Nachrichten in aller Kürze
Alles zur Community
Nachrichten, die zu Ihnen kommen: Newsletter, Feeds und SMS
Alles zu unseren mobilen Angeboten: Apps, Mobilversion und SMS
Unsere Radio- und TV-Angebote
Die Zeitung im Internet: Abo, E-Paper, Anzeigen und mehr
Alles über die Redaktion von derStandard.at
Alles über Onlinewerbung, Stellenanzeigen und Immobilieninserate
Am 18. Jänner 2008 begann eine der größten virtuellen Schlachten in der Geschichte des Internet. Doch damals ging es weder um Wirtschaftsspionage noch um zwischenstaatliche Konflikte, sondern um die Zensur im Internet und den Umgang mit Kritik. An diesem Tag startete die Hackergruppe "Anonymous" mit einer großen Denial-of-Service-Attacke gegen "Scientology".
Mit den Mitteln der Trolle
Laut einem Bericht des US-Magazins "Wired" liegt der große Erfolg von Anonymous in der Wahl der eingesetzten Mittel. Die AktivistInnen haben das "Trolling" kultiviert und für ihre Ideen nutzbar gemacht. Dadurch wurde eine neue Art des politischen Aktivismus gestartet,meint Wired.
Ein Video als Auslöser
Der Auslöser für die Kontroverse war ein Video in dem der US-Schauspieler und Scientologe Tom Cruise seine Kirche bewirbt. Das Video gelangte auf YouTube und wurde rasch zum Hit. Doch dürfte man bei Scientology die Auswirkungen der Kritik nicht bedacht haben und entscheid sich das Video wieder entfernen zu lassen.
Als Antwort auf dieses Vorgehen startete "Anonymous" am 21. Jänner mit seinem Antwortvideo "A Message to Scientology" und entsprechenden Attacken auf die Webportale des Widersachers.
Don't feed the Trolls
Das US-Magazin Wired widmet sich ausführlich dem Konflikt zwischen Anonymous und Scientology und kommt zu einem überraschenden Ergebnis: Warum hat es Scientology nicht geschafft die KritikerInnen verstummen zu lassen? Wieso konnte Anonymous überhaupt eine derart große Aufmerksamkeit erregen? Die Antwort. Scientology hat einen großen Fehler begangen - sie haben eine Grundregel nicht beachtet, und diese lautet: Don't feed the Trolls".
Eine weltweite Bewegung
"Anonymous" erwuchs aus einer spontanen Idee, ohne einen fixen Plan und eine festgelegte Führungsebene. Wer wollte, konnte partizipieren und den Gedanken vorantreiben. Wie ein großer Bienenschwarm gab die Gruppe die Richtung vor und alle konnten folgen, neue Ideen einbringen und sich spontane Aktionen einfallen lassen. Einzige Regel war lediglich, dass sich die Mitglieder auch untereinander nicht mit echtem Namen kannten. Alle Aktionen wurden nicht von einer bestimmten Person durchgeführt, sondern stets von der anonymen Gruppe als Gesamtheit. Innerhalb kürzester Zeit wurde "Anonymous" zu einem weltweiten Phänomen. Auch und vor allem, weil Scientology den Aktivitäten sehr viel Bedeutung zumaß und so für eine enorme Aufmerksamkeit sorgte.
"Hello, leaders of Scientology. We are Anonymous"
Mit diesen Worten, gesprochen von einer metallenen Computerstimme, begann die erste Botschaft von Anonymous an Scientology. Die Nachticht endete mit den Worten: "We are Legion. We do not forgive. We do not forget. Expect us."
"Project Chanology"
Die Kampagne gegen Scientology, unter den TeilnehmerInnen besser bekannt als "Project Chanology", wurde in den nächsten Monaten weitergeführt und um zahlreiche neue Aktionen erweitert. Immer neue Ideen, die über die unterschiedlichsten Kanäle im Internet verbreitet wurden, zeigten Wirkung. Das "Project Chanology" markierte einen neuen Höhepunkt im Bereich der Online-Demonstrationen und kann im Nachhinein als die wohl erste große Aktion einer Gruppe sozialer AktivistInnen bezeichnet werden, die nachfolgenden Ideen einen deutlichen Stempel aufdrückten. Ein wesentliches Element der Kampagne war das Ausnützen einer der wohl zweifelhaftesten Ausprägungen die das Internet geschaffen hat - nämlich des "Trolling".
Umgeben von Trollen
Trolling ist - zumindest für den Troll - ein Akt zur Unterhaltung. Für Anonymous war es lange Zeit eine Art zu Leben. Trolling bedeutet unverdächtige Web-Communities mit Botschaften zu verstopfen, die wenig mit dem eigentlichen Thema zu tun haben, dafür aber einzig und alleine darauf abzielen Unruhe zu stiften, Diskussionen anzuheizen oder zu beleidigen. Aufmerksamkeit ist das große Ziel der Trolle. Dank der Aufregung innerhalb der Sciento9logy-Community konnten sich die AktivistInnen nicht über das Fehlen von Aufmerksamkeit beschweren.
