Europaparlamentarier beklagt mangelhaften Schutz vor der Mafia

5. Oktober 2009, 21:11
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Rosario Crocetta übt Kritik an belgischen Behörden

Brüssel/Straßburg - Der nach seinen eigenen Angaben mangelhafte Polizeischutz für einen italienischen Europaabgeordneten vor der Mafia in Belgien wird kommende Woche die Spitze des EU-Parlaments beschäftigen. Die sogenannte Konferenz der Präsidenten habe den Schutz des Abgeordneten Rosario Crocetta für nächsten Mittwoch auf die Tagesordnung gesetzt, sagte ein Sprecher des Parlaments am Montag in Brüssel. Crocetta erneuerte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP seine Kritik an Belgiens Behörden.

Die Behörden weigerten sich weiterhin, ihm ausreichenden Polizeischutz zu gewähren, klagte Crocetta telefonisch von Sizilien aus. Darum werde er bis auf weiteres nicht nach Brüssel kommen. Das im Juni ins Europaparlament gewählte Mitglied der italienischen Sozialdemokraten wird nach eigenen Angaben in Italien von vier Polizisten und zwei gepanzerten Fahrzeugen vor Anschlägen der Mafia beschützt. In Frankreich stelle man ihm bei seiner Anwesenheit in Straßburg, wo das Europaparlament seinen ersten Sitz hat, einen Wagen und drei Beamte zur Seite. Den Hass des organisierten Verbrechens habe er sich seit seiner Wahl auf einen öffentlichen Posten 2003 in der sizilianischen Stadt Gela zugezogen.

"Man hat ihm Schutz angeboten"

Belgiens Innenministerium teilte auf Anfrage mit, dass "es Kontakte zwischen Herrn Crocetta und den belgischen Behörden gegeben" habe. "Man hat ihm Schutz angeboten", sagte ein Sprecher. Er beurteile es aber als "ziemlich heikel", wenn sich Crocetta in der Öffentlichkeit über Details des Personenschutzes äußere. Die Anti-Mafia-Einheit der italienischen Polizei hat den belgischen Behörden laut Crocetta ein "sehr ausführliches Dossier" geschickt. Darin werde genau geschildert, dass drei Anschläge der Mafia-Organisation Cosa Nostra gegen ihn in Italien nur knapp vereitelt wurden.

Seit seiner Wahl kam der Sizilianer demnach drei Mal zu Sitzungen nach Brüssel - in Begleitung eines bewaffneten italienischen Polizisten. Dieser dürfe nun auf Beschluss des italienischen Innenministeriums nicht mehr mitkommen. Ohne Unterstützung durch belgische Beamte sei die Mission zu gefährlich. Im September wandte sich Crocetta deshalb hilfesuchend auch an Parlamentspräsident Jerzy Buzek. Es sei "naiv" zu glauben, dass die Mafia nicht auch in Belgien agieren könne, heißt es in dem Schreiben. (APA)

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