Netzsperren in at?

"An Hardcore-Kinderpornokonsumenten kommen wir nicht ran"

Michael Kremmel, 7. Oktober 2009, 12:29
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Justizministerium denkt über Netzsperren in Österreich nach, in der Schweiz wird bereits gefiltert

Justizministerin Claudia Bandion-Ortner beharrt darauf, Netzsperren in Österreich im Bezug auf Kinderpornografie nicht dezidiert auszuschließen: "Ich weiß um die Diskussion in Deutschland Bescheid und ich kenne die Zensurängste, die auch hierzulande geäußert werden." Die Ministerin will die Erfahrungen aus Deutschland als Referenz heranziehen, dort registriert das Bundeskriminalamt (BKA) seit 1. August Seiten mit eindeutig kinderpornografischem Inhalt. In der Schweiz gibt es Netzsperren schon seit zwei Jahren.

Provider filtern freiwillig

Seit Anfang 2007 filtern Schweizer Provider das World Wide Web (WWW) auf freiwilliger Basis. Die Filterung geht auf die Mitte 2006 ins Leben gerufene Kampagne "Stopp Kinderpornografie" zurück. Zu Beginn gab es Proteste der Provider. "Während die Techniker die Sperren als sinnvoll erachteten, wollten die Marketingleute das ihren Kunden nicht zumuten. Sie befürchteten eine Internetzensur", sagt Martin Boess, Geschäftsführer der schweizerischen Kriminalprävention.

Die fünf größten Provider und mehrere kleinere verpflichteten sich dann aber vertraglich, die vom Bundesamt für Polizei (Fedpol) erstellte Sperrliste zu verwenden. Benutzer, die eine gesperrte Seite aufrufen, werden auf eine Stopp-Seite des Fedpol umgeleitet. Die IP-Adresse wird beim Aufruf einer gesperrten Adresse nicht gespeichert.

System "zu 80 Prozent sicher"

Das Filtersystem mittels DNS-Filterung ist laut Boess "zu 80 Prozent sicher". Trotzdem sei es noch möglich aus der Schweiz auf Kinderpornografie zuzugreifen. Eine höhere Filterquote sei nicht möglich, da die Kosten und der Aufwand dann zu hoch wären. Fedpol räumt auch ein, dass die Sperren mit entsprechendem technischem Wissen umgangen werden können.

Derzeit filtern zehn Schweizer Provider den Datenverkehr ihrer Kunden, das betrifft rund 80 Prozent der Schweizer Internetnutzer. Auf der Schweizer Sperrliste befinden sich laut Fedpol auschließlich Webseiten mit Kinderpornografie, aktuell rund 200. Zu Beginn der Filterung im Jahr 2007 waren es laut Heise.de noch rund 1200. Die Liste wird vierteljährlich vom Fedpol aktualisiert.

Ausweitung der Sperren

"Gefiltert wird ausschließlich Kinderpornografie und zwar das, was strafrechtlich relevant ist und auch bei anderen Ermittlungen zu einer Anklage führen könnte", betont Boess. An eine Ausweitung der Sperren auf andere Bereiche werde in der Schweiz überhaupt nicht gedacht.

Jedoch heißt es im Rechenschaftsbericht 2008 des Bundesamtes für Polizei: "Bei Propagandamaterial im Internet
kann der DAP (Anm. Dienst für Analyse und Prävention) entweder die Löschung der betroffenen Webseite verfügen, sofern das Material auf einem schweizerischen Rechner liegt, oder eine Sperrempfehlung an die schweizerischen Provider erlassen, wenn es auf einem ausländischen Rechner zu finden ist." Dabei handelt es sich um Propagandamaterial, "dessen Inhalt konkret und ernsthaft zur Gewalttätigkeit gegen Menschen oder Sachen aufruft."

Wie bei Propagandamaterial wird auch bei Kinderpornografie vorgegangen, sodass Seiten nach Möglichkeit gelöscht werden.

