Ökonomin

"Noch schärfere Krise in zwei, drei Jahren"

06. Oktober 2009 18:31
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Weil zu wenig in die Realwirtschaft investiert wird, bildet sich bereits die nächste gefährliche Blase, warnt die Ökonomin Brigitte Unger im Interview

STANDARD: Bei der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Istanbul wird ein optimistischer Bericht nach dem anderen präsentiert. Tenor: Das Schlimmste an der Wirtschaftskrise ist überstanden. Sehen Sie das auch so?

Unger: Die Krise wurde künstlich, durch die Konjunktur- und Bankenpakete, gedämpft. Aber die fundamentalen Probleme wurden noch nicht einmal in Angriff genommen.

STANDARD: Was sind die fundamentalen Probleme?

Unger: Dass es sich nicht lohnt, in die Realwirtschaft zu investieren. Das ganze Geld wurde in die Finanzmärkte gesteckt, weil in der Realwirtschaft zu wenig Kaufkraft vorhanden war. Die finanziellen Mittel im Finanzsektor sind viermal so groß wie in der Realwirtschaft. Wir haben also viermal mehr Geld als Güter, die wir darum kaufen können. Das Geld ist zudem so konzentriert, dass die, die es haben, es nicht anbringen können. Der US-amerikanische Hedgefonds-Manager John Paulson etwa hat in einem Jahr vier Milliarden Dollar verdient. Die kann er beim besten Willen nicht in der Realwirtschaft ausgeben.

STANDARD: Das heißt, die IWF-Programme helfen nichts?

Unger: Die IWF-Programme können dabei helfen, einen Ausgleich zwischen Staaten mit hohen Leistungsbilanzdefiziten und jenen, die Überschüsse erwirtschaften, zu schaffen. Die anderen Pläne, wie die Eigenkapitalquoten zu erhöhen und die Banken ein wenig zu reformieren, werden nicht reichen. Eigentlich müsste die Einkommensverteilung verändert werden. Die Schere zwischen armen und reichen Ländern klafft immer weiter auseinander. Die, die kaufen könnten, haben kein Geld. Und die das Geld haben, können es nicht ausgeben, außer in der Finanzwirtschaft. Drum glaube ich, dass wir gerade eine neue Blase aufbauen.

STANDARD: Dieser Ansicht sind mehrere Ökonomen. Wann wird die neue Blase platzen?

Unger: Das sind jetzt Spekulationen. Aber in den nächsten zwei, drei Jahren werden wir eine noch schärfere Krise erleben, wenn nicht etwas an den Fundamenten geändert wird.

STANDARD: Was müsste geschehen?

Unger: Ein vernünftiger Vorschlag ist es, einen Ausgleich zwischen den Ländern herzustellen. Länder, die große Überschüsse erwirtschaften, sollten also mehr in den Währungsfonds einzahlen, und der IWF sollte das Geld an defizitäre Staaten weiterleiten. Es muss aber auch innerhalb der Staaten darauf geachtet werden, dass die Einkommensverteilung gleicher wird. Die Lohnquote ist gesunken, dass heißt Arbeitnehmer können weniger konsumieren. Gleichzeitig steigt aber auch die Arbeitslosigkeit, und wer keinen Job hat, kann erst recht nicht konsumieren. Auch die Einführung der Tobin-Tax könnte helfen, damit es nicht so einfach ist, Geld in irrwitzigem Tempo hin- und herzuschieben.

STANDARD: Das Wichtigste ist also, Geld in die Realwirtschaft zurückzuführen?

Unger: Das ist die einzig heilende Kraft. Denn man kann Geld nicht essen. Wenn wir langfristig wachsen wollen, müssen wir Geld zurückführen.

Standard: Was meinen Sie mit "Geld kann man nicht essen"?

Unger: Es ist etwas übertrieben ausgedrückt, bringt aber etwas Wichtiges auf den Punkt: Vom Finanzsektor allein können wir nicht leben. (András Szigetvari, DER STANDARD, Printausgabe, 7.10.2009)

Zur Person

Die renommierte Finanzwissenschafterin Brigitte Unger unterrichtet an der Utrecht University School of Economics.

