Eltern fühlen sich von Gewerkschaft bevormundet

6. Oktober 2009, 13:41
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In einem Newsletter fordert die VP-Lehrergewerkschaft Eltern auf, sich die Beteiligung an der Wiener Schul-Umfrage zu überlegen

Lehrer- und Elternvertreter reagierten auf die Schüler-Lehrer-Eltern-Umfrage, die diese Woche in Wien gestartet wurde, mit Kritik. Wie berichtet, empörte sich die VP-Gewerkschaft über die Aktion von Wiener Schulstadtrat Christian Oxonitsch (SPÖ), weil sie dahinter eine "SP-Imagekampagne" und einen "unglaublichen Reklameplan" der Wiener Roten vermuteten. Auch die SP-Gewerkschaftsfraktion monierte, dass manche Fragen "unsensibel" formuliert seien.

Boykott-Aufruf?

In einem Info-Brief forderten die VP-Gewerkschafter daher die Eltern auf, zu überlegen, ob sie nach Durchlesen der Fragen an der freiwilligen Befragung wirklich teilnehmen wollen. 

Als Beispiel wurden die Fragen angeführt: "Finden Sie, dass Ihr Kind durch die Noten und sonstigen Leistungsberuteilungen in seiner Schule angemessen beurteilt wird?" (Die Antwortmöglichkeiten sind: angemessen, manchmal angemessen, selten angemessen, gar nicht angemessen). 

Es sei zu befürchten, dass der Fragebogen ein PR-Gag mit politischem Hintergrund sei und dass aufgrund von Antworten auf manche Fragen politisch gelenkte Schlüsse gezogen werden, "nach denen wieder wir LehrerInnen als Sündenböcke der momentanen Bildungsmisere dargestellt werden", heißt es in dem Schreiben.

Elternvertreter empört

Elternvertreter bringt das auf die Palme: "Mir wäre nie eingefallen eine Umfrage der LehrerInnengewerkschaft zu boykottieren oder vervormundend zu bewerten", sagt Andreas Ehlers vom Wiener Landesverband der Elternvereine an den öffentlichen Pflichtschulen. "Persönlich lasse ich mir von dieser Entgleisung meine grundsätzlich positive Haltung zur Schulpartnerschaft nicht verleiden. Ich bin aber schon entsetzt, dass die Mündigkeit und Meinungsfreiheit der Eltern durch Kampfparolen des Personalsvertretungswahlkampfs in Zweifel gezogen werden", sagt Ehlers.

Die Befragung, an der 350.000 Schüler, Lehrer und Eltern teilnehmen sollen, hat am 5. Oktober gestartet. Die Auswertung der Fragebögen soll in einem Monat beginnen und kommendes Jahr präsentiert werden. (Marijana Miljkovic, derStandard.at, 6. Oktober 2009)

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