ÖBB streichen Zugsverbindungen

6. Oktober 2009, 17:13
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Venedig-Wien wird durch Busse ersetzt, weniger Züge auf Strecke Salzburg-Villach, Graz-Bregenz entfällt - Weniger Verbindungen sollen für mehr Pünktlichkeit sorgen - Personenverkehr-Chefin Lutter: "Wenn die Länder nicht mitzahlen, wird eingestellt"

Die ÖBB beenden 2009 als großes Baustellenjahr und starten als solches mit dem neuen Fahrplan auch ab 2010: Mit der derzeitigen Performance ist man nicht ganz zufrieden, daraus hat Herwig Wiltberger, Vorstandsdirektor der ÖBB-Infrastruktur AG am Montagabend bei einem Pressegespräch in Wien keinen Hehl gemacht. "Die Schnellbahnbauarbeiten waren nicht sehr erfolgreich", auch mit der Pünktlichkeit gebe es Probleme. Das kommende Jahr bringe mit einem massiven Bauprogramm neuerlich große Herausforderungen mit sich. Mit dem Bau-Start des Wiener Hauptbahnhofes wird am 13. Dezember der Wiener Südbahnhof Geschichte. Umfassende Fahrplanänderungen und Einsparungen auf den Zugsverbindungen werden von diesem Vorhaben dominiert.

Großbaustellen

Großbaustelle Bahn: Der Knackpunkt 2010 wird der Bahnhof Wien-Meidling, der den aufgelassenen Südbahnhof ersetzen muss. Alle Züge im Fern- und Nahverkehr haben künftig dort Endstation. Um das bewältigen zu können, wird in kürzeren Intervallen zugunsten zusätzlicher Züge gefahren werden. "Vier Minuten - länger darf ein Zug künftig nicht am Bahnsteig stehen", kündigte Wiltberger an. Man habe versucht den Bahnhof Meidling "zu adaptieren, er bleibt aber ein Provisorium für den Hauptbahnhof". Mit dem neuen Fahrplan werden dort täglich 1.000 Zugsbewegungen stattfinden, bisher waren es etwa 700.

Bereits "2009 war ein intensives Baujahr", sagte Wiltberger. Die massiven Baumaßnahmen waren für die Kunden deutlich spürbar - und diese halten auch in den nächsten Jahren an. Zu den Großbaustellen im Bahn-Netz zählen 2010 neben dem wohl größten Vorhaben - der Errichtung des Wiener Hauptbahnhofes - Umbauarbeiten am Salzburger Hauptbahnhof, ebenso in St. Pölten, Graz, Mürzzuschlag, Leibnitz oder Zeltweg sowie der viergleisige Streckenausbau zwischen Ybbs und Amstetten, oder zwischen Wels und Passau - um nur einige zu nennen.

Weniger Verbindungen, dafür mehr Pünktlichkeit

Um dem Pünktlichkeitsproblem Herr zu werden, nimmt man weniger Verbindungen in Kauf. Im Bereich St. Pölten, wo der Güterverkehr baustellenbedingt einiges an Verbindungen schlucken wird, fährt man von 220 Zügen auf 195 zurück - teilweise wird dafür ein Schienenersatzverkehr eingerichtet. Eine wesentliche Maßnahme, die nicht ganz ohne Diskussionen gesetzt wurde, ist die Umleitung von Schnellzügen aus dem Norden, die mit dem neuen Fahrplan nicht mehr über die Stammstrecke geführt werden sollen.

Der Salzburger Hauptbahnhof wird zwecks Umbau- und Modernisierungsarbeiten teilgesperrt. 2010 werden nur drei anstatt der fünf Gleise für den Personenverkehr zur Verfügung stehen.

Weniger Züge auf Strecke Salzburg-Villach, Graz-Bregenz entfällt, Aus für Wien-Venedig

Wegen zu geringer Auslastung wird ein Zugpaar auf der Strecke Salzburg-Villach zurückgenommen. Der Autoreisezug von Wien nach Feldkirch ist künftig kein Eurocity mehr, sondern nur noch ein Intercity und wird daher 50 Minuten länger benötigen. Die Verbindung Graz-Bregenz entfällt und wird von Graz über Salzburg umgestellt. Noch in Verhandlung ist man mit den Ländern Oberösterreich und Steiermark über die Verbindungen Graz-Linz. Es gebe dort zu wenig Reisende. Drei Züge werden zwischen Graz und Marburg gestrichen. Neben einigen anderen Routen entfällt künftig auch die Verbindung von Wien nach Venedig, die aber mit Bussen alternativ angeboten werden soll.