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Posting 1 bis 25 von 82
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das ist fix
03.11.2009 20:50
Geldsystemkrise


Fundamentales Problem: Geldschöpfung

...zu wenig in die Realwirtschaft investiert...
Warum sollten Unternehmen derzeit investieren? - es gibt schon derzeit Überkapazitäten.

Übrigens: Die Standard Zensur ist ärgerlich!
 
08.10.2009 10:50
Eigentlich ....


Eigentlich haben die Gewerkschaften versagt. Weltweit.

leaping frog
07.10.2009 15:39
"Der US-amerikanische Hedgefonds-Manager John Paulson etwa hat in einem Jahr vier Milliarden Dollar verdient. Die kann er beim besten Willen nicht in der Realwirtschaft ausgeben. "

blödsinn. was sonst soll er mit seinem geld tun?

er kauft sich zb eine insel.

Übrigens: Die Standard Zensur ist ärgerlich!
 
08.10.2009 10:48
"kauft sich eine insel ...."

eben nicht. er investiert lieber im finanzmarkt.

leaping frog
20.10.2009 18:28
auch eine möglichkeit geld los zu werden.

Karl Krammer
07.10.2009 17:29
eben. Warum fragt sie nicht einen Ölscheich?

Es gibt eine Menge Menschen mit noch mehr Kohle und die bringen die auch problemlos an.

AgatheBauer
07.10.2009 14:27
Staatsschulden

abbauen sollte auch auf der liste ganz oben stehen!
http://www.30sekunden.at/content/C... ontestId=1

mikromalist
 
07.10.2009 14:02
Kompakt und treffend erklärt, IMO!

Mensch könnte natürlich auch sagen: die Finanzwirtschaft hat grossartig funktioniert, aber die Realwirtschaft hat nicht genügend innovative Projekte?
Oder die Produktivität der Realwirtschaft reicht nicht mehr aus um die finanzwirtschaftliche Umsetzung politischer Versprechungen zu bedienen?
Was tun? Umverteilung! Wie?
Etwas so: Im "Kleinen": die MWST wird um 10% erhöht, aber jede Bürgerin erhält flach 300 (Hausnummer) zurück.
Im "Grossen": Steuer auf Finanztransaktionen, gewichtet nach Volumen, Leverage, Korrelation, ...
VERPFLICHTENDE Rückführung als allgemeine Infrastruktur für Innovationskraft der Realwirtschaft,.
"Global", so wie Frau Unger, Länderausgleich nach ähnlichen Prinzipien.
Kurz, progressiv-einnehmen-flach-zurück-geben.

also dann ...
07.10.2009 13:46
JA - frau unger bringt es haarscharf am punkt : die un-gleiche einkommensverteilung - welt weit -

ist DIE (haupt)ursache der krise, denn
- diese bewirkten die aussenhandelsdefizite
(das "geschäftsmodell export ist mittelfristig tot - da die importländer an die schuldengrenze stossen)
- das welt-wachstum (2003-08) durch den immensen schuldenaufbau der USA, GB, E usw
(HH + staaten + unternehmen) getrieben, führte zu den bekannten ergebnissen...
- die immense geldmengen-ausweitung
(2000-08 + 91 % / 1929-29 + 62 %) liess die immensen spekulationen d. fin.sektors zu
... was zu re-verstaatlichung der banken zwang.
klar ist auch,
dass realwirtschaftl. investitionen sicher KEINE eig.kap.rendite v. 25 % (ein PR-schmäh...) abwerfen.
- - -

leider... erwähnte frau unger das
ZINS(es-zins)basierte korrupte geldsystem nicht !

Baer8
07.10.2009 12:37
Das man Geld nicht essen kann wußten schon die alten Indianer zu berichten...

