"Gibt ja auch noch die WM 2011"

13. Oktober 2009, 16:05
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Wenige Tage vor seinem Rücktritt sprach Hermann Maier noch mit dem STANDARD. Bezüglich seiner Zukunft wollte er sich nicht festlegen

Standard: Ist der Körper so weit, wie Sie sich das vorgestellt haben?

Maier: Er ist besser, als ich mir das vorgestellt habe. Im Frühling, nach der Operation, habe ich mir gedacht, das wird nicht so einfach. Aber es hat sich dann sehr gut gebessert, speziell in den letzten Monaten, vom Juli weg, ist es in Riesenschritten gegangen. Das Knie ist mindestens so gut wie vorher.

Standard: Sind Sie heuer mit weniger Training ausgekommen?

Maier: Ich hab vom Umfang her das Gleiche trainiert wie immer, mich normal vorbereitet, was das Konditionelle anbelangt. Dazu habe ich Tennis gespielt. Das hat den Vorteil, dass ich unbewusst Laufübungen mache und gleichzeitig eine gewisse Schnelligkeit reinbringe, nicht immer die gleiche Laufbewegung mache.

Standard: Wann sind Sie vor Sölden zum letzten Mal auf Skiern gestanden?

Maier: Im März. Aber es hat Zeiten gegeben, da bin ich auch nicht viel länger gefahren in der Saison. Ich bin immer eher wenig gefahren. Ich war der Erste, der das so gemacht hat. Jetzt habe ich fast zwei Monate Zeit bis zu den ersten Rennen. Das ist eine Ewigkeit.

Standard: Das Übersee-Training geht Ihnen also nicht ab.

Maier: Trainingsmethoden hab ich in meiner Karriere sehr viele widerlegt. Ich war ja aus dem Team draußen, musste mir alles selbst erarbeiten. Ich habe immer probiert, was Eigenes durchzuziehen. Oder wenn ich jetzt den Motorradunfall hernehme. Wenn man zu Weihnachten anfangt zum Skifahren und vier Wochen später Kitzbühel gewinnt, muss ich mir schon die Frage stellen: Warum fang ich eigentlich früher an? Aber das Können kommt ja von früher, das habe ich mitgenommen.

Standard: Haben Sie auch gemeinsam mit dem Team trainiert?

Maier: Ich war im Juli mit dabei beim Konditionskurs beim Stanglwirt. Ansonsten war ich eher privat unterwegs, mit ein paar Trainingskumpanen. Ich trainier lieber allein, da kann ich mein eigenes Programm durchziehen, vor allem das eigene Tempo.

Standard: Sind die Olympischen Spiele in Vancouver Ihr letztes großes sportliches Ziel?

Maier: Das weiß ich gar nicht. Rennsportlich gesehen gibt es ja 2011 noch die WM in Garmisch-Partenkirchen. Jetzt muss man es erst einmal Winter werden lassen. Dann erst kann ich entscheiden.

Standard: Das heißt, Sie haben sich kein konkretes Ziel gesetzt.

Maier: Ich hab das im vergangenen Jahr auch nicht gemacht. Ich bin nach Chile geflogen und habe geschaut, wie es geht. Dann war ich begeistert, und es war klar, jetzt geht's dahin.

Standard: Über Hermann Maier pflegt spekuliert zu werden. Hört er auf, macht er weiter? Haben Sie selbst Zweifel gehabt?

Maier: Für mich sind das keine Zweifel. Ich habe immer gesagt, das ist eine spontane Entscheidung. Wenn ich sag, das war's jetzt, dann war es das jetzt.

Standard: Zweifel im Sinne von: Geht's noch, oder geht's nicht mehr?

Maier: Von der Verletzung her haben sich die Zweifel gelegt. Die waren nach dem Motorradunfall schon viel größer. Als ich gesehen hab, wie die Dinge herumhängen, da hab ich mir gesagt: Ui, ob das noch einmal was wird? Und es hat sich immer wieder zum Guten gewendet. Jetzt scheint schon wieder das Gleiche zu passieren. Dass ich so ein gutes Heilungsvermögen habe, ist ja fast unglaublich. Bei der letzten Operation habe ich zugeschaut am Bildschirm. Innerhalb von 25 Minuten war das geregelt. Das war ja diesmal keine große Geschichte.

Standard: Ist der Sport noch das Wichtigste in Ihrem Leben?

Maier: Das Wichtigste ist, dass man mit 24, 25 ein Ziel vor Augen hat, das man durchzieht. Und wenn man wahnsinnig viel erreicht hat, dann braucht man keiner Bronzemedaille nachlaufen.

Standard: Haben Sie jetzt ein großes Ziel vor Augen? 24 sind Sie ja nicht mehr.

Maier: Je älter man wird, desto sensibler wird man für die Gesundheit. Wenn der Körper nicht richtig funktioniert, dann erübrigt sich vieles. Als Junger kann man über Probleme einfach drüberfahren.

Standard: Was kann die Konkurrenz heuer?

Maier: Die kann Gutes. Man hat ja schon letztes Jahr gemerkt, dass einige es besser können als ich. Und das wird in Zukunft auch so sein. (Benno Zelsacher, DER STANDARD, Printausgabe, Mittwoch, 7. Oktober 2009)

ZUR PERSON:

Der Flachauer Hermann Maier (36) ist gelernter Maurer, staatlich geprüfter Skilehrer, zweifacher Olympiasieger, dreifacher Weltmeister, vierfacher Gesamtweltcupsieger, Gewinner von 54 Weltcuprennen. Beim Motorradunfall am 24. August 2001 erlitt er einen offenen Unterschenkelbruch rechts, eine Amputation drohte. Im März 2009 unterzog er sich wegen eines beschädigten Knorpels im rechten Knie einer Arthroskopie. Der bisher letzte Sieg gelang ihm am 30. November 2008 beim Super-G in Lake Louise.

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    Hermann Maier: "Jetzt muss man es erst einmal Winter werden lassen. Dann erst kann ich entscheiden."

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