Grüne kritisieren Wiener Psychiatriereform

5. Oktober 2009, 20:52
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Patienten würden weiterhin isoliert untergebracht

Wien - Für die Wiener Grünen werden bei der Neugestaltung der Psychiatrie in Wien "Fehler der Vergangenheit wiederholt". Die Dezentralisierung sei ein "wichtiger und richtiger Schritt", betonte Grünen-Gesundheitssprecherin Sigrid Pilz am Montag. Allerdings würden bei der Neugestaltung von Abteilungen, die vom Otto-Wagner-Spital in andere Krankenhäuser übersiedelt werden, Patienten weiterhin stigmatisiert.

Als Beispiele nannte Pilz die Neugestaltung der psychiatrischen Abteilungen 5 und 6 des Otto-Wagner-Spitals. Sie werden in die Rudolfstiftung beziehungsweise in das Krankenhaus Hietzing verlegt, wobei die dafür konzipierten Neubauten "keinem integrativen Ansatz verpflichtet" seien: "Ich frage mich, ob hier das alte, schlechte Konzept des ,Narrenturms' fortgesetzt werden soll", kritisierte Pilz.

In beiden Fällen lägen die psychiatrischen Abteilungen nicht auf dem Spitalsgelände. Stattdessen sei vorgesehen, psychisch Kranke räumlich isoliert und in als Psychiatrie erkennbaren Gebäuden unterzubringen. Zudem seien keine Bereiche vorgesehen, die auf Wunsch der Patienten räumliche Beschränkungen auf humane Weise vorsehen: "Man setzt weiter auf gänzliche Offenheit der Abteilungen und zwingt damit das medizinische Personal, für unabwendbare Beschränkungen ausschließlich körpernahe Mittel (Netzbetten und Gurte) zu verwenden", betonte die Grünen-Gesundheitssprecherin.

"Erkennbarer Einzelbau"

Im Fall der Rudolfstiftung im 3. Bezirk soll die psychiatrische Abteilung künftig in der derzeitigen Krankenpflegeschule untergebracht werden. "Das ist ein isoliertes Gebäude auf der gegenüberliegenden Straßenseite", sagt Pilz, "also ein als Psychiatrie erkennbarer Einzelbau". Auch in Hietzing soll laut Pilz die psychiatrische Abteilung nicht auf dem Spitalsgelände untergebracht werden.

Die VP monierte jahrzehntelange "Versäumnisse" bezüglich der Psychiatriereform. Die bereits 1979 im Gemeinderat beschlossene Dezentralisierung sei bis heute nicht abgeschlossen, kritisierte Gesundheitssprecherin Ingrid Korosec. Die zuständige Stadträtin Sonja Wehsely sagte nichts dazu, SP-Gemeinderätin Sonja Ramskogler beschied Pilz, dass diese "jede Modernisierung, die die Stadt Wien leistet und die nicht auf dem Reißbrett der Grünen entstanden ist, als Fehler bezeichnet". (fern, APA/DER STANDARD - Printausgabe, 6.10.2009)

 

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