Kairoer Universität verbietet Schleier

9. Oktober 2009, 07:27
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"Mit dem Islam hat dieser Schleier nichts zu tun" - Großscheich Tantawi von Muslimbruderschaft heftig angegriffen

Kairo - Die höchste theologische Autorität im sunnitischen Islam, der Großscheich der Kairoer Universität und Moschee Al-Azhar, Mohammed Sayed al-Tantawi, hat das Tragen von Gesichtsschleiern an der Universität verboten. Nach Auffassung der meisten Religionsgelehrten sei "das Gesicht einer Frau keine Schande", sagte Tantawi am Donnerstag in Kairo. Bereits vergangene Woche hatte er mit seiner Meinung, der Gesichtsschleier habe mit dem Islam nichts zu tun, und eine heftige Kontroverse ausgelöst.

Mit ihren Fatwas (religiösen Rechtsgutachten) bestimmt Al-Azhar maßgeblich soziale und ethische Belange von etwa einer Milliarde Sunniten auf der Welt. Tantawi, der 43. Großscheich von Al-Azhar, hatte unter anderem Massendemonstrationen gegen die dänischen Mohammed-Karikaturen angeführt. Er verdammte den Al-Kaida-Terrorismus als antiislamisch, bekundete aber Verständnis für den antiamerikanischen Widerstand im Irak.

Tantawi hatte am vergangenen Wochenende während einer Inspektion in einem Lehrinstitut von Al-Azhar ein Mädchen gezwungen, seinen Gesichtsschleier abzulegen. Dann beschämte er die Schülerin, indem er erklärte, so hübsch, dass sie ihr Gesicht vor aufdringlichen Blicken schützen müsse, sei sie nun schließlich auch nicht. Anschließend kündigte er an, er wolle das Tragen des Schleiers, der nur einen Sehschlitz freilässt, auf dem Gelände des Instituts verbieten lassen. Zu den Schülerinnen sagte er: "Das sind nur Traditionen, mit dem Islam hat dieser Schleier nichts zu tun."

Der stellvertretende Fraktionsführer der Abgeordnetengruppe der Muslimbruderschaft im ägyptischen Parlament, Hamdi Hassan, hatte Tantawi anschließend heftig kritisiert. Die Muslimbruderschaft (Jamiat al-Ikhwan al-Muslimun), stärkste oppositionelle Kraft in Ägypten, ist offiziell verboten. Zahlreiche ihrer Mitglieder sitzen im Gefängnis. Dennoch bildet sie mit 88 Abgeordneten, die als Unabhängige firmieren, die größte Oppositionsfraktion. Die Mehrheit der Ägypterinnen trägt das islamische Kopftuch. In den vergangenen zehn Jahren hat darüber hinaus die Zahl der Frauen zugenommen, die - wie in Saudi-Arabien üblich - zusätzlich auch ihr Gesicht verhüllen. Die ägyptische Regierung beobachtet diese Entwicklung mit Sorge. Al-Azhar wird von der Regierung kontrolliert. (APA/AP)

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