Das "kooperative Gen"

6. Oktober 2009, 18:59
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... und seine Kritiker

Joachim Bauer hat über 100 wissenschaftliche Originalarbeiten publiziert, aber auch sehr große Erfolge mit der Verdeutlichung von Forschungsergebnissen anderer erzielt. Unter anderem in den Büchern Das Gedächtnis des Körpers - Wie Beziehungen und Lebensstile unsere Gene steuern (2004) oder Warum ich fühle, was du fühlst - Intuitive Kommunikation und das Geheimnis der Spiegelneuronen, in dem er die Erkenntnisse italienischer Forscher über die sogenannten Spiegelneuronen aufbereitet.

Im Buch Prinzip Menschlichkeit - Warum wir von Natur aus kooperieren legt Bauer seine aus der neurologischen Forschung und seiner klinischen und psychotherapeutischen Praxis hervorgegangene These dar, dass die zentralen Bestrebungen des Menschen primär auf zwischenmenschliche Beziehungen und gelingende soziale Beziehungen ausgerichtet sind.

Vor allem sein 2008 erschienenes Buch Das kooperative Gen - Abschied vom Darwinismus hat scharfen Widerstand hervorgerufen, besonders in der evolutionsbiologischen Community.

Bauer selbst versucht dies auf ein Missverständnis zurückzuführen. Er habe - ausgerechnet zum Darwin-Jahr - nicht die Erkenntnisse Darwins über die Evolution angezweifelt, sondern "nur" den daraus abgeleiteten Darwinismus, dass das Leben ein einziger Kampf ums Überleben sei, und alle unheilvollen ideologischen Schlüsse, die daraus gezogen wurden.

Kritiker merken aber darüber hinaus an, dass Bauers Darstellung zu sehr von moralischen und gesellschaftlichen (Wunsch-)Vorstellungen geprägt ist, die sich wissenschaftlich schwer belegen lassen.

Bauers Polemik gegen den bekannten britischen Atheisten Richard Dawkins (Die Gottes-Illusion) sei sozusagen von dem Bestreben getragen, "den unerwünschten Konsequenzen einer Übertragung Dawkins'scher Konzepte in die menschliche Lebenspraxis mit dem Nachweis moralisch erwünschter Konzepte im Walten der Natur zu begegnen" (Rudolf A. Jörres von der Ludwig-Maximilians-Universität München in einer Rezension). (Hans Rauscher/DER STANDARD, Printausgabe, 07.10.2009)

 

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