Witwenreport

6. Oktober 2009, 17:14
28 Postings

Dem ORF kann's nicht so schlecht gehen: Eine Redakteurin fliegt an die Algarve, um herauszufinden, wie es Österreichs prominentester Witwe geht

Dem ORF kann's nicht so schlecht gehen. Eine Redakteurin fliegt an die Algarve, um herauszufinden, wie es Österreichs prominentester Witwe ein Jahr danach geht.
Das Wichtigste zuerst: Dagmar Koller geht es gut. Sehr gut sogar. Sodass sie nur einen Wunsch hat, wenn sie sich was wünschen darf: gesund zu bleiben. Sagt's, zupft sich noch kurz vor dem Spiegel die Haare zurecht und fährt im 2CV in die Stadt, um ein neues Pickerl für die alte Kiste zu holen.

Die Zeit dafür muss sie sich einfach nehmen, obwohl sie sie eigentlich nicht hat. Denn die mediale Erinnerung an ihren Helmut zu pflegen, erfordert vollen Einsatz. Selbstlosen Einsatz natürlich. Schließlich ist sie ihrem Ruf als Gedenkdomina (© Alexandra Föderl-Schmid) einiges schuldig. Eine gestrenge Domina war sie damals, im März, als sie "Im Zentrum" das berühmte Kreuz in die Kamera hielt. Es gab ihr die Kraft, sich gegen den schmutzigen Journalismus zu wehren, der "den Zilk" als Informanten des kommunistischen tschechoslowakischen Geheimdienstes hinzustellen wagte.

Diesmal erlebte man eine mildere Gedenkdomina. Die Geheimdienst-Geschichte findet sie zwar noch immer infam, aber eigentlich ist ihr Blick schon wieder in die Zukunft gerichtet. Nach dem Trauerjahr, das am 24. Oktober endet, will Dagmar Koller "wieder durchstarten". Mit humanitärem Engagement - wofür ihr Respekt gebührt.

Aber wie wir den ORF kennen, wird er nicht locker lassen, ehe Dagi für die nächsten "Dancing Stars" engagiert ist. Und wie wir Dagi kennen, wird sie sich nicht zieren.
Na also. Sauberer Journalismus, der allen was bringt. Und das Ticket an die Algarve ist auch wieder herinnen. (Josef Kirchengast/DER STANDARD; Printausgabe, 7.10.2009)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Archivfoto von Helmut Zilk und Dagmar Koller: Hier am Opernball im Jahr 2004.

Share if you care.