Bahn-Express ist doch kein Zwergerl

6. Oktober 2009, 18:50
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Mit der Verlagerung von Stückgut auf Lkws entfallen jährlich 39.000 Wagons

Wien - Der Aufregung über die ÖBB-Pläne zur Streichung unrentabler Bahn-Express-Dienstleistungen an den Güterverkehrsknoten Graz-Werndorf, St. Michael (beide Steiermark) und Wiener Neustadt samt Verlagerung auf 14.000 Lkws folgte am Dienstag eine umfangreiche Rechtfertigung.

Fahrten zu und von diesen Standorten haben laut RCA-Chef Friedrich Macher weniger als 30 bis 50 Prozent Auslastung, weniger als 50 Prozent Kostendeckung und es rollten von und zu diesen Destinationen nicht einmal 700 Tonnen Güter täglich, also hochgerechnet nur 0,25 Prozent der täglich beförderten Gesamttonnage der Rail Cargo Austria (RCA).

In der ÖBB berechnet man die Bedeutung des Stückgut-Transports freilich auch aus einem anderen Blickwinkel. Wohl mache die Kontraktlogistik (Bex) von den 2008 insgesamt beförderten 98,5 Mio. Tonnen Gütern nur 1,7 Millionen Tonnen aus. Gemessen an den geführten Wagons ist Verlustbringer Bex allerdings nicht so unbedeutend, wie dargestellt. Von insgesamt einer Million Wagen, die RCA 2008 gefahren hat, entfallen laut ÖBB-internen Berechnungen rund 105.000 oder zehn Prozent auf das Stückgut. Und davon werden über die Bex-Center Werndorf, St. Michael und Wiener Neustadt an die 39.000 Wagons geführt, also mehr als ein Drittel.

"Die Tonnage ist irrelevant", sagen mit der Materie befasste ÖBBler, "die Wagen-Anzahl ist entscheidend." Auch sei in den 98,5 Millionen Tonnen des Vorjahrs auch der Transitverkehr enthalten, also Züge, die die ÖBB an der Grenze übernehme. Der Bex-Anteil am reinen Inlandsverkehr beträgt diesen internen Berechnungen zufolge immerhin vier Prozent. Die geplante, aber vom Aufsichtsrat weder beantragte noch abgesegnete Ausdünnung des Qualitätsnetzes bringe auch wichtige Einzelwagenverkehre unter Druck, aus denen mittelfristig Ganzzugverkehre (wie zum Beispiel für die Handelskette Lidl nach Ungarn) entstehen könnten. Unter Qualitätsnetz versteht man jene Schienenstrecken, auf denen die ÖBB den täglichen 24-Stunden-Transport garantiert. Diskutiert wird auch, diese Garantie auf 48 Stunden auszuweiten.

Aufklärung bei Diagnosedaten 

Spät, aber doch will die ÖBB-Spitze nun die von der Diagnose-Datenaffäre betroffenen Eisenbahner schriftlich informieren und ihnen Einschau in die gespeicherten Daten samt anschließender Löschung gewähren. Noch nicht auf Schiene ist die angestrebte Beurlaubung von Ex-Personalchef Franz Nigl als Noch-Geschäftsführer der ÖBB-Dienstleistunggesellschaft. Das Aufsichtsratspräsidium stimme dem notwendigen Entzug der DLG-Geschäftsführung nicht zu, verlautet aus der ÖBB. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Printausgabe, 7.10.2009)

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    Viele Baustellen und wenig GEld erfordern bei den ÖBB gravierende Weichenstellungen: mehr Busse statt Züge im Personenverkehr. Bei Gütern sind Lkws kostengünstiger.

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