Produzenten und Exzessivnutzer werden nicht erfasst

Ziel der Sperren sind "Menschen, die per Zufall auf Kinderpornografie stoßen, oder die ganz wenige Bilder auf ihrem Computer haben", sagt Martin Boess. "Wir haben festgestellt, dass viele Leute bei der Suche nach sexuellen Inhalten auf Kinderpornografie gestoßen sind und wieder ausgestiegen sind, weil sie das nicht anmacht. Diese Leute wurden dann von der Justiz gleichbehandelt, wie solche, die mit viel Energie nach Kinderpornos suchen. Das wollten wir verhindern."

Der Kritik, die im Zusammenhang mit Netzsperren häufig auftaucht, steht Boess einigermaßen hilflos gegenüber: "Wir wissen, dass der Austausch von Kinderpornografie nicht ausschließlich im WWW vor sich geht, sondern auch über spezielle Tauschbörsen oder den Postweg. Wir wissen, dass wir nicht die wirklichen Hardcore-Kinderpornokonsumenten und vor allem Produzenten sperren können, die sind uns technisch überlegen."

Mit den Sperren solle vielmehr an die Empathie der einfachen Nutzer appelliert werden, die beim Stopp-Schild sehen sollen, dass sie etwas Illegales machen und es in Zukunft unterlassen.

Hilflose Behörden im Kampf gegen Produzenten

Die Frage, wie effizient gegen exzessive Konsumenten und vor allem Produzenten von Kinderpornografie vorgegangen werden kann, ist auch in der Schweiz ungelöst. Und das obwohl die schweizerischen Behörden auch aktiv nach illegalen Inhalten suchen. Zudem können alle Internetnutzer verdächtige Seiten bei der Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (KOBIK) melden. 2008 gingen insgesamt 1050 Hinweise aus der Bevölkerung bezüglich harter Pornografie ein, 82 Prozent davon betrafen Kinderpornografie.

Derzeit durchsuchen rund zehn Beamte (genaue Angaben werden nicht gemacht) der KOBIK das Internet vor allem nach der Verbreitung von Kinderpornografie. Chats, Foren und Tauschbörsen werden beim so genannten Monitoring durchsucht und beobachtet. Die verdächtigen Seiten werden auf die Sperrliste gesetzt und nach Möglichkeit gelöscht. Die Daten zur Strafverfolgung werden an die kantonalen Behörden weitergeleitet. 2008 konnten durch das aktive Monitoring 126 Verdachtsdossiers erstellt werden. Die Mehrheit dieser Dossiers bezieht sich auf Personen, die Kinderpornografie über Tauschbörsen anbieten und beziehen. Von den 178 Fällen welche 2008 von der KOBIK an die kantonalen Strafverfolgungsbehörden weitergeleitet wurden, führten rund 90 Prozent zu einer Verurteilung.

Verdeckte Ermittlungen und Prävention

Als weitere Maßnahmen im Kampf gegen Kinderpornografie werden in der Schweiz verdeckte Ermittlungen diskutiert. Doch auch der Prävention wird Augenmerk geschenkt, so stelle sich laut Boess vor allem die Frage: "Warum Menschen so unverhohlen nach Kinderpornografie im Internet suchen?"

In Österreich sucht die Justizministerin Bandion-Ortner nach Ideen für geeignete Maßnahmen gegen Kinderpornografie: "Ich lade alle ein, sich mit konstruktiven Vorschlägen zu Wort zu melden. Das wäre sinnvoller als der hysterische Aufschrei, nur weil eine Ministerin die Sperre von kinderpornografischen Internetseiten nicht kategorisch ausschließt" (Michael Kremmel, derStandard.at, 7.10.2009)

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Posting 1 bis 25 von 410
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ich finde keinen namen
00
21.11.2009, 22:00
eine schwache leistung der behörden und

verantwortlichen nur die seiten zu sperren ohne wirklich die täter fassen zu wollen.
die behörden haben nur etwas geschaffen um ihr gewissen zu beruhigen um angenehm schlafen zu können.
inspektor zufall ist in diesem fall zuwenig leistung.

Leech
01
14.10.2009, 08:32
"dass die Sperren mit entsprechendem technischem Wissen umgangen werden können"

http://www.opendns.com/

thats it ^^

José Atento
01
13.10.2009, 21:58
Es fängt immer so an

zuerst findet man Argumente, die jeder mit JA beantworten muss, dann führt man die Überwachung und Zensur ein. Es endet fast immer im Faschismus. Dieser kommt in der Regel so schleichend, dass die Menschen später ungläubig zurückblicken wie denn das alles passieren konnte.

