Letzter Ausweg Frühpension

6. Oktober 2009, 14:15

Häufigste Ursache für Invaliditätspensionen sind psychische Erkrankungen - Psychosoziale Hilfsangebote reichen nicht aus - Anreize für die Rückkehr in den Beruf fehlen

Die Anzahl derjenigen, die aufgrund psychischer Leiden in Frühpension gehen, ist in Österreich in den letzten sechs Jahren um 37 Prozent gestiegen. Allein in der Steiermark werden jedes Monat zwischen 800 und 1000 Anträge auf Frühpension gestellt. Damit liegt die Steiermark im Bundesländervergleich an zweiter Stelle. Häufigste Ursache: Psychische Erkrankungen. Das Dilemma: Die Betroffenen werden immer jünger. Mehr als ein Drittel der Personen, die im Vorjahr eine Invaliditätspension bewilligt bekommen haben, gehören in die Altersgruppe der 45- bis 54-Jährigen.

Anlässlich dieser Zahlen fordert die Gesellschaft zur Förderung seelischer Gesundheit (GFSG) einen leichteren und schnelleren Zugang zu psychosozialen Hilfsangeboten und Anreize, um aus der Frühpension wieder in den Arbeitsalltag zurückkehren zu können.

Rasche Hilfe ist doppelte Hilfe

„Es gibt zu wenig Psychiater, es gibt zu wenig Beratungsstellen mit einem ausreichenden Angebot und es gibt auch viel zu wenig Psychotherapie auf Krankenschein. Wir stehen vor dem Problem, dass wir zwar in allen Bereichen ein bisschen anbieten können, aber das Angebot reicht nicht", beschreibt Günter Klug, stv. Obmann der GFSG, die Mängel im derzeitigen Versorgungssystem. „Wir brauchen eine Versorgung, die für alle Betroffenen rechtzeitig und einfach zugänglich ist. Und was ganz wichtig dabei ist: das Angebot muss kostenfrei sein. Psychische Erkrankungen und Armut gehen oft Hand in Hand. Deshalb muss vor allem das Angebot für psychisch kranke Menschen leistbar sein."

Rückkehr in den Beruf erleichtern

Jüngere Betroffene haben meist eine kleine Pension mit Ausgleichszulage. Sind sie erst einmal aus dem Arbeitsprozess ausgeschieden, wird der Weg zurück in den Job immer schwieriger. Denn die derzeitigen Auflagen für eine Berufsunfähigkeits- bzw. Invaliditätspension verwehren den Betroffenen vielfach einen Wiedereinstieg in den Beruf. „Das Problem ist: Einmal Invaliditätspension, immer Invaliditätspension. Jeder Cent, den die Betroffenen dazu verdienen, wird ihnen auf der Pensionsseite von der Ausgleichszulage sofort wieder abgezogen. Außerdem gibt es keine Angebote für stundenweisen Zuverdienst, um zu probieren. Das ist keine Motivation. Das macht die Betroffenen nicht gesünder - ganz im Gegenteil", sagt Klug. „Es fehlt an finanziellen Aktivierungsanreizen. Das Problem wird sich von selbst ganz bestimmt nicht erledigen."

Spitzenreiter Steiermark

„Immer mehr Menschen unterdrücken aus Angst um den Arbeitsplatz ihre psychischen Leiden viel zu lange", sagt Klug. Die Folgen sind verheerend: Im ersten Halbjahr 2009 haben allein in der Steiermark 5.444 Personen um Frühpension angesucht. Mehr als ein Drittel jener, deren Antrag bewilligt wurde, litt unter psychischen Beschwerden. Meist sind Depressionen, Angststörungen und Burnout die Ursache, warum Menschen aus dem Arbeitsprozess ausscheiden. Vielen von Ihnen bleibt dann nur noch der Weg in eine Invaliditäts- oder Berufsunfähigkeitspension. „In vielen Fällen wäre der Ausstieg aus dem Berufsleben nicht notwendig, wenn rechtzeitig die richtige Hilfe in Anspruch genommen werden kann. Es gibt aber immer noch zu viele Hürden", kritisiert Klug. (red)

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Ich bin selbst eine Betroffene der Frühpension.
Ich bin 28 Jahre alt und leide bereits seit meinem 13. Lebensjahr an einer psychischen Erkrankung. Bin jetzt seit einem Jahr in der Pension und muss sagen ich bin teilweise wirklich schockiert mit welchen Spott und Zynismus hier manche User ihre Beiträge posten. Das sind genau diejenigen die mit solchen Erkrankungen selber noch nie in Berührung gekommen sind. Soo leicht ist es nämlich nicht die Pension zu bekommen. Ich war ein halbes Jahr stationär im Krankenhaus und hatte 3 Jahre Gesprächstherapien und es ging mir auch körperlich immer schlechter und hatte psychisch bedingt halbseitige Lähmungen. Schwarze Schafe gibt es überall aber deswegen muss man nicht alle über einen Kamm scheren.

Das ist wieder einmal der völlig falsche Zugang.
Die Arbeitswelt ist krank - DORT gehört der Hebel angesetzt. Die Leute schaarenweise in Psychotherapie zu schicken, deren Wirksamkeit mehr schlecht als recht ist (no na, ein Burn-Out wird man nicht beheben, indem man ein wenig drüber plaudert, genausowenig wie untragbare Arbeitsbedingungen o.ä.) verursacht Unmengen an Kosten und ein ganzer Berufsstand wird finanziert. Aber wir haben ja das Geld, da tut es auch Symptombehandlung.

Und was ganz wichtig dabei ist: das Angebot muss kostenfrei sein.