Die Stärkung der Kaufkraft derjenigen, die das Geld ausausgeben würden passiert einfach nicht weil die Arbeitnehmervertreter vor den Wirtschaftsvertretern in die Knie gehen. Es gibt auch keine Partei von Bedeutung welche die Arbeitnehmerrechte vertritt. Die aktuelle Konsum-Zurückhaltung ist Folge der Krise und Ursache für die nächste. Es passiert einfach und die Mächtigen sehen dabei stumpfäugig zu.

also dann ...
07.10.2009 14:08
di mächtigen sehen nicht zu - s i e sind von den "vermögenderen"...längst gekauft worden.

erst wenn es zu sozialen unruhen kommt,
werden sie aufwachen - und dann wird es auch für sie und ihre "wohlerworbenen rechte"...
sehr sehr unbequem werden.

loer
07.10.2009 12:23


der erste richtige artikel zu dieser kriese und dem kapitalismus allgemein.

einfach drauf schauen, daß die einkommensverteilung gerecht ist!

amused8
07.10.2009 11:11
Der wachtumsorientierte Kapitalismus ist am Ende

Die Boston Consulting Group gibt in ihrem "Global Wealth Report 2009" den Weltreichtum mit 92.4 Billionen US$ an, gemessen in AuM (Assets under Management). Stellt man diesem Wert den Wert der jährlichen Weltwirtschaftsleistung von rund 60 Billionen US$ gegenüber, so sieht man, dass bei durchschnittlichen Wachstumsraten der Weltwirtschaft von rund 3% kaum noch Rendite für die "AuM" erwirtschaftet werden kann. Die Realwirtschaft nähert sich schnellen Schrittes den "Grenzen des Wachstums". Da bleibt nur eines. Der dem Kapitalismus immanente Wachstumszwang kann nur noch virtuell befriedigt werden durch Transaktionen in der Finanzwirtschaft unter Erzeugung virtueller handelbarer Assets. Die Mutter aller Wirtschaftblasen entsteht.

J_***
07.10.2009 13:42
... und die Schlussfolgerung resp.

die - oder überhaupt eine - Lösung?

Karl Krammer
07.10.2009 17:35
daß überbewertete Anlagen verlieren werden

Gold und Anleihen halte ich momentan für stark überbewertet. Sobald die Inflationserwartungen wieder anziehen und die Notenbanken Liquidität absaugen, wird die Anleihenblase platzen und man wieder vernünftige Renditen erzielen können. Problem ist das aber keines, irgendwo kommt es immer zu Übertreibungen.

Ziemlichorg
 
07.10.2009 11:08
Überblick

Wer wirklich verstehen will wie das ganze System funktioniert und wie die Auswirkungen und Folgen sein werden, der sollte sich die Hauptartikel auf der Seite
www.das-bewegt-die-welt.de
unbedingt durchlesen!
Die anderen sollen es bitte lassen!

ONE TWO1
07.10.2009 10:34
Das leiden mit dem Zins

Als ingenieur bin ich es gewohnt ein problem an der Wurzel anzugehn. Ich kann beim besten willen auch nur ein kleines bisschen verstehn wie menschen an der ursache allen übels einfach vorbeisehen. (die wissenden und mächtigen natürlich absichtlich-> ziseszins beschert denen ja mächtig goldene eier).

Und weil geldverdienen mit linearem zins ja nicht so schnell geht wie exponentiell, wird einfach der bezug zu realem aufgehoben und tataa....

da unseren wirtschaftsexperten, die sich ja durch ein "EXTREM" schwieriges studium quälen müssen, eine E-Funktion ein begriff ist, sollten sie vielleicht mal nach: "Club of Rome"
über die "Grenzen des Wachstums" googlen.

Ich habe kein Verständnis für eure Gier

Laín Coubert
12.10.2009 18:38
meingottchen...

...spätestens heute aufgeweckt durch die krise verstanden haben, daß ein exponentiell wachsendes system (Zinseszins - im Geldsystem die Vermögen=Schulden) irgendwann derartige Zuwächse erreicht, daß die Kurve der Exponentialfunktion sich der Vertikalen annähert.

