Her mit dem Speck, Karpfen!

    6. Oktober 2009, 17:10
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    Das Sperma war reserviert, die Nudeln leider völlig schlapp, der Fidler dennoch ganz zufrieden. Aber die Frau wurde grantig beim Humer in Orth an der Donau

    Schwammerlgulasch macht mich skeptisch. Da kann ich noch so pilzwahnsinnig sein, oder gerade deshalb: Wenn mir was am Herzen oder Gaumen liegt, dann brauch ich's nicht papriziert. Dennoch wüsste ich nicht, wofür ich mich in der Situation in Humer's Uferhaus in Orth an der Donau entschieden hätte: Zucchinistrudel oder Eierschwammerlgulasch (Portion gebratenes Beilagengemüse oder dergleichen, das gab's einfach nicht). Das heißt, natürlich weiß ich's: Das Gulasch natürlich, da steht mir der Schwamm doch deutlich näher als der grüne, magere Kürbisbruder.

    Ein nudeliges Wasserbett

    Also wär' ich genauso eingefahren: Das Gulasch schien mir sehr mehlig-glasig, sein üppiges Bett aus breiten, bleichen Bandnudeln war eher ein kaum befülltes Wasserbett, so lasch. Da kann man schon einmal grantig werden, wenn man sich wirklich, wirklich, wirklich auf's Essen freut, wie meine Freundin. Und wenn man, wie meine Freundin, Fleisch offiziell ganz und Fisch überhaupt völlig verweigert. Auf die Idee komm' ich natürlich nicht.

    Selbstredend war es nicht ganz okay, diese hungrige Freundin in ein ausgewiesenes Fischrestaurant zu verschleppen, aber wenn man schon a) den Nachmittag ums Eck im Nationalpark verbracht hat, b) den Ausführungen von Herrn Corti aus 2006 längst schon nachspüren will und c) davon ausgeht, dass die Nichtfischauswahl auch in Fischlokalen vielleicht gebratenes Gemüse umfasst... Irrtum.

    Ohne Rücksicht auf Begleitung

    Verständnis- und rücksichtslos, wie ich nun einmal bin, wenn ich einmal beim Wirten sitz', hab' ich mir natürlich gleich zwei Vorspeisen bestellt, bevor das Personal den Hauptgang auftragen konnte (was meine Freundin zum verzweifelten, vorgezogenen, traditionell gezuckerten Beilagengemsal zwang, was wiederum ihre Laune nicht gerade verbesserte. Ich fand den Salat ja ganz okay.) 

    Karpfenspeck!

    Erstens: Karpfenspeck. Dicke Rückenfilets, geräuchert (Kollegen Corti weiland zu stark, mir heute gerade recht), mit Kren. Sehr, sehr, sehr erfreulich. Die zwei noch vorhandenen Portionen Karpfenmilch (also, reden wir nicht lang herum, Sperma) gebacken hatten sich schon andere Herrschaften vorreserviert. Also rasch noch Karpfenroller, eingelegt, mit einem kindergeburtstagvorgefühltenhundertjahrensentimentalen Plastikspieß mit Mini-Kukuruz, Gurkerl, Perlzwiebel (mit der ich die Laune der Freundin kurzfirstig heben konnte).

    Hatte ich nicht gerade erst in dieser Gegend, nur auf der anderen Donauseite einen etwas langweiligen Forellen-"Rollmops"? Unverbesserlich, der Fidler, nun erwies sich auch die eingelegte Variante vom Karpfen jenseits des Flusses als mäßig spannend, wobei die Farbe hier schon deutlich fetziger ausfiel: Lila der Roller und das üppige Bett aus Zwiebeln. Wobei ich wegen zarter Farbschwäche auch dafür keine Garantie übernehme. Tja, nicht nur Geschmackssicherheit lässt bei Fidler zu wünschen übrig.

    Ein Zander macht auf blau

    Am Zander blau wiederum überraschte mich Dilettanten die ausgeprägte Trockenheit der beiden großen Filets. Forelle blau kam nach meiner Erinnerung aus einer Bouillon, manchmal auch in einer Bouillon, und war viel, aber nicht trocken. Egal, die zerlassene Butter machte einiges wieder gut und die Erdäpfel dazu waren auch sehr schön.

    Die Nudeln indes gingen, missmutig erleichtert um das eine oder andere Schwammerl, zurück in die Küche, wobei man sich das bitte nicht wörtlich vorzustellen hat, nicht nur wegen ihres schwächlichen Zustands musste sie der freundliche Kellner tragen. Der Wirt zeigte offenbar bei dem Anblick Einsehen: Das Schwammerlgulasch fehlte auf der Rechnung. Die fiel übrigens, da braucht man definitiv nicht meckern, äußerst moderat aus mit 44,20 Euro für drei Gänge, zwei Achtel, einen großen Naturtrüben plus zweimal Kaffee. Das war mir allein der Speck wert.

    Frag den Inder!

    Die Freundin holte sich zum Trost noch Mattar Paneer vom Mogulhof. Es stimmte sie binnen Sekunden ausgesprochen fröhlich. Frag doch den Inder, Fidler!

    Humer's Uferhaus online gibt's hier

    Schmeck's ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.

    • Her mit dem Speck: Karpfenspeck, geräuchert. (An den Weißabgleich denk ich noch, versprochen.)
      foto: fid

      Her mit dem Speck: Karpfenspeck, geräuchert. (An den Weißabgleich denk ich noch, versprochen.)

    • Alles so schön bunt hier: Karpfenroller, wenig aufregend.

      Alles so schön bunt hier: Karpfenroller, wenig aufregend.

    • Dry, dry, Baby: Ein Zander macht auf blau.

      Dry, dry, Baby: Ein Zander macht auf blau.

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