Bilder der Wissenschaft

6. Oktober 2009, 19:10
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Kunst und Forschung trafen sich bei der Science Lounge

Als David Hilbert einmal gefragt wurde, was aus einem seiner Assistenten geworden ist, hatte er eine knappe Antwort parat: "Der ist Schriftsteller geworden." Nachsatz des mathematischen Jahrhundertgenies: "Für die Mathematik fehlte ihm die Fantasie."

Stehen sich Kunst und Wissenschaft einander womöglich näher, als man gemeinhin annimmt? Früher einmal jedenfalls war alles ganz anders: Da arbeitete einer wie Leonardo da Vinci selbstverständlich als Künstler und Wissenschafter. Und selbst Goethe hatte Fantasie genug, sich auch als Naturforscher zu bezeichnen.

Am Beginn des 21. Jahrhunderts scheinen sich die zwei getrennten Kulturen in Österreich wieder ihrer Wahlverwandtschaften zu besinnen. So wurden zuletzt neue Förderungsschienen sowohl vom Wissenschaftsfonds FWF wie vom Wiener WWTF eingerichtet, die zur Kooperation zwischen Kunst und Wissenschaft motivieren sollen. Jüngste Beispiele dafür, dass es die beiden wieder miteinander versuchen sollten, waren bei der European Researchers Night in den Rinderhallen Simmerings zu sehen und zu hören. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Vienna Biocenter malten da etwa Molekularbiologen Bilder ihrer Forschung. Und in der Science Lounge diskutierten die Lebenswissenschafterinnen Lucia Aronica und Marianne Popp mit der Architektin Silja Tillner und Gerald Bast, dem Rektor der Uni für Angewandte Kunst.

Bilder waren dann auch so etwas wie der rote Faden des grenzüberschreitenden Gesprächs: So erinnerte Silja Tillner etwa an Motive aus Cyberpunk-Romanen, die Entwicklungen der Informationstechnologien vorweggenommen hätten. Rektor Bast berichtete unter anderem von einem neuen Masterstudium an seiner Universität unter dem Titel Art & Science Visualization, an dem auch Imba-Chef Josef Penninger mitmache.

Imba-Forscherin Lucia Aronica, Gewinnerin des "Famelab", betonte die Rolle von Bildern bei der Vermittlung von Wissenschaft. Und Marianne Popp, Leiterin des Vienna Ecology Centre an der Uni Wien, zitierte einen Spruch des Nobelpreisträgers Albert Szent-Györgyi: "Forschung bedeutet zu sehen, was alle anderen auch sehen, und zu denken, was noch niemand gedacht hat." Was wohl auch auf die Kunst zutrifft. (Klaus Taschwer/DER STANDARD, Printausgabe, 07.10.2009)

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