...und das aus dem mund eines bekennenden psycho?

ich kann mich nur mehr wundern.

aber, warum in aller welt, muß eigentlich immer alles im sozialsektor kostenlos sein? haben therapeuten oder psychiater denn kein recht mehr auf lebensunterhalt? oder zielt die aussage darauf ab, auch therapeuten ins burnout ("meine arbeit wird nicht honoriert, ist nix wert, und leben kann und darf ich davon schon überhapt nicht") zu treiben?

kostenfrei für die patienten heißt ja nicht kostenfrei für die psychotherapeuten??

die ärzte werden ja auch von den krankenkassen bezahlt - wenn auch angeblich schlecht.

kostenlos für den patienten

es sollte kostenlos für den patienten sein, sprich die krankenkassen sollten die kosten der therapie übernehmen. wenn sie wegen diabetes typ behandelt werden, weil sie ihr ganzes leben zu blad waren und keinen sport gemacht haben, zahlen sie ja auch (fast) nichts - und die ärzte können ganz gut damit leben...

Die Anzahl der 30- bis 40-jährigen, die sich in Betrugsabsicht auf die "lukrative" Invalidenpension stürzen, dürfte sehr gering sein. Auf einem ganz anderen Blatt stehen aber die Frühpensionierungen
wegen "psychischer Probleme" - da wird wohl der Missbrauch überwiegen. Aber das ist bei "Rückenproblemen" etc. nicht anders.

i mog a nimma..

Das ist ja das schöne an diesen psychischen Erkrankungen - die lassen sich so schwer bis gar nicht nachweisen bzw. widerlegen. Und in der Frühpension geht´s dem Patienten dann ja auch schnell wieder besser.

soll's ja auch, schwachkopf.

siehe unten.

depression kann man sogar im liquor messen. also ganz evidence based. und menschen mit schwerem burnout haben in der regel auch schwere depressive verstimmungen bis hin zum suizid.

ihre aussage beruht daher wahrscheinlich auf unwissenheit. sie sollten daher in solchen dingen weniger dogmatisch sein...

im liqueur? sorry, aber das ist mir jetzt einfach nur dazu eingefallen....

Ansonsten bin ich eh ganz bei Ihnen... aber es war so passend, dass man das am Alkohol messen koennen soll ;)

liquor

Falls möglich, bitte ich um Nachweise - Berichte diesbezüglich.
Danke.

z.b. hier

http://www.pubmedcentral.nih.gov/picrender... obtype=pdf

sonst empfehle ich scholar.google.com und tryptophan (vorgänger von serotonin) und liquor und depression als suchbegriffe

muss das auch noch 'Pub' heissen, wenn schon im (Eier) liquor die depression messen kann...

das ist echt grausam, wer hat sich diese Fachbegriffe ausgedacht!

ja so ist es. villeicht soll ich auch "plötzlich" ein burnout "bekommen". sicherheitshalber :-)

oder "Rücken"...

uiii... mei ischias ... ;-)

endlich ein versicherungsmensch,

der zugibt, dass die versorgung mit psychotherapie unter jeder sau ist.

deswegen:

http://psychotherapie.at/unterstue... erklaerung

jede stimme ist ein wichtiger beitrag!

Depressionen, Angstzustände, Burnout

hat das nicht zeitweise Jeder?

hab das, ehrlich gesagt, nie.
und ich arbeite leider wirklich sehr, sehr viel.
aber solang ich mein bier und meine tschick am abend hab, kann ich gar ned burouten ;-)

Eine Depression ist eine Krankheit. Das hat mit "Ich bin ein wenig frustriert und traurig" nichts zu tun.

Eine Depression vergeht auch nciht einfach, wenn das Wetter besser wird oder so. Sie muss entsprechend behandelt werden.

traurig sein ist noch keine depression
nimma oabeitn woin noch kein burnout

psychische störungen haben klar diagnose-schemata. davon sind zwar viele betroffen (ca. 5-10% der österreicherinnen) - aber nicht jeder hat sie. verharmlosen bringt in diesem fall niemandem was.

außer den sozialversicherungen...

ich glaube Ihnen.

Aber eins muss ich schon noch sagen:

zB im Gastgewerbe (hab mal so eine Bude betreut) läufts so ab: Du hast einen Mitarbeiter, der nix kann. Du kündigst ihn mit 14Tg Frist, der Mitarbeiter geht am Tag der Kündigung zum Hausarzt und lässt sich ein "Burnout" bescheinigen. Die 14 Tage musst du ihn noch bezahlen, ohne dass er arbeitet, während er am Abend bei dir in der Bar sitzt und sich ansauft. Das geht natürlich auch mit anderen Unternehmen - das praktische am Burnout is ja, dass man nur nicht arbeiten kann. Biken, Baden gehen, Saufen oder im Kino sitzen, kann man nach wie vor.

Das ist das Burnout, das ich kenne (leider).

Da hat dann der Arzt eine falsche Diagnose gestellt.

Eine ordentliche Diagnostik ist schon sinnvoll auch bei Burn Out. Bei Simulation darf man dem Simulant auch eine Rechnung stellen. Ich bin sowieso für einen Selbstbehalt.
In der Schweiz habe ich vor einigen Jahren 100€ an Krankenversicherung bezahlt. Aber dafür einen Selbstbehalt von 2000€ gehabt. Teilweise sind mir von den Leistungen 80% rückvergütet worden, bis zur Grenze von 2000€. Davon können andere Systeme nur träumen. Das System war auch einkommensunabhängig.

Der Hauptgrund für die Häufung von psychischen Erkrankungen ist nicht, dass die Menschen so viel kränker wären.

Der Hauprgrund ist, dass man sich damit noch am ehesten in die Pension verabschieden kann. Da werden Depressionen zelebriert, die dann nach der Pensionierung mysteriös verschwinden.

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