Zank über Aufsichtsratssitz

5. Oktober 2009, 18:57
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B&C-Stiftung sieht keinen Grund mehr, dass Wiener Städtische im Aufsichtsrat sitzt

Wien - Bei der Porr geht das Match zwischen den beiden Aktionären, der früheren Bank Austria nahen Industriestiftung B&C und der Vienna Insurance Group (VIG, früher Wiener Städtische) weiter. Wie berichtet, fiel der VIG-Anteil nach der jüngsten Kapitalerhöhung um 83,5 Millionen Euro beim Baukonzern von zehn auf 9,18 Prozent. Die Stiftung nahm das zum Anlass um darauf hinzuweisen, dass damit laut Vertrag das Syndikat, bestehend aus B&C Stiftung, VIG und dem Tiroler Unternehmer Klaus Ortner, aufgelöst ist. Im Syndikatsvertrag sei festgehalten, dass kein Mitglied unter zehn Prozent fallen dürfe, andernfalls das Syndikat eben nicht mehr gelte.

Die VIG sieht das anders und ist seither sauer und sieht die Übernahmekommission am Zug. In einer ad hoc Mitteilung des Porr-Vorstandes hält die VIG fest, "das wir hinsichtlich dieser Aktien weiterhin einem Syndikat angehören". Im Absatz darüber hält die Stiftung fest, "das Syndikat ist aufgelöst".

Erstmals hat sich nun der Vorstand der B&C-Stiftung dazu geäußert: Wolfgang Hofer sagte zum Standard, man habe ein Jahr lang über die Kapitalerhöhung und auch darüber diskutiert, dass die VIG erforderlichenfalls Bezugsrechte von der B&C-Stiftung zukauft, um sich nicht verwässern zu lassen - und nicht unter die Grenze von zehn Prozent zu fallen.

Die Stiftung wollte jedenfalls keine Kapitalerhöhung machen, wenn danach das Syndikat auseinanderfalle, argumentiert Hofer. Die VIG hat ihre Bezugsrechte zwar voll ausgenutzt, da aber auch Vorzugsaktionäre Bezugsrechte ausnutzen konnten, die VIG aber nur Stämme hat, wurde ihr Anteil somit verwässert.

Die Stiftung habe der VIG angeboten, die fehlenden Bezugsrechte von ihr zuzukaufen, was diese aber nicht tat. Hofer: "Die nunmehrige Auffassung der VIG würde im Extremfall bedeuten, dass die VIG weiter im Syndikat bleibt, mit gleichem Stimmgewicht wie andere Aktionäre mit 25 oder 40 Prozent, auch wenn sie einst nur mehr eine Stammaktie hat."

Was das für die Porr in der Praxis bedeutet? Hofer: "Ich weiß nicht, ob ein Aktionär mit unter zehn Prozent noch im Aufsichtsrat vertreten sein wird. (Derzeit sitzen VIG-Beteiligungs-Vorstand Christine Dornaus und Anwalt Georg Riedl für die VIG im Porr-Aufsichtsrat, Anm.) Das tägliche Geschäft macht der Vorstand und bei der Hauptversammlung werden sich die Mehrheiten frei bilden." Das sei für die Porr auch besser, weil sie starke Aktionäre habe, darunter auch, aber "offenbar mit abnehmender Bedeutung, die Vienna Insurance Group", argumentiert Hofer.

Die B&C-Stiftung, deren Anteil nach der Kapitalerhöhung von 45 auf 38 sank, strebt jedenfalls nicht die Mehrheit an der Porr an und sieht daher auch keinen Grund, ein Übernahmeangebot zu legen. Aus Sicht der VIG sieht die Sache so aus: Sollte es zu keiner Einigung mit der Stiftung kommen, werde man sich überlegen, die Angelegenheit vom Schiedsgericht prüfen zu lassen.

Wie berichtet erwarb die türkische Renaissance Gruppe 10,22 Prozent im Zuge der Kapitalerhöhung und ist nun drittgrößter Aktionär der Porr. Klaus Ortner inklusive Familienmitglieder hielt seinen Anteil von rund 30 Prozent. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.10.2009)

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