Kulturwechsel beim Ringen um gute Köpfe

6. Oktober 2009, 19:21
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Etwa hundert in Nordamerika forschende Österreicher waren beim sechsten Austrian Science Talk

Geht es nach den Zahlen des Office of Science and Technology (OST), dann ist die "brain circulation" zwischen den USA und Österreich gut in Schwung. Bis zu 2500 Österreicher forschen derzeit laut Schätzungen in Nordamerika, etwas mehr als 150 haben die USA und Kanada zwischen 2008 und 2009 wieder verlassen. Trotz steigender Rückwanderungszahlen ist die Zahl der Forscher, die den Schritt nach Nordamerika wagen, weiterhin im Zunehmen. Etwas flacher war die Kurve lediglich zwischen 2007 und 2008. Als eine der Ursachen gilt die angespannte Forschungsförderungssituation in der zweiten Hälfte von George Bushs zweiter Amtsperiode.

Rund 100 der in Nordamerika forschenden Österreicher versammelten sich am 3. Oktober in New Orleans zum sechsten Austrian Science Talk. Das von Brainpower Austria, einer Initiative des Infrastrukturministeriums, jährlich veranstaltete Treffen soll die Vernetzung unter den Wissenschaftern fördern und die Verbindung zu Österreich aufrechterhalten. Eines der Themen war die zunehmende Bedeutung von Doppelkarrieren. "Ich komme nur, wenn auch mein Partner einer Job bekommt" sei früher "völlig verpönt" gewesen, so Friedrich Faulhammer, Generalsekretär im Wissenschaftsministerium. Inzwischen habe ein gewisser Kulturwechsel stattgefunden, und die heimischen Unis zeigten sich dem Thema gegenüber offen. Faulhammer stellte auch die finanzielle Unterstützung vonseiten des Ministeriums in Aussicht, wenn es für Hochschulen darum ginge, Spitzenleute und deren Lebenspartner zu rekrutieren.

Ob der neue Uni-Kollektivvertrag aussichtsreiche Nachwuchsforscher an Österreich bindet, bleibe angesichts des Inkrafttretens am 1. Oktober erst abzuwarten, hieß es im Rahmen des Science Talk. Mit einer Leistungsbeurteilung und der anschließend möglichen unbefristeten Anstellung weisen die neuen Verträge erstmals Ähnlichkeit mit dem US-System auf.

Bei der Veranstaltung wurde auch die Evaluierung des Brainpower-Programms vorgestellt. Willkommen bei den registrierten Wissenschaftern sind vor allem Reisekostenzuschüsse, die unter anderem für Bewerbungsgespräche gewährt werden. Zur Lage in Österreich befragt, schätzen zwei Drittel die rot-weiß-rote Forschung als gut und 15 Prozent als sehr gut ein. Dennoch bleibt die Kritik aufrecht, dass Jungforscher in Österreich zu wenig verdienen.

Eine vom Austrian Institute of Technology (AIT) in Auftrag gegebene Studie kommt indes zu einem recht passablen Ergebnis. So würden im europäischen Vergleich nur Luxemburg und die Schweiz ihren Forschern mehr bezahlen - Letztere um rund ein Fünftel.

Die Vereinigung österreichischer Forscher in Nordamerika, Ascina, stellte in New Orleans die ersten vier Paare ihres neu eingeführten Mentoring-Programms vor: Der Linguistik-Doktorand Patrick Grosz vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) holt sich künftig Karriererat bei Matthias Scheutz, Associate Professor für Informatik an der Indiana University; die Biologie-Doktorandin Eva Fast von der Boston University wird von Michael Rendl, Assistant Professor für Biologie und Dermatologie an der Mount Sinai School of Medicine, unterstützt; Christine Konradi, Professorin für Psychiatrie am Vanderbilt University Medical Center, berät die MIT-Zellbiologin Sandra Morandell. Diese drei "Fernbeziehungen" unterstützt Brainpower mit Reisekostenzuschüssen für persönliche Treffen.

Das vierte Mentoring-Paar ist nur eine U-Bahn-Station voneinander entfernt: Mikrobiologe Martin Polz, Professor am Institut für Zivil- und Umwelttechnik des MIT, und Ben Kotrc, Paläontologie-Doktorand an der Harvard University. (Alexandra Riegler aus New Orleans/DER STANDARD, Printausgabe, 07.10.2009)

 

  • Friedrich Faulhammer vom Wissenschaftsministerium.
    foto: der standard/fischer

    Friedrich Faulhammer vom Wissenschaftsministerium.

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