IT-Chef des militärischen Oberkommandos wollte mit Arabischübersetzung eines umstrittenen Buches Panik schüren
Kopenhagen - Trotz des Fälschungsskandals um das Buch des ehemaligen Elitesoldaten Thomas Rathsack erfreut sich der dänische Verteidigungsminister Sören Gade großer Beliebtheit. Laut einer aktuellen Gallup-Umfrage sind 63 Prozent der Meinung, sein Rücktritt sei nicht erforderlich.
Der Skandal um Rathsacks Buch, in dem der Ex-Soldat seine Erlebnisse im Irak und in Afghanistan beschreibt, hatte am Wochenende Empörung ausgelöst: um die Veröffentlichung von "Jäger - im Krieg mit der Elite" zu verhindern, hatte das Verteidigungsministerium mehrere dänische Medien per Email kontaktiert. Im Internet zirkuliere bereits eine arabische Übersetzung des Enthüllungswerks, und die Taliban würden den Text als "Gebrauchsanweisung" nutzen. Dem Email war ein Word-Dokument mit der angeblichen Übersetzung beigefügt.
Was das Verteidigungsministerium offenbar nicht wusste: das beliebte Textverarbeitungsprogramm des Softwareriesen Microsoft speichert auch den Namen des Autors, und das war in diesem Fall der mittlerweile zurückgetretene IT-Chef des dänischen Militärs, Jesper Britze.
Außerdem bestand der per Google ins Arabische übertragene Text großteils aus unverständlichem Kauderwelsch, und in Afghanistan, wo Dänemark 700 Soldaten stationiert hat, wird kein Arabisch gesprochen. (bed/derStandard.at/6.10.2009)