Gates und Clinton: "Wir verlassen Afghanistan nicht"

6. Oktober 2009, 09:26
55 Postings

Unklar, ob Truppen aufgestockt werden - Mangel an Truppen sei Grund für Taliban-Erfolg

Washington - Die USA haben am Montag versichert, dass Truppen auf absehbare Zeit in Afghanistan bleiben werden. "Wir verlassen Afghanistan nicht", sagte Verteidigungsminister Robert Gates am Abend in einem Interview des Senders CNN mit Außenminister Hillary Clinton an seiner Seite. "Es sollte keine Ungewissheit über unsere Entschlossenheit bestehen, in Afghanistan zu bleiben."

Gates und Clinton riefen dazu auf, die derzeitigen Strategie-Überlegungen von US-Präsident Barack Obama in Ruhe abzuwarten. Derart wichtige Entscheidungen sollten nicht aus dem Augenblick heraus getroffen werden, warnte Clinton. Auch das Weiße Haus hatte zuvor betont, dass ein Rückzug aus Afghanistan nicht zu den Optionen gehört, die Obama zurzeit abwägt. "Ich denke, das ist ganz klar", sagte Sprecher Robert Gibbs.

Truppenerhöhungen unklar

Über etwaige Truppenerhöhungen, wie sie der US-Oberkommandierende in Afghanistan, Stanley McChrystal will, äußerten sich Gates und Clinton nicht. McChrystal hatte sich öffentlich für zusätzliche 40.000 Soldaten stark gemacht und mit seinem Vorgehen Kritik im Weißen Haus ausgelöst. So sagte der nationale Sicherheitsberater Jim Jones am Wochenende, es sei besser, wenn bei militärischen Ratschlägen die "Kommandokette" eingehalten werde.

Gates selbst empfahl am Montag auf einer Heereskonferenz ebenfalls, Obama Zeit und Raum für die nötigen Afghanistan-Entscheidungen zu geben und bei militärischen Ratschlägen Diskretion zu wahren. Er glaube, dass diese Entscheidungen zu den wichtigsten in der Amtszeit des Präsidenten gehören würden, sagte der Pentagonchef.

Warnung vor Rückeroberung

In dem CNN-Interview deutete Gates aber zugleich an, dass er in der Sache selbst einer Truppenaufstockung zuneigt. "Wegen unserer Unfähigkeit und, offen gesagt, der Unfähigkeit unserer Verbündeten, mehr Soldaten nach Afghanistan zu bringen, haben die Taliban jetzt dort den Schwung", sagte Gates. Dabei kritisierte Gates dabei nicht nur die Nato-Partner für ihre zögerliche Haltung, sondern indirekt auch die Entscheidung des ehemaligen Präsidenten George W. Bush, mit Beginn des Irakkriegs Soldaten aus Afghanistan abzuziehen und in den Golf zu schicken.

Er warnte, dass eine Rückeroberung weiter Landesteile durch die Taliban der Terrororganisation El Kaida zusätzlichen Raum geben würde, in Afghanistan Fuß zu fassen und beim Rekrutieren und der finanziellen Unterstützung Fortschritte zu machen.

"Es geht jetzt um die nächsten Schritte nach vorne und der Präsident muss bald einige gewichtige Entscheidungen fällen", sagte Gates. "Dieses Land und vor allem die Grenzregion zwischen Afghanistan und Pakistan ist das heutige Epizentrum des Dschihad." Ein Rückzug der ausländischen Truppen wäre ein strategischer Sieg der Taliban, der auch das Extremistennetz Al-Kaida stärken würde. (APA/Reuters)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Clinton und Gates bei einer Veranstaltung der George Washington University.

Share if you care.