Immer mehr will der Staat die Bürger überwachen. Eigentlich sollte es in einer Demokratie genau umgekehrt sein. Die Demokratie auf Abwegen?

cafevanilla
02
11.10.2009, 12:12
Deutsche Stoppschilder waren CDU-Wahlkampfgag

Der deutsche Innenminister hat das inzwischen bestätigt, die Netzsperren sind handwerklich gesehen blödsinn weil wirkungslos, sie waren nur im Wahlkampf wichtig als Abgrenzung der CDU zu anderen Parteien.

http://www.spiegel.de/netzwelt/... 24,00.html

Was nun, Frau Bandion-Verortner? Machen wir jetzt einen Internetkurs an der VHS, damit wir beim nächsten TV-Interview uns nicht so blamieren und am besten auch so einen Blödsinn nie mehr auf einer ISPA-Veranstaltung verkündigen, weil wir uns dort damit nur Feinde machen (weil die Leute dort sich teilweise leider einfach auskennen)?

José Atento
00
13.10.2009, 22:01
Die Fr. Ortner

hat wirklich keinen Tau. Eine verstaubte Richterin im Minister- Talar. Kann die überhaupt eine PC einschalten?

Heute wurde sie im ORF gefragt was sie vom Internet weiß? Sie schätzt sich durchschnittlich ein. Na prost mahlzeit.

Kohlhaas1
01
10.10.2009, 14:14
SPERRLISTE ? Wer erstellt diese und was sind die Kriterien ?

Wer legt die Kriterien fest ?
Unterliegt die Festlegung öffentlicher Kontrolle ?
Kann man in diese Sperrlisten Einblick nehmen ?
Und ist in diesen Listen auch vermerkt warum gesperrt wird ?
Werden auch Seiten auf diese Liste genommen, bei denen bestimmte Gruppe aus kommerziellen Gründen eine Sperre verlangen ?

Ich denke eine Beschluss einer Behörde oder eines Richters ist da zu wenig.
ÖFFENTLICH bzw. auf breitester Basis muß entschieden werden und der Gesperrte muß die Möglichkeit haben zeitnah und öffentlich Einspruch zu erheben über den dann ebenfalls auf breitester Basis entschieden wird.

Claus_W
02
9.10.2009, 14:16
1984 is now

MeiBierIstDeppat
03
9.10.2009, 03:47

"Mit den Sperren solle vielmehr an die Empathie der einfachen Nutzer appelliert werden, die beim Stopp-Schild sehen sollen, dass sie etwas Illegales machen und es in Zukunft unterlassen."

Ja klar, ein pedophiler wird dadurch geheilt das er sich so ein Stoppschild ansieht, denkt da überhaupt noch einer von denen nach?

José Atento
00
13.10.2009, 22:04

Die verwenden doch sowieso alle Möglichkeiten der Anonymisierung über Proxies, etc.

Da hilft der Filter bein Provider gar nichts.

Peter W1
 
02
9.10.2009, 02:11

Weil Zensur sich auch immer schon gleich von ihrer realen Seite gezeigt hat und sie nie stückweise eingeführt wurde!

Christof Weiss
12
9.10.2009, 01:58
Die Legende von der Kinderpornoindustrie

Warum die Internetzensurfilter nichts gegen Kinderpornographie tun können:

Die Kinderpornos liegen gar nicht auf normalen Webseiten wo dir Zensurfilter wirken könnten, siehe

Law Blog von Udo Vetter
http://www.lawblog.de/index.php... industrie/

...
Alle, ich wiederhole, alle haben die Kinderpornos aus Tauschbörsen, Newsgroups, Chaträumen, Gratisbereichen des Usenet oder aus E-Mail-Verteilern. Manche kriegen es auf DVD, ganz normal mit der Post.

Kein einziger jedoch hat seine Tauschpartner bezahlt. Und diese Tauschpartner haben auch nichts verlangt. Selbstverständlich wertet die Polizei in den allermeisten Fällen auch aus, woher die Dateien kamen. Bezahlseiten sind nicht darunter.
...