"Operation Slickpubes"
Bald schon folgten den virtuellen Attacken die ersten Aktionen in der Realität. Demonstrationen vor Scientology-Kirchen in den USA und Europa - die AktivistInnen dabei mit Guy Fawkes-Masken bekleidet - bildeten medienwirksame Höhepunkte abseits der Internet-Aktionen. "Operation Slickpubes: Anonymous vs. Scientology" zeigte auch wie sehr Einzelaktionen oder besser gesagt deren Publikmachung im Internet weiter für Ärger bei Scientology sorgten.
Der Kampf gegen die TerroristInnen
Scientology startete sehr bald mit eigenen Aktionen gegen Anonymous. Von Anfang an versuchte man die Öffentlichkeit dazu zu überzeugen, dass es sich um mehr oder weniger verrückte Menschen handelte. Als diese Argumentationskette nicht zur vollen Zufriedenheit von Scientology griff, wurden "Anonymous"-AktivistInnen zu TerroristInnen erklärt. "Das ist eine terroristische Organisation", wird Scientology-Sprecher Tommy Davis von Wired zitiert. "Ihre Absicht ist es Angst und Hass zu schüren. Dafür gibt es keine andere Erklärung." Der Ordner mit "Anonymous"-Attacken gegen Scientology, Kirchen aber auch MitarbeiterInnen wuchs stetig an, so Davis, der aber nun der Meindung ist, dass "Anonymous bald nicht mehr existieren wird."
Man habe vor Gericht erste Erfolge feiern können und werde weiter hart gegen die Aktionen vorgehen.
Ein Erfolg
Die Faszination, die Anonymous auf viele Menschen auszuüben scheint, liegt nicht in der Tatsache welche Seite hier Recht oder Unrecht hat, sondern in einer neuen Art von sozialem Engagement. Selbst wenn das Ziel von "Project Chanology" - nämlich Scientology in die Schranken zu weisen - scheitern sollte, so haben die Aktionen doch zu einem wesentlichen Wandel im politischen Aktivismus geführt. Zahlreiche andere Projekte - etwa Operation Didgeridie oder Project Cntroll, die gegen die australischen beziehungsweise chinesischen Zensurversuche im Internet vorgehen - nutzen jene Kanäle, die Anonymous erstmals verwendet hat. Im Juni wurde das "Why we Protest"-Netzwerk von Anonymous zu einem wesentlichen Forum zur Unterstützung der iranischen Opposition.
Das perfekte Duo
Ob sich die Erfolge von Anonymous vs. Scientology auch bei einem anderen Widerpart wiederholen lassen, bleibt allerdings fraglich. Immerhin haben sich hier zwei absolute Extreme gefunden, die mit der anderen Seite so gut wie keine Gemeinsamkeit haben: Auf der einen Seite organisiertes Chaos abseits jeder Regeln und mit einem enormen Spaßfaktor und einer Portion Verrücktheit, auf der anderen eine starre Organisation mit hierarchischen Regeln. Das "Project Chanology" wird in die Geschichte eingehen, wenn nicht als erste Ausgeburt einer neuen Form des Online-Protestes, so sicherlich als der letzte epische Kraftakt der Internet-Trolle.(red)
Netzaktivist in Spanien festgenommen - soll für DDoS-Attacke auf Spamhaus verantwortlich sein
Internetkommunikation soll bei Bedarf einfach "mitgeschnitten" werden können
Gerichtsbeschluss gegen Kanzlei ist mit "Star Trek"-Anspielungen gespickt
Deutscher BGH entschied, dass Autocomplete-Begriffe im Einzelfall gelöscht werden müssen
Deutsche Bundesregierung bezog Stellung zum im März vorgelegten "Tallinn Manual"
Strongbox soll es ermöglichen, anonym und sicher Informationen einzureichen
Smartphone-App informiert, welche Unternehmen und Interessensgruppen hinter einem Produkt stehen
Im Chat verschickte https-URLs bekommen unangemeldeten Besuch von Microsoft
Die von Google vorgeschlagenen Suchwort-Ergänzungen können im Einzelfall rechtswidrig sein
Baupläne waren innerhalb von 48 Stunden über 100.000 Mal heruntergeladen worden
Innenministerin Mikl-Leitner will digitale Straftaten auch bei StGB-Novelle diskutieren
Entwickler wählten Mega zur Verbreitung, u.a. weil sie mit Gründer Dotcom sympathisieren - Update: Vorlagen entfernt
Wird Datenschutzbestimmungen prüfen und dem Direktorium berichten
Internetbanking betroffen - Bankchef Cernko: "Das war ein krimineller Akt, wir verfolgen das mit aller Härte"
Politiker haben Fragen zu Schutz von Privatsphäre
Seit 2007 trainiert die Gruppe Computernetzwerk-Operationen in der Eifel für den Cyber-Krieg
Experiment von zwei Reportern jedoch nur zum Teil aussagekräftig
Netzwerk schließt solche Dienste auch dann aus, wenn sie im Land der NutzerInnen legal sind
Angriffe auf Webseiten des Vatikans und der italienischen Regierung
BGH legt Urheberstreit um sogenanntes Framing dem EuGH vor
Unternehmen mahnte Veranstalter ab und verlangte 2.500 Euro Lizenzgebühren - nach Kritik wurde eingelenkt
sich gegen "sozialen Zwang" zu stellen in besonderem Ausmaß. Nicht mehr. Nicht weniger.
