Letzter Ausweg Frühpension

Häufigste Ursache für Invaliditätspensionen sind psychische Erkrankungen - Psychosoziale Hilfsangebote reichen nicht aus - Anreize für die Rückkehr in den Beruf fehlen

Die Anzahl derjenigen, die aufgrund psychischer Leiden in Frühpension gehen, ist in Österreich in den letzten sechs Jahren um 37 Prozent gestiegen. Allein in der Steiermark werden jedes Monat zwischen 800 und 1000 Anträge auf Frühpension gestellt. Damit liegt die Steiermark im Bundesländervergleich an zweiter Stelle. Häufigste Ursache: Psychische Erkrankungen. Das Dilemma: Die Betroffenen werden immer jünger. Mehr als ein Drittel der Personen, die im Vorjahr eine Invaliditätspension bewilligt bekommen haben, gehören in die Altersgruppe der 45- bis 54-Jährigen.

Anlässlich dieser Zahlen fordert die Gesellschaft zur Förderung seelischer Gesundheit (GFSG) einen leichteren und schnelleren Zugang zu psychosozialen Hilfsangeboten und Anreize, um aus der Frühpension wieder in den Arbeitsalltag zurückkehren zu können.

Rasche Hilfe ist doppelte Hilfe

„Es gibt zu wenig Psychiater, es gibt zu wenig Beratungsstellen mit einem ausreichenden Angebot und es gibt auch viel zu wenig Psychotherapie auf Krankenschein. Wir stehen vor dem Problem, dass wir zwar in allen Bereichen ein bisschen anbieten können, aber das Angebot reicht nicht", beschreibt Günter Klug, stv. Obmann der GFSG, die Mängel im derzeitigen Versorgungssystem. „Wir brauchen eine Versorgung, die für alle Betroffenen rechtzeitig und einfach zugänglich ist. Und was ganz wichtig dabei ist: das Angebot muss kostenfrei sein. Psychische Erkrankungen und Armut gehen oft Hand in Hand. Deshalb muss vor allem das Angebot für psychisch kranke Menschen leistbar sein."

Rückkehr in den Beruf erleichtern

Jüngere Betroffene haben meist eine kleine Pension mit Ausgleichszulage. Sind sie erst einmal aus dem Arbeitsprozess ausgeschieden, wird der Weg zurück in den Job immer schwieriger. Denn die derzeitigen Auflagen für eine Berufsunfähigkeits- bzw. Invaliditätspension verwehren den Betroffenen vielfach einen Wiedereinstieg in den Beruf. „Das Problem ist: Einmal Invaliditätspension, immer Invaliditätspension. Jeder Cent, den die Betroffenen dazu verdienen, wird ihnen auf der Pensionsseite von der Ausgleichszulage sofort wieder abgezogen. Außerdem gibt es keine Angebote für stundenweisen Zuverdienst, um zu probieren. Das ist keine Motivation. Das macht die Betroffenen nicht gesünder - ganz im Gegenteil", sagt Klug. „Es fehlt an finanziellen Aktivierungsanreizen. Das Problem wird sich von selbst ganz bestimmt nicht erledigen."

Spitzenreiter Steiermark

„Immer mehr Menschen unterdrücken aus Angst um den Arbeitsplatz ihre psychischen Leiden viel zu lange", sagt Klug. Die Folgen sind verheerend: Im ersten Halbjahr 2009 haben allein in der Steiermark 5.444 Personen um Frühpension angesucht. Mehr als ein Drittel jener, deren Antrag bewilligt wurde, litt unter psychischen Beschwerden. Meist sind Depressionen, Angststörungen und Burnout die Ursache, warum Menschen aus dem Arbeitsprozess ausscheiden. Vielen von Ihnen bleibt dann nur noch der Weg in eine Invaliditäts- oder Berufsunfähigkeitspension. „In vielen Fällen wäre der Ausstieg aus dem Berufsleben nicht notwendig, wenn rechtzeitig die richtige Hilfe in Anspruch genommen werden kann. Es gibt aber immer noch zu viele Hürden", kritisiert Klug. (red)

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