Medien sind nur einer von vielen unfreien Bereichen

5. Oktober 2009, 18:47
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Das Bewusstsein für die Bedeutung freier Medien steigt in den nahöstlichen Gesellschaften jedoch stark

Im Nahen Osten hat es der Ereignisse von 9/11 als Argument für die Einschränkung der Medien gar nicht bedurft: Journalisten und Journalistinnen kämpfen dort seit jeher um Professionalität und Qualität und kommen dabei mit den Mächtigen in Konflikt. Die Medien sind nur einer von vielen unfreien Bereichen, wobei die Lage je nach Land sehr unterschiedlich ist.

Nicht nur Repressalien von oben stehen Qualitätsmedien entgegen, sondern auch die traditionell starken Affiliationen zu Gruppen (Religionen, Ethnien, Parteien etc.) und oft auch ein unterentwickeltes Verständnis von "engagiertem" Journalismus: Ein Beispiel dafür ist der "Schuhwerfer von Bagdad", der, nachdem er US-Präsident George Bush auf einer Pressekonferenz mit seinen Schuhen beworfen hatte, von journalistischen Angeboten überschwemmt wurde. Nur ganz wenige wiesen darauf hin, dass die Tat mit journalistischem Ethos unvereinbar sei.

Das Bewusstsein für die Bedeutung freier Medien steigt in den nahöstlichen Gesellschaften jedoch stark, und unter Druck bekennen sich die Regierungen zumindest nominell vermehrt dazu. Einschränkungen gibt es übrigens auch in einem Land mit einer freien Medienszene: In Israel unterliegt Berichterstattung über Sicherheitsangelegenheiten der Militärzensur. (Gudrun Harrer, DER STANDARD; Printausgabe, 6.10.2009)

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