VIG kippt Beteiligungen

6. Oktober 2009, 17:40
1 Posting

Vienna Insurance steht vor dem Verkauf des Anteils am Bankhaus Frick, auch bei Porr und Verkehrs­büro will man aussteigen und sich auf das Assekuranzgeschäft konzentrieren

Wien - Mitteleuropas größter Versicherungskonzern, die Vienna Insurance Group (VIG, vormals Wiener Städtische Versicherung), will auf mittlere Sicht geschäftsfremde Beteiligungen aufgeben und stattdessen das Versicherungsgeschäft forcieren. Dies soll unter anderem durch Zukäufe gelingen, wobei das Radar bei möglichen Akquisitionen insbesondere auf Deutschland, Niederlande und Italien liegt.

"Wir prüfen auch in Osteuropa, aber da ist derzeit nichts am Markt", sagte VIG-Chef Günter Geyer am Dienstag im Klub der Wirtschaftspublizisten. Für Akquisitionen habe man rund 1,2 Milliarden Euro griffbereit. Kriterium für eine positive Kaufentscheidung sei ein absehbarer Return on Investment (ROI, Kapitalverzinsung) von 15 bis 20 Prozent.

Am weitesten gediehen ist der geplante Rückzug bei der Privatbank Frick in Lichtenstein. Geyer: "Wir sind in Gesprächen mit einem strategischen Investor über einen Verkauf unseres Anteils." An dem Liechtensteiner Institut, an dem seinerzeit auch die Bawag PSK beteiligt war, hält die VIG über ihre Tochter Vienna Life 25 Prozent.

Rückzug auch bei Porr

Auf Rückzug ist die VIG auch beim Baukonzern Porr; Streitigkeiten, ob der Syndikatsvertrag noch aufrecht ist oder nicht könnten den Ausstieg des Versicherungskonzerns aus der Kernaktionärsrolle beschleunigen. Wie berichtet ist der VIG-Anteil nach dem Einstieg der türkischen Renaissance-Gruppe beim Baukonzern von 10,0 auf knapp 9,2 Prozent gefallen.

Geyer bekräftigte unter Hinweis auf entsprechende Gutachten, dass das Syndikat der Porr-Großaktionäre nicht aufgelöst sei, wenn ein Teilnehmer unter die Zehn-Prozent-Grenze falle. Das wird insbesondere von der B&C-Stiftung, die der früheren Bank Austria nahe steht und gemeinsam mit dem Tiroler Unternehmer Klaus Ortner Teil des Syndikats ist, anders gesehen. Geyer sagte, er habe Gespräche über eine Auflösung des Syndikatsvertrags angeboten, aber keine Antwort erhalten. "Das Führen einer Baugesellschaft ist nicht die Aufgabe eines Versicherungsspezialisten", sagte der VIG-Chef.

Der Rückzug aus dem Verkehrsbüro, an dem die VIG gut 30 Prozent hält, ist für Geyer "kein drängendes Thema". Ein neuerlicher Versuch, Österreichs größten Tourismuskonzern an die Börse zu bringen, sei aufgrund der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen derzeit nicht angebracht. Geyer: "Ich bin überzeugt, dass dann, wenn sich die Wirtschaft erholt hat und der Tourismus wieder boomt, genug Angebote hereinkommen."

Weiter positiv sieht Geyer die Entwicklung in Mittel- und Osteuropa. Die Prämienentwicklung in der Region liege im deutlich zweistelligen Prozentbereich. In Österreich sei das Lebensversicherungsgeschäft hingegen zweistellig abgesackt. (stro, DER STANDARD, Printausgabe, 7.10.2009)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Günter Geyer, Vorstandschef der Vienna Insurance Group.

Share if you care.