet

...ohne adequate Büroräume kanns wohl keine Ganztagsanwesenheit geben. Ansonsten sehe ich aber keine Hürden, oder?

Aleksandar
03
11.10.2009, 18:40
Ein Trauerspiel

Die Frau Fachminister *hihi*

Also: Lehrerjob soll ein Ganztagsjob werden. Jede/r gewissenhafte Lehrer/in hat bereits einen Ganztagsjob. Vorbereitungsarbeit auf die Schule zu beschränken, ist krank. Man kann nicht alles in die Schule schleppen, wenn man sich gewissenhaft vorbereitet.
Leider gibt's aber Lehrer/innen, die in der Tat das Klingeln nach der letzten Stunde als Beginn ihrer totalen Freizeit bis zum nächsten Tag ansehen. Diese maulen über ungünstige Stundenpläne, Besprechungstermine etc. Und diese sind es, die die Stechuhr an Schulen heraufbeschwören.

Strudelteig
00
13.10.2009, 12:56



Wie machen das dann alle anderen Menschen in qualifizierten Berufen?

Eine anständige EDV Ausstattung und Bibliothek sollte an jeder Schule Voraussetzung sein. Und selbstverständlich ein Arbeitsplatz.

Aleksandar
00
13.10.2009, 17:59
Stimmt,

doch in Schulen hat ein ordentlicher Arbeitsplatz Seltenheitswert. Überdies gibt's zahlreiche Schulen, wo so etwas einzurichten aus Platzgründen schlicht unmöglich ist.

Orakel1
05
11.10.2009, 14:02
Ich wundere mich nur, wie es Faymann immer wieder gelingt...

..seine unsäglich dummen Weisheiten immer wieder zu toppen.

Prostetnik Vogon Jeltz
03
11.10.2009, 10:19
"Der Lehrerjob soll ein Ganztagsjob sein"



*prust*

Na da gratuliere ich aber - wer so etwas sagt, hat null Ahnung von dem, was LehrerInnen aktuell leisten, speziell in urbanen Settings...

Ich will jedenfalls NICHT tauschen, trotz Ferien etc...
brrr....

marietta11
03
11.10.2009, 20:41
Faymann

war soviel ich weiß, niemals in einen "normalen" Arbeitsprozess invoviert.Hat er jemals eine andere Tätigkeit als die eines Parteifunktionärs ausgeübt?

ljack
00
12.10.2009, 06:38

Nein.

lyric
00
10.10.2009, 21:22
"verteilt Puderzucker über den Nachtisch"

Nein!

leckbuckl
05
10.10.2009, 18:28
ganzjahresschulen

Wenn bald überall die Ganztagesschulen in Betrieb gegangen sind, wird dann die Diskussion beginnen, ob es nicht pädagogisch klüger wäre, die Schüler gleich auch über Nacht und auch während der Wochenenden in der Schule zu behalten – der Wechsel von Bezugspersonen würde sie doch zu sehr emotional belasten.
Daher ein Vorschlag: Die Schüler bleiben rund um die Uhr zusammen mit den Lehrern in der Schule. Kurzabholtermine: Muttertag (um der aufopfernden Mutter geschwind ein Dankesgedicht vorzutragen) / Weihnachten (besinnliches Liedersingen und Express-Geschenksverteilung)/ für Geburtstage eines Schülers gibt es in der Schule einen nett dekorierten Birthday-Room, in dem man diese Formalitäten auch geschwind erledigen kann.

jean val jean
01
11.10.2009, 07:31

sie beschreiben hier genau die internate, in die ganztagsgegner ihre ableger üblicherweise deponieren

Markus Wagner
00
11.10.2009, 05:34

Das ist ja alles ganz lustig was Sie schreiben, aber was ist die ernsthafte Alternative zur Ganztagsschule wenn heute großteils beide Elternteile arbeiten gehen? Darauf wär ich mal gespannt ...

GoodieGoodie
02
11.10.2009, 12:00

Sie haben Recht damit, dass es für manche Familien nicht anders geht.
Aber warum kann man es dann nicht auch so benennen? Warum sagt man nicht: "Leider ist es notwendig. Besser wäre es, es ginge ohne, aber es muss halt oft sein."
Aber es wird immer als die beste Lösung für alle dargestellt, auch wenn es die Familiensituation nicht notwendig macht.
Und das Schlimmste: Es wird immer als die beste Lösung für die Kinder dargestellt - und das ist es mit Sicherheit nicht!
Es ist ein notwendiges Übel!

Markus Wagner
10
12.10.2009, 04:15

Naja, ich weiß nicht. Also ich bin schon der Meinung, dass es nicht schlecht ist den Schultag "auseinanderzuziehen", also nicht alles in den Vormittag reinzustopfen. Das denke ich ist auch pädagogisch sinnvoll wenn man es denn so machen will.

Die Betreuungsproblem, das stimmt, das ist einfach nur ein notwendiges Übel, weil anders gehts kaum noch.

Alfred Moosbrugger
01
12.10.2009, 11:14

Haben Sie eine Ahnung. Am Nachmittag sind 90% der Schüler nicht mehr aufnahmefähig. Daran kann auch ein späterer Beginn nichts ändern.

Markus Wagner
00
13.10.2009, 04:10

Wenn sie den ganzen Vormittag Unterricht haben, natürlich ...

marie berg
30
11.10.2009, 12:48
ihrer meinung nach

sollte sich also eine frau zwischen mutterschaft und karriere entscheiden, da ganztagsbetreuung ja ein "übel" ist. ja, mir wird übel, wenn ich so einen topfen lese!

Sche
03
11.10.2009, 18:48
Oje, oje...

...sinnerfassendes Lesen ist eben nicht jederfraus Sache.

Franz Bim
 
01
11.10.2009, 18:26

Es muss ja nicht die Frau sein, sondern es kann auch der Mann sein bzw. bei einem schwulen Paar (mit adoptierten Kind) einer der beiden Männer oder bei einem lesbischen Paar eine der beiden Frauen.

Zusätzlich besteht ja noch die Möglichkeit sich mit den eigenen Eltern gut zu stellen, also mit den Großeltern des Kindes.

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