José Atento
00
13.10.2009, 22:07

elektronische Dateien sind auf vielfältige Art und Weise weiterzugeben. Da wird es niemals ein wirkungsvolles Mittel dagegen geben.

Wir müssen leider akzeptieren, dass es diese Menschen gibt. Die verschwinden nicht, weil es mehr Überwachung gibt.

ikepod
22
9.10.2009, 00:33
"wollt ihr die totale kontrolle!!"

in frankreich lâuft die gleich diskussion
mit den gleichen Argumenten
die geschichte ist von der EU gesteuert
"wollt ihr die totale kontrolle!!"

greiliz
02
8.10.2009, 22:31
Step by step

Für was Kinderpornographie alles herhalten muss! Das ist doch nur der Anfang und nur ein Aufhänger ....

Dust von Dust
03
8.10.2009, 22:28
Verschleierungstaktik Die Argumente für Kinderporno-Sperren laufen ins Leere

http://www.heise.de/ct/artike... 91986.html
Fakt ist: Es gibt keine belastbaren Zahlen zur Erfolgsquote aus den skandinavischen Ländern. Ausgerechnet der Chef der Polizeiermittlungsgruppe gegen Kinderpornografie und Kindesmisshandlung in Stockholm, Björn Sellström, fiel jüngst der Bundesregierung in den Rücken. Er äußerte massive Bedenken gegen die Wirksamkeit der dort installierten Webseiten-Sperren: „Unsere Sperrmaßnahmen tragen leider nicht dazu bei, die Produktion von Webpornografie zu vermindern“, erklärte er gegenüber dem Focus.

man will eindeutig eine zensurinfrastruktur aufbauen!

cafevanilla
03
8.10.2009, 22:26
Hat irgendwer jemals zufällig ein Kinderporno gesehen?

Irgendwo im Web? Kennt jemand irgendjemanden, der zufällig auf eine "Kinderpornoseite" gestoßen ist? Wo muss man sich im Web bewegen um einen Link zu einer solchen Seite zu finden? Ich surfe seit rund 15 Jahren im Netz, hab alles mögliche (inkl. Porno) dort schon gesehen und gelesen, aber ich bin noch nie auf eine kinderpornographische Darstellung gestoßen. Nicht ein einziges Mal. Gibt's überhaupt den von den inkompetenten Politikern immer wieder genannten "Schutz" vor dem "zufälligen hinklicken"?

Lew Ashby
00
9.10.2009, 10:11
usenet

früher waren die spammails oft noch nicht als solche erkennbar und dann hat man als preview ein (vergleichsweise harmloses) bild von einem nackten kind/jugendlichen. mitlerweile haben die die header schon entsprechend erkennbar gemacht und spannen nur noch in "toten" gruppen, dort dafür um so mehr.

was mich daran erinnert, dass ich upc diesbezüglich noch ein mail schreiben wollte.

cafevanilla
01
8.10.2009, 22:19
Die Bandl-Ortner kapiert es nicht...

Es geht nicht um "Zensurängste", es geht darum, dass die deutsche Familienministerin eine Dumpfbacke ist und die österreichische Justizministerin es ihr gleich tun will. Eine Sperre von Kinderpornoseiten wie in Deutschland ist ein *vollkommen sinnloses* Unterfangen.

0 8 3
 
05
8.10.2009, 17:38
wie oft ich das noch posten muss?

http://rettedeinefreiheit.de/

rapidfans.at
00
9.10.2009, 17:05
so lange, bis sie sogar für so einen link belangt werden.

und das dauert vermutlich gar nimmer so lange....

good old europe
02
8.10.2009, 20:49

Ich fürchte noch sehr oft bzw. so lange Sie noch dürfen. Keep on!

someones
03
8.10.2009, 15:36
sinnlose zensur.

klar wird wiedermal versucht unter dem vorwand der kinderpornobekämpfung das inet behördlich zu zensieren.

wird nicht funktionieren UND wiedermal nur die "braven" bürger treffen...
ausserdem: wer zahlt es?

ikepod
10
8.10.2009, 23:19
immer schôn vor der eigenen tûre kehren

wenn der standard berets zensuriert
warum dann nicht der rest der welt?

Lichtfreak
00
19.10.2009, 11:50
Wenn Terroristen töten,

warum nicht gleich alle Menschen?

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