Heimische Retter kämpfen um Tiroler Markt

5. Oktober 2009, 20:43
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Tirol zentralisiert seinen Rettungsdienst. Ab 2011 soll ein Anbieter das ganze Land versorgen. Rotes Kreuz, Johanniter, Malteser und Samariterbund schließen sich zusammen - gegen dänische Konkurrenz

Innsbruck - Montag 10 Uhr endete die Bewerbungsfrist für die Teilnahme an der Ausschreibung für den neuen Tiroler Rettungsdienst. 33 Minuten später gab der zuständige Landesrat Bernhard Tilg (VP) via Aussendung bekannt, dass die Anträge vorlägen und nun geprüft würden: Die fünf besten Bewerber, beziehungsweise Bewerbergemeinschaften, könnten sich im nächsten Schritt bewerben. Konkret geht es um bodengebundene Rettung, Krankentransporte und Notarztversorgung. Waren für diese Dienste bisher die Gemeinden zuständig, will das Land nun die Versorgung bündeln.

Das Rote Kreuz, bisher Quasi-Monopolist im Tiroler Rettungswesen, hat sich für die Teilnahme am Verfahren mit den kleineren Anbietern Samariterbund, Johannitern und Maltesern zusammengeschlossen: Zusammen sehe man größere Chancen, das Rettungswesen in Tiroler Hand zu behalten. Denn die Konkurrenz schläft nicht.

Seit Monaten, seit Beschluss des neuen Rettungsgesetzes im Juli, ist das Interesse des dänischen Konzerns Falck bekannt. Auch der Münchner Krankentransport (MKT) und das Grüne Kreuz sollen sich beworben haben.

EU-weite Ausschreibung

Das neue Gesetz fordert eine EU-weite Ausschreibung. Qualitätsstandards für zukünftige Rettungsdienste gebe es aber keine, kritisierte Gebi Mair von den Grünen. Ausschlaggebend, um in die nächste Runde des Auswahlverfahrens zu kommen, sei nur der Preis - erst an zweiter Stelle stehe Qualität. Freiwilligenarbeit, wie sie etwa das Rote Kreuz mit seinen 4000 ehrenamtlichen Mitarbeitern auf 500 Hauptamtliche liefere, sei offenbar nicht mehr so wichtig, meint Mair. Das führe den Tiroler Rettungswagen in eine ungewisse Zukunft, sagt der Grüne: "Noch ist nichts klar. Ein Billiganbieter könnte die Ausschreibung gewinnen und alle bisherigen regionalen Strukturen zerschlagen."

Bisher kostete das Rettungswesen im Jahr rund 24 Millionen Euro. Das Einrichten einer Landesleitstelle machte das Retten nicht billiger, Pannen allerdings sichtbar: In Innsbruck, in der Zentrale, wisse keiner, wo etwa der Huber-Bauer in Gerlos wohne, so stehe das in keiner Karte. Mair: "Und wenn ein Hubschrauber auf den Hahnenkamm angefordert wird, wohin fliegt der dann? Nach Kitzbühel oder nach Reutte? Dort gibt es auch einen Hahnenkamm."

2011 sollte der neue Anbieter das Rettungswesen übernehmen. Das Land hat aber offenbar eine Exit-Strategie. Sind alle Anbieter zu teuer, kann die Ausschreibung zurückgezogen werden. Das Limit des Landes ist natürlich geheim.
 (Verena Langegger/DER STANDARD – Printausgabe, 6.10.2009)

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