Bosch vor Milliardenverlust

6. Oktober 2009, 17:44
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Letztes Jahr konnten gerade noch rote Zahlen vermieden werden, für heuer drohen dem Autozulieferer bis zu drei Milliarden Euro Verlust

Stuttgart - Der weltgrößte Autozulieferer Bosch leidet massiv unter der Wirtschaftskrise und fährt dieses Jahr einen Milliardenverlust ein. Das Unternehmen droht tiefer in die roten Zahlen zu rutschen als bisher erwartet. Das Minus in diesem Jahr könnte bis zu drei Mrd. Euro betragen, wie das Handelsblatt unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtete. Der Verlust wäre dann fast dreimal so hoch, wie Vorstandschef Franz Fehrenbach im April angekündigt hatte.

Bosch-Sprecher Andreas Kempf wollte sich am Dienstag zu der Höhe des Verlusts nicht äußern. "Wir beteiligen uns nicht an Spekulationen." Im April hatte die Umsatzerwartung noch bei einem Minus zwischen zehn und 15 Prozent gelegen. Allerdings stützte Fehrenbach seine Prognose auf die Hoffnung, dass sich die wirtschaftliche Lage ab Jahresmitte bessere. Eine nachhaltige Erholung sei aber bisher nicht eingetreten.

Der Bosch-Chef warnte bereits auf der Internationalen Autoausstellung im September in Frankfurt vor einem "deutlichen Verlust". Bei Bosch sind zur Zeit 33.000 Mitarbeiter in Kurzarbeit. Weitere 26.000 Beschäftigte hätten aufgrund des Tarifvertrags Beschäftigungssicherung ihre Wochenarbeitszeit reduziert. Im Ausland wurden hauptsächlich im Bereich Kraftfahrzeugtechnik rund 8000 Mitarbeiter entlassen. In Deutschland will der Konzern einen Personalabbau möglichst vermeiden. Die Sprecherin sagte, man gehe davon aus, dass man mit den bestehenden Maßnahmen über die Runden komme.

Die Autokrise hinterlässt in der Branche tiefe Spuren. Bereits jetzt sind 40 große Zulieferer insolvent - mit steigender Tendenz. Bosch schlage sich noch vergleichsweise wacker, aber Rückgänge von über 20 Prozent bei den Autoherstellern und bis zu 50 Prozent in der Nutzfahrzeugindustrie drückten auch bei den Stuttgartern aufs Geschäft. So sei die Kernsparte Autotechnik mit einem erwarteten Rückgang um ein Fünftel Hauptverursacher der Probleme. Die übrigen Bereiche Gebrauchsgüter, Industrietechnik und Gebäudetechnik könnten das nicht ausgleichen.

Suche nach Alternativen

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer sagte, bei Bosch sei das wichtige Geschäft im Bereich Dieselsysteme eingebrochen. Das mache dem Unternehmen besonders zu schaffen. Im Vorjahr hatte Bosch nach einem 87-prozentigen Gewinneinbruch einen Verlust gerade noch vermeiden können.

Bosch versucht schon länger seine Abhängigkeit von der Automobilindustrie zu verringern. Der Konzern kaufte das thüringische Solarunternehmen Ersol. Außerdem baut der Stuttgarter Konzern gerade ein neues Werk für Solarzellen. (AP, DER STANDARD, Printausgabe, 7.10.2009)

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