Dieses System kennen wir aber von sehr, sehr vielen Organisationen. Von politischen Parteien bis hin zur katholischen Kirche. Und natürlich auch Gewerkschaften, Kammern u.s.w.
Leider besitzen viel zu wenige Menschen Charakterstärke und Selbstvertrauen genug, ausschließlich nach deren eigenen Gewissen zu entscheiden. Daran sollten wir arbeiten.
(Aber genau das will weder die Politik, noch Kirchen oder sonstige öffentliche Einrichtungen. Warum wohl?)
> Scientology nutzt die Unfähigkeit der Menschen
> sich gegen "sozialen Zwang" zu stellen in besonderem > Ausmaß. Nicht mehr. Nicht weniger.
wenn du wirklich denkst, dass es nur das ist, dann solltest du dich mehr darüber Informieren.
So als einfach verdaulich empfehlenswert: SWR-Dokumentation "Die Seelenfänger"
Deine Vergleiche hinken da doch oder sind so was von im Mittelalter an zu siedeln.
Schon die Vorstellung einer solchen kaum fassbaren Truppe macht einen Heidenspaß und noch viel mehr, dass sie gegen Scientology vorgehen! Diese Organisation und Pseudo-Religion sollte verboten werden ..u nd Vorzeigemitglieder wie Cruise usw allein wegen ihrer nervtötenden Publicity höhere Steuern zahlen. :-)
Also wirklich Leute, manche Vergleiche tuen einfach nur weh. Die 5 großen Weltreligionen wurden alle über Jahrhunderte von Philosophen getestet und überprüft. Jede davon hilft den Menschen die sich ernsthaft damit befassen ein besseres Leben zu führen. (siehe Nathan der Weise ect.) Selbstmordattentäter mit einem IQ unter der Zimmertemperatur und faschistische Inquisitoren sind und waren nie ein repräsentatives Beispiel.
Neumoderne Blödsinnigkeiten wie Scienklology mit einer Religion zu vergleiche muss doch nicht sein...
..ist Scientology ja ein Kindergeburtstag (noch). Bis jetzt ist zumindest noch nichts von Kindesmißbrauch oder Hexenverbrennung nach außen gedrungen.
Und Gehirnverstümmelung scheint sowieso sowas wie Kirchensport zu sein.
Nicht, daß ich Scientology nicht auch so was zutraue...
und mehr oder weniger als hirngespinste erklaert.
als erfahrung ohne erkenntnis, als niemals belegbare, niemals nachvollziehbare gehirngespinste.
die auspraegungen der religion mit ihren statuten wurden als von menschen geschaffene regelwerke zum macht und selbsterhalt entlarvt. ....
sag mir einen philosophen (bitte nicht mit Thomas von Aquin. kommen) der gott oder glauben ernsthaft versucht zu beweisen.
fuer mich ist scientology eine kirche wie jede andere (ausser halt eine sehr junge, und mit anzuegen statt lustigen kostuemen)
Dann erklären Sie mal den fundamentalen philosophischen Unterschied zwischen Scientology und 'anerkannten' Religionen. Dürfte ziemlich schwierig werden, sobald man sich einmal mit Philosophie beschäftigt.
Es stimmt, dass sich viele Philosophen mit Religion beschäftigt haben - bloß dürften Sie sich nie mit deren Werken beschäftigt haben. Was Philosophen seit der Aufklärung über Religion geschrieben haben, dürfte sie ziemlich erschüttern.
der eine Religion begleitet und über Jahrtausende gewachsen ist;
zB: ein sehr großer Teil der aktuellen theologischen Literatur der christlichen Religionen befaßt sich mit kritischen Untersuchungen und natürlich möglichen Verbesserungen zur Rezeption und Verkündigung des eigenen Glaubens; in allen Religionen gibt es unterschiedliche Entwürfe, Spaltungen, Traditionen;
Sekten können das natürlich auch durchmachen und wer weiß, was über die nächsten Jahrtausende aus manch heutiger Sekte wird;
aber selbstkritisch den Diskurs, auch öffentlich pflegend, auf eine gewachsene Lehrtradition aufbauend, weltweit von vielen Menschen getragen - das kenne ich nur von den großen Religionen;
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.