Mindestens zehn Tote bei Gefechten

6. Oktober 2009, 14:48
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Taliban-Offensive in Helmand

Kabul - Bei einem Taliban-Angriff sind in der südafghanischen Provinz Helmand nach Armeeangaben mindestens zehn afghanische Regierungssoldaten getötet worden. Der Armeekommandant für die Südwestregion, Sheer Mohammad Zasai, sagte am Dienstag, bei dem einstündigen Gefecht am Vortag seien auch den Aufständischen Verluste zugefügt worden. Genaue Zahlen seien nicht bekannt. Das afghanische Verteidigungsministerium teilte am Dienstag in Kabul mit, seit dem Vortag seien mehr als 100 Taliban-Kämpfer bei verschiedenen Zusammenstößen im Land getötet oder verletzt worden. Einzelheiten nannte das Ministerium nicht. In Helmand wurde unterdessen ein britischer Soldat der NATO geführten ISAF-Truppe getötet.

US-Verteidigungsminister Robert Gates hat dazu aufgerufen, Präsident Barack Obama ohne Druck über den weiteren Einsatz in Afghanistan entscheiden zu lassen. "Es ist wichtig, dass wir uns Zeit nehmen, alles zu tun, was wir können, um dies richtig hinzubekommen", sagte Gates am Montag (Ortszeit). Alle, die an dem Entscheidungsprozess beteiligt seien, sollten dem Präsidenten ihren Rat "offen, aber privat" erteilen. Die Bemerkungen des Ministers schienen an die Adresse von US-Oberbefehlshaber General Stanley McChrystal adressiert. McChrystal hat vor einem Erstarken der Taliban in Afghanistan gewarnt und sich für eine Aufstockung um weitere 40.000 Soldaten ausgesprochen. Die Zahl der US-Soldaten in Afghanistan wurde in den letzten Monaten bereits auf 65.000 Mann erhöht. Obama wollte am Dienstag mit führenden Vertretern beider Parteien im Kongress zusammenkommen, um über die Afghanistan-Strategie zu beraten

Das britische Verteidigungsministerium teilte am Dienstag mit, der getötete Soldat sei auf einer Fußpatrouille in eine Sprengfalle geraten. Seit Beginn des Einsatzes gegen die Taliban vor acht Jahren stieg damit die Zahl der Todesopfer aus dem Königreich auf insgesamt 220. Die NATO-geführte ISAF teilte in ihrem Lagebericht mit, in der zentralafghanischen Provinz Wardak seien bei einer Operation gegen die Taliban mehrere mutmaßliche Extremisten gefangen genommen worden.

Die Taliban kontrollieren den Süden des Landes und haben ihr Operationsgebiet inzwischen auch weiträumig auf den Norden ausgedehnt. Dabei profitieren sie von den Fehlern der ausländischen Truppen, der Bombardierung von Zivilisten, der ungleichen Verteilung der Entwicklungshilfe, den Defiziten beim Aufbau von Verwaltung, Justiz, Staatsapparat, Polizei und Armee. Sie verfügen nach Ansicht von Experten über moderne Kommunikationsmittel und einen wirksamen Propagandaapparat und nutzen ethnische Spannungen geschickt aus. Der Afghanistan-Experte der Carnegie-Stiftung, Gilles Dorronsoro, hält die Taliban für "die fähigste Guerillabewegung, die es je in Afghanistan gegeben hat." Merkmal jeder Guerilla sei, dass sie in und aus der Bevölkerung heraus agiere.

Inzwischen hat die Neuauszählung eines Teils der Stimmen aus der umstrittenen Präsidentschaftswahl vom August begonnen. Diese werde mehrere Tage dauern, sagte der Chef der Wahlkommission, Sekria Baraksai, am Montag. Mit Ergebnissen könne in der nächsten Woche gerechnet werden. Es werden Stimmen aus rund zehn Prozent der Wahllokale neu ausgezählt. Laut dem vorläufigen Endergebnis von Mitte September hat Präsident Hamid Karzai bei der umstrittenen Wahl 54,6 Prozent der Stimmen erhalten. Laut EU-Beobachtern könnten allerdings bis zu 1,5 Millionen der Stimmen gefälscht gewesen sein. Die Betrugsvorwürfe führten zu der stichprobenartigen Neuauszählung. (APA/AP) 

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