Wir dürften heute ein gutes Stück nach dem Beginn des "hockey sticks" sein.

Etwas anders ausgedrückt ist das Problem, daß der (Zinses)zins eine nichtskalare Größe ist und die Geldmengen ins unendliche Wachsen können - Menschen, Wertschöpfung und Ressourcen aber nicht.... was zur Versklavung der Welt unter jene Zahlenblase führt.

Nehmen sie z.b. an sie hätten 100 Mrd. und wollen dafür 5% p.a. - da muß ein kleiner Staat wie kroatien für sie rackern um die Zinsen zu bedienen!

kruja
07.10.2009 12:44
@ ingenieur

aha, ingenieur, also wie der hojac, mehr so auf schmalspur

ihnen ist offenbar jedes studium zu schwer gewesen, deswegen haben sie es in weiser einsicht gleich gelassen.

hahaha

ich weiss, jetzt kommt wieder der artspezifische hinweis des praktikers, der jeden tag seinen mann steht - nicht einmal das werden sie schaffen, sie ingenieur, sie...

ONE TWO1
07.10.2009 15:40

hab mein studium beendet, und arbeite.

werde mich sicher nicht auf persönlicher ebene mit ihnen diskutieren. wenn sie das wollen, dann gehns in die politik.

Magic Mike
07.10.2009 11:58

schaun sie, sie als ingeneur sollten auch wissen, dass man - nur weil man etwas nicht versteht - nicht gleich zum schluss kommen muss, dass etwas nicht funktioniert...

zinsen haben etwas mit zeitwert zu tun... zinsen sind auch nicht per se exponentiell oder linear... lassen sie sich nicht von solchem unsinn leiten...

ONE TWO1
07.10.2009 12:43

@ magic mike:

ich bitte sie darum mir meinen unsinn zu eklären.
das sind meine gedanken die ich seit der uni hege. und ein bisschen hab ich von wirtschaft und vwl auch mitgekriegt im wirtschaftsingenieurstudium.

meiner meinung nach ignorieren einfach nur geizhälse, machtbesessene und bornierte die absoluten schwächen dieses systems... "und damit meine ich jetzt nicht sie als person"

loer
07.10.2009 12:33


keine opern quatschen ... sie kennen die zinseszinsrechnung?! ...

ONE TWO1
07.10.2009 12:32

funktioniert denn das jetztige system?

ständig wird über auswirkungen gefachsimpelt:
umverteilung, kluft arm/reich, globalisierungsopfer,.... etc.

zinsen sind eine zeitfunktion da haben sie schon recht.... ändert aber nichts an der tatsache dass das geldvolumen auf der welt exponentiell steigt. -> funktioniert dass mal nicht mehr, dann gibts halt nen reboot von ein paar Staaten, die immer auf dicke hose gelebt haben. neustart...

@ muhu: linearer zins: du wirst wohl dran verstehn dass sich linearer zins immer vom anfangskap. berechnet. -> wenn du an der motivation der investoren zweifelst... kann ich das nachvollziehn... ich als "bank" nehm auch lieber 10€ statt 1€.

Muhu
 
07.10.2009 13:18

Alle Zinsen "berechnen sich vom" Anfangskapital. Ich hätte eigentlich erhofft, dass Sie als "Ingenieur" das in mathematische Formeln fassen können. Ich gehe davon aus, Sie meinen, es soll keine Zinseszinsen geben.

K(n) = K(0) + K(0) * z * n = K(0) * (1 + z*n)

K(i): Kapital nach i Jahren
z: Zinssatz in %

Sei K(0) = 100, z=10% (=0.1) und n=2.

Sie erhalten dann nach 2 Jahren 120 Geldeinheiten.

Ich kündige nach einem Jahr, kassiere die Zinsen und lege die Summe gleich wieder an. Damit bekomme ich 100 * 1.1 * 1.1 = 121 Geldeinheiten und habe wieder meine Zinseszinsen. Wie wollen Sie mich daran hindern?

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