Kredite und Kinder machen es schwer

6. Oktober 2009, 18:24
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Die Grüne Wirtschaft sieht vor allem wenig Eigenkapital und Ausfälle durch Schwangerschaften als Stolpersteine für Unternehmerinnen

Kredite und Kinder. Das sind zwei maßgebliche Hürden für Unternehmerinnen, vor allem für jene Frauen, die mit Klein- oder Einpersonenunternehmen selbstständig sind. Zu diesem Schluss kamen Judith Schwentner, Frauensprecherin der Grünen, und Angelika Hörmann, Landessprecherin der Grünen Wirtschaft Tirol, die vergangenen Donnerstag neue Entwicklungen zum Thema Selbstständigkeit bei Frauen präsentierten. Insgesamt wurden im Jahr 2008 40 Prozent der neugegründeten gewerblichen Unternehmen von Frauen gegründet, vor allem bei den EPU ist der Frauenanteil sehr hoch. Dabei weist beispielsweise der Dienstleistungsbereich (Friseurinnen: 90 Prozent, Fußpflegerinnen, Kosmetikerinnen und Masseurinnen: 84,7 Prozent) oder auch der Bereich Druck den höchsten Frauenanteil auf.

Weniger Eigenkapital

Dass Frauen in der Regel kleinere Unternehmen gründen als Männer habe nichts mit Bescheidenheit zu tun. Laut Schwentner liegt der Grund schlicht darin, dass Frauen aufgrund von Einkommensunterschieden und unbezahlter Betreuungsarbeit meist auf weniger Eigenkapital zugreifen können. Kredite seien zudem für kleinere Unternehmen mit geringerem Wachstum nicht nur schwieriger zu bekommen, sondern auch teurer.

Neben diesen Schwierigkeiten kann auch eine Schwangerschaft für selbstständige Frauen eine existentielle Schwierigkeit darstellen, so Hörmann. 770 Euro "Wochengeld" pro Monat, das acht Wochen vor und acht Wochen nach der Geburt ausbezahlt wird, soll die Finanzierung einer betriebsfremden Arbeitskraft ermöglichen. Diese kurzfristig beschäftigte Arbeitskraft muss sich somit mit einer viermonatigen Beschäftigung zufriedengeben, die noch dazu nach Maßgabe des 770-Euro Wochengeldes nur mit neun Euro pro Stunde entlohnt werden kann. Dennoch soll diese Person die werdende Mutter qualifiziert vertreten. Der hohe Frauenanteil von Selbstständigen im Dienstleistungsbereich erschwere das Problem zusätzlich, "diese Bereiche sind extrem personengebunden und eine Vertretung ist schwer oder gar nicht möglich", so Hörmann.

Auch die ÖVP für höheres Wochengeld

Die Bundesvorsitzende von "Frau in der Wirtschaft" und Nationalratsabgeordnete Adelheid Fürntrath-Moretti schätzt die Lage von Unternehmerinnen in Österreich positiver ein. "Unternehmerinnen in Österreich können auf ein gutes Netz der sozialen Absicherung zurückgreifen", so Fürntrath-Moretti. Sie betont gegenüber dieStandard.at auch die "hohe Zufriedenheit" mit Betriebshilfen, die die Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft als Alternative zum Wochengeld anbietet. "Am wichtigsten ist, dass der Betrieb nicht zusperren muss. Wenn die Betriebshilfe das Unternehmen auch nur zu einem Teil in der Qualität weiterführen kann, wie das die Unternehmerin selbst täte, dann ist das noch immer sehr gut". Probleme, qualifizierte Betriebshilfen zu finden, sieht Fürntrath-Moretti nur bei ganz speziellen Berufen. 

In Übereinstimmung mit der Grünen Wirtschaft ist auch für Fürntrath-Moretti klar, dass es eine Erhöhung des Wochengeldes geben muss. "Wir fordern eine Erhöhung des Wochengeldes auf 50 Euro pro Tag", derzeit beträgt der Tagessatz 25,57 Euro. 

Schwentner und Hörmann wollen hingegen, dass die Höhe des Wochengeldes zu 100 Prozent dem bisherigen Einkommen entspricht. Eine weitere Forderung der Grünen Wirtschaft bezieht sich auf die Schwierigkeiten für Frauen Kredite zu bekommen. Kredite sollten demnach für Frauen leistbar sein und nicht nur entlang von Vergaberichtlinien wie Umsatzwachstum oder Rentabilität vergeben werden, vielmehr sollte verstärkt auf quantitative Faktoren wie Geschäftsführung oder Qualifikation der MitarbeiterInnen geachtet werden. (beaha, dieStandard.at, 6.10.2009)

  • Vor allem bei den EPU ist der Frauenanteil sehr hoch. Der Dienstleistungsbereich hat den höchsten Frauenanteil.
    bloomberg news

    Vor allem bei den EPU ist der Frauenanteil sehr hoch. Der Dienstleistungsbereich hat den höchsten Frauenanteil.

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