Kühne Allegorien

6. Oktober 2009, 17:21
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Franz Anton Maulbertsch

Wien - Er galt als allzu kühner Geist und durfte daher nicht Professor werden. Immerhin aber durfte er sich ganz offiziell "kaiserlicher Kammermaler" nennen. Franz Anton Maulbertsch, der 1796 an den Verheerungen der Wassersucht gestorben ist, hat die Heilige Sippe in ein ebenso komisches Licht gerückt, wie er eine Allegorie auf das Schicksal der Kunst angelegt hat, die als bizarr zu bezeichnen auch heutige Betrachter nicht zwangsläufig als Angehörige der Reaktion ausweist.

Maulbertsch war ein Künstler für Künstler, hat Lichter gesetzt, wo eigentlich keine sein durften, hat stets die Farbe der Kontur vorgezogen und einen Christus von dermaßen einfältigem Aussehen in Öl auf Leinwand gebannt, dass selbst Oskar Kokoschka im 20. Jahrhundert noch beeindruckt war - und Maulbertschs Fresken in der Wiener Piaristenkirche als für ihn vorbildlich beanspruchte, als "bestürzendes Seherlebnis" . Das Belvedere, das Haus mit der größten Sammlung von Werken Franz Anton Maulbertschs, stellt den exzentrischen Meister die nächsten Monate lang in den "Fokus" , zeigt jenen Mann, der vor lauter Freskieren nicht immer Zeit fand, selbst Hand anzulegen. Mitarbeiter bereiteten die Gründe vor, bis Maulbertsch endlich selbst anreiste, um "Figuren darein zu setzen".

Talentierte Mitarbeiter waren das. Sie hießen etwa Josef Winterhalder, Andreas Brugger, Johann Bergl, Vinzenz Fischer oder Felix Ivo Leichter und zeichneten sich durch die virtuose Nichtanwendung ihres jeweiligen Personalstils aus. Andernfalls wurden sie - wie Winterhalder - "aus Kunsteifersucht verscheucht." (Markus Mittringer, DER STANDARD/Printausgabe, 07.10.2009)

Belvedere restituiert: Maulbertsch-Bild an die Silbermann-Erben

Wien - Ein Werk von Franz Anton Maulbertsch wird man in der laufenden Präsentation im Belvedere vermissen: das Gemälde Allegorie auf Galizien und Lodomerien, auch Apotheose Polens genannt. Der Kunstrückgabebeirat empfahl in seiner jüngsten Sitzung, es an die Erben nach Elkan und Abraham Silbermann zu restituieren. Deren Kunsthandlung in der Seilerstätte 16 stand von August 1938 an unter kommissionarischer Verwaltung. 1940, im Zuge der Liquidation, wurden die Bestände versteigert.

Das gegenständliche Gemälde hatte sich die Kunsthändlerin Vita Künstler im Herbst 1938 für die Ausstellung Barock in der Ostmark ausgeliehen. In der Folge erwarb sie das Bild vom kommissionarischen Verwalter Egon Peter Friese, weil sie einen Käufer gefunden hatte: die Österreichische Galerie (Belvedere). Am 4. Jänner 1939 überwies das Museum 3550 Reichsmark. Nach Ansicht des Rückgabebeirats sei der Verkauf als nichtiges Rechtsgeschäft gemäß Nichtigkeitsgesetz zu bewerten.

Eine weitere Rückstellung gibt es zudem im Fall Rothschild, mit dem die Restitutionen 1998 begonnen hatten: Im Mak wurde ein holländischer Spieltisch aus dem Palais von Louis Rothschild gefunden, der offenbar für das Linzer Führermuseum vorgesehen war.

Das Rückgabegesetz wird nun tatsächlich novelliert: Es gilt künftig nicht nur für Kunstwerke, sondern für alles bewegliche Kulturgut - und zwar nicht nur in den Bundesmuseen, sondern in unmittelbarem Bundesbesitz. Heute, Mittwoch, wird die Novelle vom Kulturausschuss beschlossen. (Thomas Trenkler, DER STANDARD/Printausgabe, 07.10.2009)

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    foto: belvedere
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