 "Wenn die Länder nicht mitzahlen, wird eingestellt"

Die Einsparungen werden mit der Verpflichtung effizient und wirtschaftlich arbeiten zu müssen, argumentiert. "Dort wo die Länder Mehrleistungen nicht bezahlen, müssen wir Züge zurücknehmen", sagte Lutter. Konkret trifft das etwa auf Niederösterreich zu, während man in Tirol zusätzliche Verbindungen fährt. Das Land Tirol wende für die Bahn finanziell etwa viermal so viel auf wie Niederösterreich, meinte Lutter.

Es gibt aber vonseiten der ÖBB auch positives zu vermelden: Im Raum Innsbruck gibt es Zugvermehrungen, statt 146 sollen künftig 191 Züge verkehren. Zwischen Wien und Salzburg wird man zum Wochenende ein zusätzliches IC-Zugpaar einsetzen. In Oberösterreich kommt es auf der Mattigtalbahn, der Almtalbahn und Pyhrnbahn zu Verdichtungen im Zugsverkehr.

"Postbus im Wandel"

"Pünktlichkeit ist wichtig, sonst droht ein Verkehrsstau", meinte Wiltberger, und das dürfte wohl zur größten Herausforderung der ÖBB werden. "Wir haben im Fernverkehr nicht die gewünschte Qualität, das wollen wir in den Griff bekommen." 80 Prozent Pünktlichkeit möchte man haben, derzeit liege man im Schnitt bei 70 bis 75. Besser ist die Quote laut ÖBB im Nahverkehr, dort liege man bei 90 Prozent.

Auch der Postbus "ist im Wandel", verkündete Christian Eder, Geschäftsführer der ÖBB Postbus GmbH. Man wolle sich künftig auf den Linienverkehr konzentrieren und "vom Gelegenheitsverkehr zurückgehen", sagte er. Anders als die Bahn finanziert sich der Bus rein aus eigenwirtschaftlichen Einnahmen. Neuerdings wolle man Verkehrskonzepte für Gemeinden anbieten, etwa den Bus mit Anrufsammeltaxis verbinden und so andere Verkehrsanbieter in das Konzept einbinden.

Franz-Josefs-Bahn in NÖ ab Dezember wieder in Betrieb

Die "gravierendste" Änderung beim ÖBB-Fahrplanwechsel per 13. Dezember betrifft die Franz-Josefs-Bahn: Nach Abschluss der Arbeiten an der Tullner Donaubrücke kann der Fahrplan 2008 wieder eingeführt werden, erklärte ÖBB-Regionalmanager Michael Fröhlich am Dienstag bei einer Pressekonferenz in St. Pölten. Die Züge würden dann wieder bis Wien Franz-Josefs-Bahnhof fahren, mit Aufenthalten in Wien-Heiligenstadt und Wien-Spittelau.

Durch Einschränkungen im Zusammenhang mit dem Bau des neuen Hauptbahnhofs Wien werden Züge der Inneren Aspangbahn ab Maria Lanzendorf im Schienenersatzverkehr auf direktem Weg bis Wien Südtiroler Platz geführt. Die Gesamtreisezeit für die Fahrgäste erhöhe sich nicht, so Fröhlich. Der Busverkehr bleibe für die Dauer der Bauarbeiten aufrecht. Auch der bestehende Fahrplan für Tulln - St. Pölten könne in der kommenden Fahrplanperiode nicht im bestehenden Umfang weitergeführt werden. Der Zugverkehr in beide Richtungen sei nur bis 8.00 Uhr möglich. "Derzeit wird der Fahrplan der Schienenersatzverkehrbusse noch einem Optimierungsprozess unterzogen, bevor er im Dezember in Kraft tritt", erklärte Fröhlich. (APA)

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  • Die Österreichischen Bundesbahnen streichen einige Verbindungen.
    foto: öbb

    Die Österreichischen Bundesbahnen streichen einige Verbindungen.

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    Darunter die Strecke Wien - Venedig. Dorthin wollen die ÖBB ihre Kunden künftig mit Bussen bringen. Und so könnten sie aussehen (Montage).

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