Krise "à la carte"

6. Oktober 2009, 10:55
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Neue Ausgabe des heimischen Restaurantführers erschienen

Die Tester hätten vergangenes Jahr oft in leeren oder fast leeren Lokalen speisen müssen, heißt es im à la carte 2010 - einem der zahlreichen heimischen Restaurantführer, dessen neue Version am Montag vorgestellt wurde. Das Beileid der Gastronomen dürfte ihnen sicher sein - zumindest theoretisch richten Ausgeh-Ratgeber dieser Art ja über Wohl und Wehe der ganzen Branche.

In diesem Fall fiel das Urteil wie gewohnt milde aus - so sehr, dass man nach den Details suchen muss, die den aktuellen Guide von seinem hiermit verjährten Vorgänger unterscheiden. Also: Rudolf Obauer (Obauer, Werfen) und Heinz Reitbauer (Steirereck, Wien) dürfen sich als aktuell beste Köche fühlen, Roland Trettl (Ikarus, Salzburg) und Thomas Dorfer (Landhaus Bacher, Mautern) sollten sich hingegen ärgern: Sie haben im Vergleich zum Vorjahr einen Punkt eingebüßt, womit sie (im Verbund mit anderen, die dies schon gewöhnt sein dürften) bloß zweitbeste Köche der Nation sind.

Davon abgesehen gibt sich der von Hans Schmid und Christian Grünwald herausgegebene Führer gewohnt konservativ: Veränderungen werden ebenso wie Neueröffnungen langsam, aber stetig im Laufe der Jahre eingearbeitet. So kocht etwa Konstantin Filippou (Novelli), neben Reitbauer seit Jahren der wohl spannendste Koch der Hauptstadt, heuer um gleich 10 Punkte besser als im Vorjahr. Dass er damit immer noch hinter allerlei Wirtshausköchen in den Bundesländern zurückbleibt, darf er der freimütig eingestandenen "Überforderung" des Testers durch die kreative Kraft seiner Gerichte schulden. (corti/Der Standard, Printausgabe 06.10.2009)

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