Booker-Preis für Hilary Mantel

7. Oktober 2009, 09:43
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Die britische Schriftstellerin wurde, nicht unerwartet, für ihren Historienroman "Wolf Hall" ausgezeichnet

London - Die englische Schriftstellerin Hilary Mantel ist mit dem renommierten Booker-Preis ausgezeichnet worden. Die 57-Jährige erhielt die mit 50.000 Pfund (ca. 54.000 Euro) dotierte Literaturauszeichnung am Dienstagabend in London für ihren Historienroman "Wolf Hall". In dem Wälzer erzählt sie den Aufstieg von Thomas Cromwell zum Stellvertreter des Tudor-Königs Heinrich VIII. Mantel war schon vor der Preisverleihung die heiße Favoritin für die wichtige Auszeichnung.

Mit ihrem fast 700 Seiten schweren Roman setzte sich die ehemalige Sozialarbeiterin gegen Literaturnobelpreisträger J.M. Coetzee sowie die Autoren A.S. Byatt, Adam Foulds, Simon Mawer und Sarah Waters durch. Die Jury betonte, der Roman sei "eine Herausforderung" und "harte Arbeit". Mantel habe einen "modernen Roman über das 16. Jahrhundert geschrieben".

Der Booker-Preis ist die wichtigste Auszeichnung für englischsprachige Literatur und wird seit etwa 40 Jahren verliehen. "Ich fliege vor Glück durch die Luft", sagte Mantel bei der Verleihung. Sie habe die Idee für "Wolf Hall" vor etwa 20 Jahren gehabt und mehrere Jahre daran gearbeitet. Sie schreibe bereits an einer Fortsetzung des Romans. Das Preisgeld werde sie aber für "Sex, Drogen und Rock'n'Roll" verwenden, witzelte Mantel.

Der Vorsitzende der Jury, James Naughtie, betonte, der Roman sei ein "außergewöhnliches Stück" Erzählkunst. "Man muss Energie investieren, er kommt nicht auf einen zugeflogen... Er verlangt Konzentration." Der Roman  sei wegen "seiner schieren Größe" ausgewählt worden. Er spielt in England um 1520, die Zeit der Tudors und der Regentschaft Heinrichs VIII. Die Geschichte ist aus der Sicht von Thomas Cromwell geschrieben, der es aus einfachen Verhältnissen zum mächtigsten Mann Englands neben dem König bringt. Mantel sagte, sie sei von der "Tudor-Seifenoper" fasziniert gewesen.

Mantel hatte schon früh Interesse an historischen Stoffen. Ihren ersten Roman "A Place of Greater Safety" schrieb sie 1974 über die Französische Revolution. Er wurde allerdings erst fast zwanzig Jahre später von einem Verlag angenommen, nachdem sie 1985 mit ihrem Gesellschaftsroman "Every Day Is Mother's Day" ihren Durchbruch gefeiert hatte.

Mantel wurde im mittelenglischen Glossop geboren. Sie studierte Jus in London und Sheffield und lebte später wegen des Berufs ihres Mannes mehrere Jahre in Botswana und Saudi-Arabien. In "Eight Months on Ghazzah Street" schrieb sie über die Konflikte zwischen Islam und westlicher Welt in dem arabischen Land. Mantel erhielt bereits einige Literaturpreise. 2006 wurde sie zudem von der Queen mit einem Orden geehrt.

Der Booker-Preis wird jedes Jahr für einen Roman aus den Commonwealth-Staaten oder Irland vergeben. Häufig wird das gekürte Buch zum Bestseller. Mantels Geschichtswälzer verkaufte sich aber schon vor der Preisvergabe bestens. Er richtete sich allerdings eher an Briten mit guten Geschichtskenntnissen. Zu den früheren Preisträgern des Booker-Preises gehören der britisch-indische Autor Salman Rushdie und die indische Schriftstellerin Arundhati Roy. Coetzee hatte den Preis schon zweimal gewonnen. (APA/dpa)

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    Hilary Mantel bei der Booker-Prei-Gala

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